Zugfahren in China
Zugfahren in China ist eine tolle Sache, das könnt ihr hier nachlesen. Hier soll es aber vorrangig um ein paar praktische Belange gehen.
Bahnhof: 火车站. Alle größeren Städten haben mindestens einen; in Peking ist es eher ein Problem, herauszufinden, von welchem man abfährt. Steht aber auf dem Ticket oben links, hier auf das letzte Zeichen (z.B. 西 für Westbahnhof) achten.
Tickets: Am Bahnhof kann man Tickets kaufen (售票厅) oder zurückgeben (退票, gegen eine gewisse Gebühr), wobei die Vorverkaufszeit momentan (April 2009) vier Tage beträgt. Der Verkauf für Freitag fängt dann Montagabend um 19.00h an. Vor Feiertagen (Frühlingsfest (Januar/Februar), Woche um den 1. Oktober, 1. Mai, sowie Qing Ming Jie (April), Duan Wu Jie (Mai, Juni) und Zhong Qiu Jie (Ende September)) ist es wirklich schwierig, Tickets zu bekommen – mindestens eine Stunde vorher anstellen ist Pflicht und selbst dann ist es nicht sicher, ob man welche bekommt. Außerdem gibt es die Tickets für einen Aufpreis von 5 Yuan an den offiziellen Verkaufsstellen, die oft in Reisebüros sind. Auch Hotels können einem manchmal beim Besorgen behilflich sein. Wer sich gut auskennt, kann auch einen 票贩子 beauftragen; diese Erfahrung muss ich aber erst selbst noch machen und werde dann zu gegebener Zeit berichten
.
Züge: Welche Züge für einen in Frage kommen, kann man bei vorhandenen Chinesisch-Kenntnissen auf der Homepage der chinesischen Bahn nachschauen. Alle Züge haben eine Nummer, die Zahlen und meist einem Buchstaben bestehen. Züge ohne Buchstaben sind sehr alt, dementsprechend langsam und unkomfortabel. K steht für 快, also schnell, aber bei uns heißt es ja auch Regionalexpress, obwohl der RE keineswegs schnell ist … K-Züge sind die zweitschlechtesten, verfügen aber wenigstens über eine Klimaanlage. T ist 特快, also besonders schnell, und die sind schon wirklich recht ordentlich. Die neueste Generation sind D-Züge 动车, die sogar noch besser ausgestattet als unsere ICEs sind und deutlich schneller als der Rest. Dann gibt es noch Z-Züge, die besonders luxuriös ausgestattet sind (merkt man tatsächlich an den sanitären Anlagen) und nur zwischen großen Städten fahren.
Klassen: Außer bei D-Zügen wird zwischen Hard 硬 und Soft 软 sowie zwischen Sitz- (座位 zuòwèi) und Schlafplatz (卧铺 wopu) unterschieden, so dass es insgesamt vier Ticketarten gibt. Hardseater ist eine Erfahrung für sich: für eine Tagesfahrt okay und sogar interessant, weil da ganz andere Leute als in den anderen Klassen fahren, aber über Nacht nur im äußersten Notfall – es sei
denn, man schläft gerne auf einer Zeitung unter dem Sitz und wird um drei Uhr nachts vom Nachbarn geweckt, der jetzt unbedingt mit seinem Handy in voller Lautstärke Musik hören möchte (das Licht wird die ganze Nacht nicht ausgeschaltet). Im Softseater hat man etwas mehr Platz und er entspricht etwa der zweiten Klasse der DB. Über Nacht ist das aber auch nicht so toll, vor allem, da er mehr als Hardsleeper kostet. Im Hardsleeper sind drei Betten übereinander, zwei Reihen bilden ein Abteil, das aber nach vorne hin offen ist – so richtig seine Ruhe hat man also nie. Auf dem unt
ersten Bett kann man bis 1,70m aufrecht sitzen, auf dem obersten bis Hosengröße 50 liegen, ohne den Bauch einziehen zu müssen *g*. Ob man unteres oder mittleres Bett nimmt, hängt letztendlich davon ab, ob es einem etwas ausmacht, wenn noch jemand auf dem Bett sitzt oder nicht (das untere ist etwas teurer). Softsleeper ist in jedem Zug schön, weil man einfach nur eine begrenzte Anzahl von Chinesen hat, die einen nerven können
. Klar kann man Pech haben und eine Mutter mit zwei (!!) Kindern abbekommen oder den Mann, der den ganzen Abend Hühnerfüße isst und die Krallen im Raum verstreut, aber insgesamt ist es recht gemütlich und eine 36h-Fahrt am Ende einer langen Reise hat auch ihre entspannenden Seiten.
In den D-Zügen gibt es, ganz kapitalistisch, erste (一等) und zweite (二等) Klasse, was einfach Hard und Soft entspricht.
Abfahrt: Man kann schon recht früh zum Bahnhof gehen, da die Züge gewöhnlich 40min vorher bereitgestellt werden (auch für Zwischenstopps ist mehr Zeit eingeplant). Vor dem Bahnhof wird manchmal gecheckt, ob man ein gültiges Ticket hat, und außerdem erfolgt eine Taschenkontrolle wie am Flughafen. Im Bahnhof selbst muss man erstmal herausfinden, in welche Wartehalle man gehen muss. Es gibt große Tafeln, auf denen nach und nach alle Züge der nächsten Stunden (mit Nummer) angezeigt werden; ganz rechts steht, wo man hingehen muss. Hierbei ist es hilfreich zu wissen, dass 楼 das Stockwerk (gewöhnlich an erster Stelle, eins ist Erdgeschoss) bezeichnet und 厅 die Wartehalle. Ansonsten einfach mal durchlaufen und gucken, ob man an einer Halle seine Zugnummer sieht! In jeder Wartehalle gibt es wiederum Tafeln, die denn aktuellen Status des Zuges anzeigen; kritisch wird’s bei 正在检票 (Ticketkontrolle), aber das kriegt man schnell mit, weil dann alles zum Tor läuft (als ob man keine Sitzplatzreservierung hätte …). Dann einfach mit der Masse zum Bahnsteig laufen und dort nach der richtigen Wagennummer (车, linke Zahl auf dem Ticket) suchen.
Fahrt: Im Zug gibt es Toiletten, Waschgelegenheiten und Spender für heißes Wasser (für Tee oder Instantnudeln). Es gibt einen Restaurantwagen; zu den Essenszeiten “bedient Sie unser Team auch gerne am Platz”. Für Kurzweil sorgen u.a. Obst-, Kaffee-, Getränke-, Süßigkeiten-, Zeitschriften-, Briefmarken- und Stadtplan-Verkäufer!
Ankunft: Wenn man über Nacht fährt, notiert sich die Zugbegleiterin, wo man aussteigen will, und weckt einen rechtzeitig auf. Ticket aufheben, da das beim Hinausgehen eventuell nochmal kontrolliert wird. Und wenn man in den nächsten Tagen noch weiterreisen will – gleich nächstes Ticket kaufen!