September29

So – ein bisschen spät, aber besser spät als nie – kommt hier mein Reisebericht aus Shanghai. Da war ich nämlich zusammen mit Tobi von 14. – 16. September. Gewohnt haben wir bei Bekannten von Tobi, zwar außerhalb von Shanghai (~ 1 Stunde bis ins Zentrum), dafür aber in einem wirklich tollen Villenviertel, in dem erstaunlicherweise nicht nur reiche Expats, sondern zum größten Teil Chinesen wohnen, die wohl auch über das nötige Kleingeld verfügen.
Freitag, 15. September
Wir sind am Freitag nach der Uni mit dem Zug hingefahren, was sehr bequem und ziemlich schnell war – nur 2,5 Stunden braucht man mit der schnellsten Verbindung. In Shanghai angekommen, wollten wir erstmal unser Gepäck irgendwo lassen und dann in die Stadt gehen. Das Problem war nicht, einen Ort zu finden, wo man seine Sachen lassen kann (rund um den Bahnhof gibt es sicher 10 kleine Shops, die alle das selbe anbieten – Stauraum), sondern vielmehr, sich sein Gepäck nicht abnehmen zu lassen. Da war nämlich ein überaus hartnäckige Dame, die Tobi seinen Koffer wortwörtlich aus der Hand gerissen hat – wir hatten wirklich Mühe, ihn ihr wieder abzunehmen, denn sie verlangte den doppelten Preis, den wir letztendlich bei dem Laden gleich gegenüber ihrem gezahlt haben. Geschäftssinn ja, aber muss sich das gleich so äußern??
Um etliche Kilo erleichtert ging es dann mit der U-Bahn zum Renmin Guang Chang, dem Platz des Volkes. Ich war ja vor zwei Jahren schonmal in Shanghai, aber es ist wirklich beeindruckend, was sich seitdem getan hat. Allein drei komplett neue U-Bahn-Linien gibt es – zusammen mit den zwei bereits vorhandenen reicht das aber immer noch nciht aus, um all die Leute aufzunehmen, die in Shanghai von A nach B wollen – was sich daran zeigt, dass es nichtmal um 11 Uhr nachts auf dem Weg zur Endhaltestelle Sitzplätze gibt. Dementsprechend stürzen sich selbst erwachsenen Männer in Anzügen in die U-Bahn und veranstalten eine Art “Reise nach Jerusalem” – beim ersten Mal noch witzig, aber auf die Dauer ziemlich nervig. Überhaupt hatte ich diesmal viel mehr das Gefühl, in einer rieisigen Stadt mit Millionen von Menschen zu sein, als das letzte Mal. Shanghai ist einfach ganz anders als Nanjing – ich hätte gar nicht gedacht, dass man das so stark merkt. Aber ehrlich gesagt, gefällt mir Nanjing viel besser!
Nachdem wir im Regen ein bisschen über den Platz gelaufen sind (viel außer Schauen und Wolkenkratzer fotografieren kann man nicht machen), ging’s noch zu Nanjing Donglu, einer der Haupteinkaufsstraßen.Die Straße selbst ist sehr chinesisch-modern, mit vielen bunten Leuchtreklamen und einigen teureren Geschäften. Aber sobald man nur einmal abbiegt, ist man in einer völlig anderen Welt – auf der einen kleinen Straße, auf die wir durch Zufall kamen, saßen die Leute auf der Straße, Wäsche hing aus den Fenstern und wenn jemand gesagt hätte, dass wir einen Zeitsprung in die 70er Jahre gemacht haben, hätte ich das auch geglaubt. Oft gesagt und wirklich wahr: China ist ein Land der Gegensätze.
Samstag, 16. September
Für heute hatten wir uns das Shanghai Museum und das Viertel rund um den Yuyuan vorgenommen. Das Museum war ganz in Ordnung, ein bisschen Kultur muss sein, und damit ihr die auch kriegt, habe ich die interessantesten Sachen fotografiert. Auf Beschreibungen (weiß selber nicht mehr, was ich da geknipst habe) müsst ihr aber verzichten, seht und staunt einfach
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Erfreulicherweise hat es dann auch noch geklappt, dass wir uns mit Maria, einer chinesischen Freundin, die jetzt in Deutschland studiert und gerade auf Heimaturlaub ist, getroffen haben. Sie hat dann beim Shopping im Yu Yuan nochmal die Preise für uns heruntergehandelt. Der Yu Yuan ist eigentlich ein Park, der ursprünglich von einer reichen Familie während der Ming-Zeit (Mitte des 15. Jahrhunderts) erbaut wurde. Um den Park herum befindet sich die “Alt”stadt, die, wie der Lonely Planet es so schön ausdrückt, einem Disneyland des alten Chinas ähnelt. Aber es gibt dort wirklich viele coole kleine Läden, die lauter typisch chinesische Sachen von Tee über Scherenschnitte und Namensstempel bis hin zu Perlen anbieten – so ein Viertel fehlt Nanjing einfach. Deswegen habe ich mir gleich mal mit zwei Stempeln und einem Goldfisch-Drachen eingedeckt
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Für den Abend war dann wieder etwas Kulturelles geplant – zur Auswahl standen eine chinesische Percussion-Group und das Ballett “Schwanensee”, von einer amerikanischen Kompagnie getanzt. Dreimal dürft ihr raten, wo ich hingegangen bin – wollte schon lange mal in China ins Ballett gehen. Wir waren zwar leicht underdressed, aber die Chinesen haben ein ziemlich lockeres Verhältnis zum Ballett. Da war es auch nicht weiter verwunderlich, dass nach der Pause zwischen erstem und zweitem Akt die Musik schon wieder eingesetzt hatte, die Zuschauer aber immer noch auf den Beinen und fleißig am Ratschen waren. Andererseits wollten sie den Tänzern auch wirklich ihre Bewunderung ausdrücken, so dass es ständig Szenenapplaus gab – für ein Ballett zugegebenermaßen recht ungewöhnlich. Ungewöhnlich war auch, wie wir überhaupt an die Karten kamen – wir sind einfach zur Station gefahren, wo das Theater war, und wurden schon auf der Treppe von den ersten Verkäufern angequatscht, die ganz professionell das Programm für die kommenden Monate in Händen hatten und auf die jeweilige Veranstaltung deuteten. Als sich dann herausstellte, dass die eine Frau keine Karten mehr für Schwanensee hatte, wollte sie sich das Geschäft trotzdem nicht entgehen lassen und rief per Handy flugs ihre Kollegen herbei. Ich frage mich ja, wie die Geld verdienen – die Karten für die Percussion-Group hätten sie uns immerhin für den halben Preis überlassen. Unsere Karten haben letztendlich (nach zähen Verhandlungen) 130 Yuan gekostet – waren zwar die billigsten, aber die Plätze waren wirklich gut. Und für den Preis war es dann auch nicht so schlimm, dass die Amis ein Happy End eingebaut hatten
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Sonntag, 17. September
Shanghai hat viele Wolkenkratzer und natürlich ist es das Ziel eines jeden Touristen, einmal auf einem davon zu stehen. Zur Auswahl stehen viele, der Lonely Planet rät jedoch, sich das Geld zu sparen (50 Yuan immerhin) und stattdessen auf einen Kaffee ins Cloud No. 9, einem Restaurant im 87. Stock des Grand Hyatt, zu gehen und von dort die Aussicht zu genießen. Gesagt – getan – Tobi und ich waren sehr stolz, als wir es bis nach oben geschafft hatten (wir mussten immerhin mit drei verschiedenen Fahrstühlen fahren), wurden dann aber von den Preisen wieder ernüchtert. Man möchte fast meinen, dass das Personal den Lonely Planet gelesen hat – es gibt nämlich kein Gericht für unter 50 Yuan und außerdem kommt noch eine Service-Pauschale von 15% dazu. Nichts gespart also
, dafür einmal gesehen, dass man in China auch Mineralwasser für 70 Yuan (das sind 7€ für 0,3l!!) bestellen kann, und sich mit den anderen Lonely Planet-Lesern verbunden gefühlt, die ebenfalls auf der Suche nach dem besten Foto durch das Lokal streiften. Ob sich das Geld für Pfirsch-Sekt- und Passionsfrucht-Eis und einen merkwürdigen Cocktail mit Pfirsich und Kokosnuss gelohnt haben, könnt ihr hier beurteilen.
Anschließend haben wir noch die Katakomben Shanghais erkundet – will heißen, dass wir uns in das labyrinthartige, rieisge Einfkaufszentrum unter dem Renmin Guangchang gewagt haben. Shoppen kann man wirklich gut in Shanghai – auch wenn die Sachen wirklich teuerer als in Nanjing sind und manchmal genauso viel wie bei uns kosten. Und dann ging’s für mich auch schon wieder zurück nach Nanjing – es tat wirklich gut, dort wieder in eine leere U-Bahn zu steigen!
Fazit: Shanghai übers Wochenende ist echt cool, aber Shanghai ist eben trotzdem nicht China.