Februar19
Wer “L’auberge espagnole” gesehen oder diverse Artikel über Auslandsaufenthalte während des Studiums gelesen hat, der kennt ja die Faustregel: ein Jahr vorher. Nun ist es leider so, dass ein Jahr manchmal nicht reicht. Ein paar Beispiele gefällig?
- China-Programm der Studienstiftung des deutschen Volkes: Einsendefrist für die schriftlichen Bewerbungsunterlagen 30. April für einen Studienbeginn im Wintersemester des darauffolgenden Jahres (also rund 1 1/2 Jahre vorher).
- DAAD-Vollstipendium: Bewerbungsfrist Ende September für Studienbeginn im folgenden Wintersemester. Wenn man also erst zu Beginn des Wintersemester anfängt, sich umzusehen, ist die Frist bereits verstrichen.
Gerade für Stipendien muss man frühzeitig anfangen, sich umzusehen, weil das Zusammenstellen der Bewerbungsunterlagen auch nochmal Zeit erfordert. Wenn man allerdings über ERASMUS oder das Selbstzahlerprogramm des DAAD geht, reicht oft auch weniger Vorbereitungszeit (Selbstzahlerprogramm: nur die Studiengebühren werden übernommen, Bewerbung bis Ende März für Studienbeginn im nächsten Wintersemester (also ein halbes Jahr später)).
Wenn man dann eine Deadline hat, sollte man am besten drei bis vier Wochen vorher anfangen, die entsprechenden Unterlagen zusammen zu suchen. Den wenigsten Aufwand macht dabei das Formblatt mit den persönlichen Daten; bei Kopien von Abiturzeugnissen und Hochschulprüfungen muss man berücksichtigen, dass die entsprechenden Stellen (Gemeinde- oder Stadtverwaltung für beglaubigte Kopien des Abiturzeugnisses, Prüfungsamt für Vordiplom etc.) nur zu bestimmten Zeiten geöffnet sind. Gutachten sind nochmal ein ganz anderes Thema und erforden viel Geduld; aber auch Motivationsschreiben wollen sorgfältig abgefasst und am besten nochmal von anderen Personen Korrektur gelesen werden. Werden Nachweise über Sprachkenntnisse gefordert, sollte man sich rechtzeitig um einen Termin beim zuständigen Dozenten bemühen, da man oft nicht der einzige ist, der sich für so etwas bewirbt und andere dieselben Unterlagen benötigen.
Übersetzungen kann man meist selbst anfertigen und braucht sie dann nur noch beglaubigen zu lassen (hier helfen u.a. das Dekanat, die ehemalige Schule oder das Auslandsamt).
Februar19
Da China trotz der Öffnungspolitik der letzten Jahrzehnte gerade für Studenten noch recht abgeschlossen ist, hat man als ausländischer Student nur begrenzte Möglichkeiten, dort 努力地学习 (= fleißig zu studieren). Nicht alle Unis sind für Ausländer geöffnet – umgekehrt ist es auch für Ausländer nicht ratsam, überall zu studieren
. Im Folgenden ein paar Möglichkeiten (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):
- Immer mehr Unis bieten Kontaktstipendien mit chinesischen Unis an. Allerdings beinhalten diese meist nur die Möglichkeit, umsonst an der jeweiligen Uni zu studieren, weitere finanzielle Hilfe gibt es nicht. Informationen gibt’s beim Auslandsamt der Uni.
- Baden-Würtemberg bietet für seine Studenten ein spezielles Programm an, das einen Sprachkurs in Nanjing und ein Praktikum vorsieht. Den verschiedenen Unis in BaWü werden wohl intern jeweils eine bestimmte Menge Plätze reserviert; insgesamt gibt es, wenn ich mich recht erinnere, etwa 10 Stipendien. Allgemeine Infos zum BaWü-Stipendium gibt es hier.
- Der Klassiker fürs Ausland: der DAAD bietet gleich mehrere passende Programme. Zum einen das klassische Vollstipendium für ein oder zwei Semester; dann das Programm “Sprache und Praxis in der VR China”, das sich an Graduierte (auch Bachelor) richtet und einen einjährigen Sprachkurs sowie im Anschluss ein sechsmonatiges Praktikum vorsieht; und schließlich das schon erwähnte Selbstzahlerprogramm, bei dem nur die Studiengebühren übernommen werden (vor allem dann interessant, wenn es an der eigenen Uni keine Kontaktstipendien nach China gibt). Allgemein interessante Infos über das Studium in der VR (Erfahrungsberichte, Download notwendiger Unterlagen) gibt es beim Referat für China.
- Eine Rundum-Versorgung bietet das offene China-Programm der Studienstiftung des deutschen Volkes (offen will heißen, dass man sich auch als bisheriger Nicht-Stipendiat bewerben kann). Neben drei Sprachkursen an der Universität Trier gibt es Geld für Privatunterricht am Heimatort, eine monatliche Zuwendung während des Aufenthalts in China, eine Mobilitätspauschale für Reisen innerhalb Chinas sowie den Hinflug und Geld für den Rückflug. Genauso nützlich sind die vielen Infos, die man von Ehemaligen über Leben und Studium bekommt, sowie die Unterstützung bei der Suche nach einem Praktikumsplatz. In der Ausschreibung heißt es, dass es im ersten Semester mehr um die Sprache, im zweiten um das fachbezogenen Studium geht; inoffiziell wird einem gesagt, dass man sich um anrechenbare Studienleistungen keine Gedanken machen soll. Die meisten Stipendiaten gehen an die Nanjing Universität, begründete Ausnahmen sind möglich. Jährlich werden 10 Stipendien vergeben. Jedem, der sich wirklich für China interessiert und das auch einigermaßen begründen kann, rate ich, sich hier zu bewerben. Zum ersten Sprachkurs werden immerhin bis zu 30 Leute eingeladen und die drei Wochen allein machen den Bewerbungsaufwand mehr als wett.
- Über das UNESCO “Great Wall-Fellowship”-Programm vergibt das China Scholarship Council Vollstipendien sowohl für Sprach- als auch für normale Studenten. Das Stipendium beinhaltet Studiengebühren, Unterkunft, medizinische Versorgung und ein Taschengeld von 1100 bzw. 1400 Yuan. Bewerben muss man sich beim nationalen UNESCO-Komitee. Wie die Chancen stehen, weiß ich leider nicht. Das selbe Stipendium kann man übrigens auch bekommen, wenn man beim HSK besonders gut abschneidet.
- Die chinesische Regierung vergibt auch selbsttätig Stipendien. Genauere Information findet man auf der Seite des China Scholarship Councils.