Daily China

Alles rund ums Reich der Mitte

China-Stipendien über BayCHINA

April20

Das relativ neue Bayerische Hochschulzentrum für China vergibt seit diesem Semester in Zusammenarbeit mit dem China Scholarship Council Jahresstipendien für das Studium in China. Es handelt sich dabei um Stipendien der chinesischen Regierung, die Studiengebühren, Unterbringung, Krankenversicherung und eine kleine monatliche Unterstützung (1400-2000 Yuan, je nach Abschluss). Die Stipendien werden für zwei Semester und es gibt insgesamt zehn Plätze; reine Sprachaufenthalte werden bisher nicht gefödert (allerdings ist das Ganze erst angelaufen, also noch ein bisschen chaotisch). Wer schnell ist, kann sich noch bis zum 24.04. für das kommende Wintersemester bewerben!

Übrigens vergibt BayCHINA auch Reisekostenzuschüsse für Praktika.

Statusbericht

März12

Nur, damit ihr mal wisst, was so los ist … nach einem nicht enden wollenden Frühlingsfest (die letzten Heimat-Urlauber sind vergangenes Wochenende erst zurückgekommen) hat nun das normale Leben wieder seinen Gang aufgenommen. Heute hat die zweite Woche Sprachunterricht angefangen. Ich bin dieses Semester in der Gaoji Ban, dem höchsten Level an der Nan Da (Universität Nanjing), und im Gegensatz zum letzten Semester, wo ich dann ja in den Kurs darunter gewechselt hatte, fühle ich mich jetzt auf diesem Niveau ganz wohl. Wir haben zwar weniger Sprachunterricht (8 statt 11 Stunden), dafür aber mehr Fächer, in denen auch eine intensive Vorbereitung zu Hause gefordert wird. Zusätzlich können wir noch Fächer wie Chinesischer Film, Alte chinesische Geschichte oder Chinesische Malerei belegen.  Ich habe mich erstmal für Kalligraphie entschieden und bin mit meiner Wahl überaus zufrieden. In Trier hatte ich ja im letzten Jahr schon mal etwas Kalligraphie-Unterricht gehabt und dann ein bisschen zu Hause weitergemacht, aber hier ist das doch etwas ganz anderes … dieses Wochenende habe ich schätzungsweise 500 Punkte (das ist der Anfang aller Striche) gemalt und könnte immer noch weitermachen ;-) . Ich bin schon sehr gespannt auf meine nächste Stunde am Donnerstag.

Natürlich mache ich auch mit Erhu-Spielen (oder besser Lernen) weiter. Für alle Ungebildeten ;-) : Erhu ist eine zweisaitige Knie-Geige, die von einem Anfänger gespielt wie Geige klingt, in den Händen eines Profis allerdings durch die unterschiedliche Greiftechnik einen ganz eigenen, sehr chinesischen Klang entwickelt. Mein Lehrer ist Erhu-Spieler mit Leib und Seele und wenn ich ihn spielen höre, vergesse ich alles um mich herum – schon toll, von so jemandem Unterricht zu bekommen.

Neben den schönen Künsten lerne ich natürlich auch fleißig Chinesisch. Mein erster HSK (der chinesische TOEFL) war mit Level 6 (von 8) schon ganz zufriedenstellend, aber da es hier sehr billig ist, den Test zu machen, werde ich wohl im April nochmal mitschreiben. Zu lernen gibt es immer was …

Und nach all der Arbeit hat man sich auch mal ein bisschen xiuxi [Pause machen] verdient. Ende des Monats geht es wahrscheinlich nach Hong Kong, von dem alle, die in den Semesterferien dort waren, so schwärmen, im Mai kriege ich nochmal Besuch (freu mich schon, Fernice Fröhlich), mit dem ich Shanghai, Nanjing, Peking und Xi’an abklappern werde, und Anfang Juni ist ein Auslandstreffen der Stustis in Peking. Dann sind noch knapp drei Wochen Uni und schon ist der offizielle Teil meines Jahres hier in China beendet Traurig. Konkrete Pläne für die Ferien habe ich noch nicht, aber Tibet und überhaupt den Westen Chinas würde ich schon noch gerne sehen …

Shijian guode zhen kuai! [Wie doch die Zeit vergeht ...]

Watch, bags?

Januar1

Wer nicht nach China kommt, um Ming-Vasen und Jade-Buddhas zu erstehen, der ist sicher auf der Suche nach Waren, die gewissen Originalen nachempfunden sind, aber nur ein Bruchteil des Original-Preises kosten. Mit einem Wort: Fake-Waren. Und nirgends blüht dieses Gewerbe so üppig wie in Shanghai – auch nach Auflösung des berühmt-berüchtigten Xiang Yang-Marktes. Man muss nur wissen, wo man hingehen muss … wenig verwunderlich also, dass einer unserer ersten Wege in Shanghai meine Familie und mich zu einem Museum bzw. dessen näherer Umgebung führte. Auf dem Weg dorthin machte ich mir schon Gedanken, wie ich den Markt nun finden würde, denn sicherlich würde es keine Hinweisschilder geben. Aber mein Sorgen waren umsonst: Schilder gibt es wirklich keine, dafür aber jede Menge „Guides“, die potenzielle Kunden ansprechen und dann in die Geschäftsräumlichkeiten führen. Und ohne Guide ist man tatsächlich auf geschmissen, denn wer würde ahnen, dass sich hinter der Wand des einen Geschäftes ein weiterer Raum befindet, von dem man wiederum durch eine Geheimtür in die eigentliche Schatzkammer kommt? Die ägyptischen Pyramiden sind nichts dagegen.

Von dieser Art Geschäfte gibt es mindestens ein Dutzend und unsere Guides (bald gesellte sich ein zweiter hinzu) warteten geduldig, während wir harte Preisverhandlungen führten, um uns dann zum nächsten zu führen. Einerseits scheinen sie selbstständig zu arbeiten, denn jeder hatte seine eigene Visitenkarte und einer wollte uns auch noch zu einem anderen Markt führen, andererseits sind sie sicherlich am Umsatz beteiligt – überhaupt gehören in diesem Metier wohl alle irgendwie zusammen, denn was der eine nicht hatte, wurde rasch aus dem Lager eines anderen besorgt. Chinesen sind eben Leute mit Geschäftssinn.

So verging der Nachmittag aufs Angenehmste – bis wir in einem Laden aufgefordert wurden, uns ruhig zu verhalten: Polizei, angeblich, um nicht bezahlte Steuern einzutreiben. Wer’s glaubt. Uns wurde jedenfalls versichert, dass uns als Ausländern sowieso nichts passieren würde, und tatsächlich durften wir alle (Verkäufer eingeschlossen) nach einer Weile unbehelligt das Geschäft verlassen, aber ein bisschen mulmig wird einem doch zumute, wenn man hört, wie draußen jemand die Wände abklopft … die Verkäufer ließen sich jedenfalls nicht davon unterkriegen und der Vergleich von dem Ungeheuer, dem man einen Kopf abschlägt, woraufhin ihm sogleich drei neue nachwachsen, trägt sich einem unwillkürlich auf.

Shengdan kuaile oder: Weihnachten auf Chinesisch

Januar1

Die Bilder von der Vorweihnachtszeit konntet ihr ja schon im Photoblog bewundern, nun folgt also noch eine kurze Rückblende in Worten – eine Austauschstudentin zu Weihnachten in Nanjing.

Sonntag, 10.12.2006
Erste Weihnachtsfeier der deutschen/schweizerischen Austauschstudenten. Bei selbstgemachtem Punsch (mein Geheimrezept: Wein, Orangensaft, Orangenscheiben und Zucker nach Geschmack anwärmen) und Wichteln kommt richtig Stimmung auf – der echte Kunsttannenbaum trägt natürlich maßgeblich dazu bei.

Freitag, 15.12.2006
Weihnachtsfeier im Deutsch-Institut der NanDa, zu der alle Austauschstudenten sowie die Deutschen Nanjings herzlich eingeladen sind. Es gibt ein kaltes Büffet, das außer Glühwein wenig Weihnachtliches bietet, dazu Darbietungen der Studenten und Lehrkräfte. Mein persönliches Highlight: unser Krippenspiel, modern angehaucht (auch wenn an dieser Stelle noch mal angemerkt werden muss, dass die Maus als Jesuskind KEINE besondere Bedeutung hatte, sondern nur aus der Not geboren wurde). Ansonsten gab es noch die andere Fassung des „Phantoms der Oper“, bei der sich das Phantom als Frau und Christine als lesbisch erweisen, einige chinesische Sketche und einen Gedichtvortrag, der einen nicht gerade in Feierstimmung versetzte. Auch beim Blind-Wichteln (jeder musste ein Geschenk mitbringen und bekam dafür auch eines – nach Belieben) gab es nicht nur fröhliche Gesichter – aber mit Rittersport haben wir wohl nichts falsch gemacht. Die Dekoration – eher chinesisch, viel Glitzer und Lichter, insgesamt recht kitschig. Fazit: viel Feier, eher wenig Weihnacht, aber auf jeden Fall ein typisch chinesisches Erlebnis.

Samstag, 16.12. 2006
Als wir uns nach dem Weihnachtseinkauf am Fuzi Miao im McDonald’s stärken, werden wir von einem kleinen chinesischen Jungen auf Englisch angesprochen, ob wir ihm dabei helfen könnten, seinen englischen Vortrag für die Weihnachtsfeier zu proben. Sein Englisch ist für seine neun Jahre einfach großartig, so dass wir der Bitte natürlich gerne nachkommen. Passt irgendwie zu Weihnachten ;-) .

Donnerstag, 21.12. 2006
Abschiedsessen mit meiner Klasse. Auf meine „Frohe Weihnachten“ – Wünsche reagieren die Koreaner und Japaner eher erstaunt.

Samstag, 23.12. 2006
Shanghai, (Weihnachts-)Shopping. Meine Mum und mein Bruder haben beschlossen, diesmal im Vorhinein überhaupt keine Geschenke zu kaufen, sondern sich dann gegenseitig in Shanghai Sachen zu schenken. Ein Konzept, das aufgeht – nach Power-Shopping im Kleidermarkt und auf dem neuen Fake-Markt.

Sonntag, 24.12. 2006
Als wir unser Gepäck im Hotel aufgeben, muss der Portier erst nachschauen, welches Datum heute überhaupt ist. Dann aber wünscht er uns „Merry Christmas!“. Wäre ich in Deutschland, müsste mein vorweihnachtabendlicher Einkaufsbummel ausfallen, hier dagegen artet er beinahe in Stress aus – alle Sachen, die wir gestern zwar gesehen, aber noch nicht gekauft haben, müssen wir jetzt noch besorgen. Dann geht es zum Bahnhof und in den Zug nach Nanjing. Meine Familie habe ich im Hilton untergebracht, wo Weihnachtsstimmung hoch drei herrscht – inklusive Elektro-Eisenbahn und Carol-Singers. Aber auf dem Weg von der U-Bahn zu mir stelle ich fest, dass auch die Chinesen den Weihnachtsabend begehen – und zwar auf der Straße. Die Hunan Lu hat noch mehr Lichter als sonst, überall werden Wunderkerzen verkauft und insgesamt herrscht ein Gedränge, dass ich für den Weg doppelt so lange wie sonst brauche. Menschen, wohin man auch blickt – lange Schlangen im Supermarkt und bei Pizza Hut (an Weihnachten gönnt man sich halt mal was, auch wenn ich dem Bild nach zu urteilen das Weihnachtsmenü von Pizza Hut wirklich nicht empfehlen würde). Im Hotelzimmer dann eine stille Bescherung mit Pizza und leckerem Kuchen von der deutschen Bäckerei. Aber soo schön, Geschenke aus der Heimat zu bekommen! Danke, Chemphils!!

Montag, 25. 12. 2006
Weihnachtsfrühstück mal nicht zu Hause unterm Baum, sondern im Hilton. Schnee gibt es keinen, aber kalt ist es trotzdem. Bei der Maniküre bekomme ich zu hören, dass ja heute unser Frühlingsfest sei. Ja, so kann man es auch sagen. Auf jeden Fall verstehen alle, dass mich dafür meine Familie zu besuchen kommt und finden meinen didi „hen ku“. In dem kleinen Supermarkt bekommt man zu spüren, dass gestern alle Chinesen gefeiert haben – sogar das Mineralwasser ist beinahe ausverkauft.

Dienstag, 26. 12. 2006
In Deutschland ist heute zweiter Weihnachtsfeiertag, in China wischen die Angestellten im Geschäft nebenan schon wieder das Schneespray von den Scheiben. Noch wünscht einem der Portier im Hilton „Merry Christmas“, aber für den Rest der Chinesen ist der Alltag wieder eingekehrt. Weihnachten in China – eine kurze, aber sehr lebhafte Angelegenheit!

Etwas liegt in der Luft

November2

Und es ist kein Schnee oder Vorfreude auf Weihnachten, sondern dichter Smog-Nebel. Hatte heute mehrmals das Bedürfnis, meine Kontaktlinsen zu reinigen, bis mir wieder einfiel, dass das an der Sicht nichts ändern würde. Muss wohl am kalten Wetter liegen (tagsüber haben wir zwar noch bis zu 18°C, nachts kann es aber richtig kühl werden (gerade 9°C) – natürlich nicht mit Münchner Verhältnissen zu vergleichen).

Heute ist es mir außerdem gelungen, eines der größten Geheimnisses meines China-Aufenthaltes zu lösen: das Geheimnis der Frauen-in-Kostümen. Vor der Post stehen nämlich in guten Zeiten bis zu zehn Frauen Ende 20, schick angezogen, die alle vorbeigehenden Passantinnen anquatschen. Heute hat’s endlich auch mich erwischt. Ich hatte ja die Hoffnung, es sei eine geheimnisvolle Sekte – aber weit gefehlt, es handelt sich nur um Werbung für eine mir unbekannte, angebliche amerikansche Make Up-Firma. Was das Besondere daran aber sein soll, konnte bzw. wollte mir die sogar englischsprechende Verkäuferin nicht erklären – sie interessierte sich mehr für meine näheren Lebensumstände und versicherte mir am Ende meines Gesprächs, dass ich wunderbar mit einer der anderen Damen Chinesisch lernen könne. Tja, was man nicht alles erlebt in China.

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Olympia 2008, die Expo 2010 … bei mir hat aber alles schon viel früher angefangen. Ich habe in der Schule Chinesisch gelernt, weil ich mal etwas Anderes machen wollte und weil ich Asien schon immer interessant fand. Sehr schnell wurde ich sehr sinophil und nach meinem ersten Sprachkurs in Shanghai im Sommer 2004 war mir klar, dass ich zurück will in dieses faszinierende Land – dann aber für länger. 2006 ging mein Traum dann in Erfüllung – für zwei Semester habe ich an der Universität Nanjing Chinesisch studiert, Erhu gelernt, chinesische Freunde gefunden, mich manchmal über den Alltag aufgeregt und bin natürlich im ganzen Land unterwegs gewesen. Meine Erfahrungen – vom Bewerbungsprozess für das China-Programm der Studienstiftung bis hin zu Reiseberichten – habe ich hier (wenn auch nicht immer regelmäßig) niedergeschrieben. Aber damit endet die Geschichte nicht: letztes Jahr war ich während der olympischen Spiele wieder in China und von März bis Mai diesen Jahres habe ich ein zweimonatiges Laborpraktikum in Peking gemacht. Und von 2010 bis 2011 habe ich im eisigkalten Harbin studiert.

Die meisten meiner Kategorien sind selbsterklärend, hier ein paar Hinweise für die übrigen:

Wenn ihr irgendwelche Fragen oder Anmerkungen habt, einfach kommentieren! Ich antworte bestimmt :-) .


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