Daily China

Alles rund ums Reich der Mitte

China-Newbies – Nützliches zum Zugfahren

April9

Für alle, die nach meinen Beschreibung so richtig Lust auf eine chinesische Zugfahrt bekommen habe, gibt es hier noch ein paar Hilfestellungen. Allgemeines zum Zugfahren siehe auch hier.

Ein Visual Guide fürs Zurechtfinden im Bahnhof (solche Tafeln hängen meist direkt gegenüber des Haupteingangs):

Daily Life - Zug-10

Von der Wartehalle aus muss man nur der Menge hinterher zum richtigen Gleis laufen. Schwierig wird’s erst wieder am Zug, denn welche Zahl heißt was?

Daily Life - Zug-11

Wie gesagt, immer gucken, zu welchem Bahnhof man muss, das macht nämlich einen ganz schönen Unterschied. Bestes Beispiel: mit den D-Zügen braucht man von Nanjing nach Peking zwar nur noch 8 statt 10 Stunden, aber die halten alle am Südbahnhof (北京南站) und von da braucht man bis zur nächsten U-Bahn-Haltestelle eine ganze Stunde. Da wird die Zeitersparnis gleich viel kleiner …

Zu guter Letzt noch eine kleine Liste von Dingen, die man auf einer längeren Zugfahrt brauchen könnte:

  • ein kleines Handtuch
  • Seife in Blattform (gibt es bei einem deutschen Drogeriemarkt mit zwei Buchstaben) – Seife gibt’s nämlich nie
  • Klopapier/Kleenextücher/genügend Taschentücher (das ist sowieso für die ganze China-Reise obligatorisch, denn auf den wenigsten Toiletten wird Papier gestellt)
  • Badelatschen, damit man nicht immer die Schuhe an- und ausziehen muss (auch die sind auf der ganzen Reise nützlich, wenn man bedenkt, dass chinesische Duschen grundsätzlich das ganze Bad unter Wasser setzen; allerdings sollte man sie zwischen dem Klobesuch und der nächsten Dusche besser gründlich abwaschen *g*)
  • Ohropax oder gut abdichtende Kopfhörer gegen die Dudelmusik im Hardsleeper oder schnarchende Mitreisende
  • ein chinesisches Teeglas (man wirft erst den losen Tee rein und steckt dann ein mitgeliefertes Sieb fest), denn im Zug gibt es eine Heißwassermaschine
  • ein Stickset, um sich die Zeit zu vertreiben :-)

Weitere Berichte zum Zugfahren in China.

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Tagebuch einer Zugfahrt III

April6

22.46h
Ich liege ganz am Ende eines Wagens, neben dem Waschbereich. Quizfrage:

Was ist daran am nervigsten?

a) Dass alle Leute, die aufs Klo wollen, auf jeden Fall an mir vorbeigehen müssen.

b) Dass die ganze Zeit Licht brennt.

c) Das sagenhafte, unbeschreibliche Geräusch, mit dem Chinesen den Schleim sammeln, bevor sie kraftvoll ausspucken (ich weiß, das liest sich schrecklich eklig, aber ich versichere euch, dass es in echt noch viel ekliger klingt!). Das tun sie im Hardsleeper, weil sie ja sehr kultiviert sind, nur ins Waschbecken – im Hardseater gelten solche Einschränkungen nicht.

22.47h
c)!!!

2.10h
Die Leute, die demnächst aussteigen wollen, machen sie unglaublich lautstark zu eben diesem bereit.

2.23h
Mit dem gleichen Getöse steigen sie endlich aus.

3.59h
Hatte ich schonmal erwähnt, dass die Antwort c ist??

4.30h
Die nächsten Station nähert sich – siehe 2.10h.

5.25h
Warum in Gottes Namen sollte man im Zug, wo man eh nichts zu tun hat, so früh aufstehen wollen? Tut aber mindestens ein Viertel der verbleibenden Fahrgäste. Es ist immer noch c.

6.01h
Die Zugbegleiterin sammelt die Platzkarten wieder ein und gibt einem dafür das ursprüngliche Papierticket zurück. Was zunächst wie eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme aussieht, erfüllt tatsächlich einen Zweck: so weiß sie, wann sie wen wecken muss.

6.30h
Die letzte halbe Stunde ist die beste Stunde Schlaf im Zug … ich bin so müde, dass ich sogar c) ausblenden kann und in wundervolle 20 Minuten Tiefschlaf versinke.

7.05h
Okay, die Tonbandansage, die auf Chinesisch und Englisch die Vorzüge Nanjings anpreist, kann man nicht ausblenden. Ich habe immer noch nicht verstanden, warum man Leute, die ohnehin auf dem Weg dorthin sind, ihre Reiseziel noch schmackhaft machen muss.

7.20h
Ich habe wohl geträumt, dass ich ein kleiner kläffender Köter bin, der sich in eine feiste Wade verbissen hat. Nur so lässt sich erklären, warum mein Kiefer so verspannt ist. Oder aber ich habe als Abwehrreaktion auf c) meinen Mund gaaanz fest zugemacht.

7.30h
Witzigerweise fühlen sich die Chinesen wohl genauso zerknüllt wie ich, denn morgens kommt eigentlich nie eine richtige Unterhaltung zustande.

7.39h
Die letzte Ticketkontrolle (es waren ja erst vier: beim Betreten des Bahnhofs; beim Verlassen der Wartehalle Richtung Gleis; beim Einsteigen in den Zug; am Platz bei der Ausgabe der Platzkarte) findet beim Verlassen des Bahnhofs statt. Hier zeigt sich mal wieder, dass die Einführung des Anstehtages am 11. jeden Monats eine durchaus sinnvolle Sache war und unbedingt fortgeführt werden sollte, da leider noch nicht alle Chinesen davon profiitiert haben.

Und die Moral von der Geschicht’: Eine Zugfahrt, die ist anstrengend, aber auch amüsant. Fairerweise muss man zugeben, dass es sich im Softsleeper viel angenehmer schlafen lässt, weil man ja vom ständigen Ein- und Aussteigen in der Regel wenig mitkriegt. Dafür knüpft man aber nicht so viele Kontakte.
In jedem Fall war es sicher nicht meine letzte Zugfahrt und tatsächlich hoffe ich, dass ich auch euch Appetit machen konnte …

Teil I
Teil II

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Tagebuch einer Zugfahrt II

April5

12.22h
Nachdem ich noch kurz im Labor war und mich unterwegs mit Tupperboxen (sehr chinesisch mit Blütenmuster) und Proviant eingedeckt habe, komme ich nach Hause. Nur noch schnell eine Maschine Wäsche reinwerfen, damit die in meiner Abwesenheit trocknen kann …

13.46h
Murphy’s Gesetz hat sich mal wieder bewahrheitet: nachdem sich meine Waschmaschine schon die ganzen letzten Tage Geräusche gemacht hat, als ob sie Richtung Mond abheben will, hat sie heute endgültig den Geist aufgegeben. Tja, damit muss ich mich wohl beschäftigen, wenn ich wieder da bin … schnell meinen Hello Kitty-Plüschanzug (so etwas braucht man an kalten Pekinger Abenden!!) notdürftig ausgewrungen und ab geht’s zur Bushaltestelle.

15.20h
Mein neuer Weg zum Bahnhof (Bus+U-Bahn) ist zwar nicht schneller (immer noch eine Stunde), aber mit Gepäck deutlich bequemer als der alte (Bus+U-Bahn+U-Bahn+U-Bahn+U-Bahn). Kurz überlege ich mich, ob ich meinem Chinesentum heute endgültig die Krone aufsetzen und so wie 200 andere Chinesen auch VOR dem Bahnhof (auf einer Zeitung sitzend oder einem Reissack schlafend) auf meinen Zug warten soll, entscheide mich dann aber doch dagegen. Ich habe weder Zeitung noch Reissack dabei.Daily Life - Zug-10

15.35h
Nächstes Mal nehme ich definitiv einen Reissack mit. Egal, zu welcher Tages- oder Nachtzeit man mit welchem Zug fährt, die Wartehalle ist völlig überfüllt (siehe Video). Draußen hat man eindeutig mehr Platz.

15.40h
Die Schafe dürfen auf die Weide! Jedenfalls stürmen die sicher genauso rücksichtslos nach vorne wie meine Mitreisenden. Hat man ihnen eigentlich mal gesagt, dass es von jeder Platznummer nur eine Karte gibt?

16.00h
Wie üblich kommt jemand und behauptet, dass ich auf seinem Bett liegen würde. Wie üblich lässt sich das durch einen simplen Kartenvergleich aufklären und wie üblich liege ich richtig. Aber gut, dass wir darüber gesprochen haben.

17.30h
Nachdem der Essensverteiler zum fünften Mal mein Nachmittagsschläfchen mit einer lautstarken Verkündigung seines Angebots unterbrochen hat, kriege auch ich Hunger (wohlgemerkt wegen der Uhrzeit, nicht etwa wegen seines Angebots!). Bei mir stehen auf der Speisekarte: zwei Fladenbrötchen, die ich heute aus der Mensa geholt habe (warm sind die echt gut), Kirschtomaten, Erdbeeren, Oreos und zur Not noch Tuc-Kräcker und Gummibärchen. Ich weiß, nicht gerade nahrhaft, aber in Peking kenne ich noch kein Skyways, wo man sich einfach ein paar Sandwiches mitnehmen könnte … Während des Essens bewundere ich die Landschaft: eine absolut häßliche Industriestadt und ihre Ausläufer. So hässlich, dass sie schon fast wieder fotogen wäre. Bin mir aber ziemlich sicher, dass auf Fotos nur die Hässlichkeit rüberkommen würde, und lasse es deswegen gleich.

18.05h
Mit einer simplen Frage nach dem Namen der aktuellen Station liefere ich ihnen die Vorlage, auf die sie nur gewartet haben. „Du sprichst aber gut Chinesisch!“ – und schon sitzen drei Männer und eine Frau um mich herum. Die Leute von den Betten über uns beteiligen sich natürlich auch munter. Ring frei für die mit Abstand interessanteste Diskussion, die ich während einer Zugfahrt geführt habe!

18.15h
Es fängt mit Belanglosigkeiten an – wer woher kommt, was man macht, wie schlimm man von der Wirtschaftskrise getroffen ist, wohin man fährt. Das führt zu einer Diskussion über die Vorteile verschiedener Regionen Chinas. Wir kommen zurück zu mir und den Unterschieden zwischen dem Westen und China, woraus sich eine detaillierte Untersuchung des chinesischen Hochschulsystems ergibt. Aus irgendeinem Grund landen wir dann beim Panjiayuan und stellen anschließend fest, dass Männer überall auf der Welt gleich sind (auch chinesische Männer hassen Bummeln und lange Telefonate).

21.23h
Ich klinke mich kurzzeitig aus der Diskussion über das Wasseraufbereitungsgerät, das die Firma eines Mitreisenden vertreibt, aus, um mir noch bettfertig machen zu könne, bevor das Licht ausgeht. Wow, die Zeit verging echt schnell, und ich hatte noch nicht mal Zeit, mit dem Sticken meines nächsten Schlüsselanhängers anzufangen!

22.14h
Der Typ mit dem Wasseraufbereitungsgerät ist besonders hartnäckig und erklärt mir den Mechanismus nochmal im Detail (das Gerät bricht die Wasserstoffbrücken und macht das Wasser somit kleiner, damit es von den Zellen besser aufgenommen werden kann – wozu gibt es eigentlich Porine??). Mein Bettnachbar gegenüber, Typ Realist, lässt sich nicht überzeugen. Richtig interessant wird es, als mich Mr. Sauberes-Wasser (der wirklich nett ist) sehr ernsthaft fragt, ob ich eine Botschaft hätte, die ich den Chinesen mitteilen möchte. Okay, nichts Falsches sagen – auch wenn ich mir wie ein Vertreter von einem anderen Planeten vorkomme, sehe ich von allen lustigen Bemerkungen à la „Nach Hause telefonieren“ ab. Leider komme ich nicht wirklich dazu, meine Meinung ausführlich darzulegen, da wir vom oberen Bett mit Hinweis auf Schlafenszeit unterbrochen werden. Echt schade. Obwohl – wenn ich es mir recht überlege, muss ich meine Meinung erst noch in astreinem Chinesisch ausformulieren. Am Ende hört noch wirklich jemand darauf!!

Teil I

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Tagebuch einer Zugfahrt I

April1

Wer China kennenlernen will, wird wohl um Zugfahrten nicht herumkommen. Zum einen verfügt China über ein gut ausgebautes Schienennetz, so dass man (außerhalb von Feiertagen) problemlos fast überall hinkommt, zum anderen ist es einfach ein besonderes Erlebnis, 36 Stunden in einem chinesischen Zug durch die Gegend zu fahren, und somit eine Reiseerfahrung, die man nicht missen sollte. Mit dieser Serie möchte ich euch zeigen, was ich meine …

Geplant ist eine Reise von Peking nach Nanjing. Über die offizielle Seite der chinesischen Bahn kann man sich bei vorhandenen Chinesisch-Kenntnisse über die Zugnummer, Fahrzeit und Ticketpreise informieren. Ein bisschen was zur Theorie findet ihr in meinen Einträgen hier und hier.

Die günstigste Verbindung wäre für mich ein Z-Zug, sehr komfortabel, der  abends um 22.00h losfährt und um 7.00h ankommt. Preis für Hardsleeper: 237 Yuan.

Samstag, 28.03.

An die Deutsche Bahn und ihre Sparpreispolitik gewöhnt, finde ich es schon fast ein bisschen spät, erst sechs Tage vor Abfahrt ein Ticket zu kaufen. Umso überraschter bin ich, als ich am Schalter erfahre, dass man die Tickets seit neuestem erst vier Tage vorher ab 19.00h kaufen kann. Vor zwei Jahren waren es immerhin noch 15 Tage …

Montag, 30.3.

17.30h
Meine Laborkollegen erklären mir, dass am Wochenende Qing Ming Jie ist und alle Leute entweder am Freitag oder am Montag frei haben. Erst freue ich mich darüber, kann ich doch so einen Tag länger in Nanjing bleiben. Allerdings nutzen natürlich auch viele Chinesen das verlängerte Wochenende für Familienbesuche, so dass es mit den Tickets eng werden könnte.

18.30h
Also mache ich mich, wie ich finde, extra-früh auf den Weg. Für die Chinesen nicht früh genug – an dem Ticketschalter in der Nähe des Instituts, der mir die einstündige Fahrt zum Bahnhof erspart, stehen mindestens schon 20 Leute in einer langen Schlange, die sich schon über den Gehsteig hinweg windet. Und während ich warte, kommen immer weitere hinzu, so dass sie am Schluss schon auf der Straße stehen.

19.30h
Endlich bin ich dran, aber nach Nanjing gibt es nur noch Hardseater oder Softsleeper und auch nicht für den Zug, den ich wollte. Ich beschließe also, morgen nochmal zu kommen (früher!!) , um ein Ticket für Samstag zu ergattern.

Dienstag, 31.3.

18.05h
Hah, ich bin die dritte in der Schlange! Dann MUSS es doch einfach klappen …

19.05h
Denkste. Obwohl der Verkäufer wirklich schnell war (er hat schon vor Verkaufsbeginn die zwei ersten in der Schlange gefragt, wo sie hinwollen, damit er vorbereitet ist), sind die Hardsleeper-Tickets für den Abendzug schon weg. Bleibt nur noch ein Zug um 16.00h, der ewige 15 Stunden statt 10 braucht … aber gut. Hauptsache, ich irgendwie komme hin.

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Zugfahren in China

April1

Zugfahren in China ist eine tolle Sache, das könnt ihr hier nachlesen. Hier soll es aber vorrangig um ein paar praktische Belange gehen.

Bahnhof: 火车站. Alle größeren Städten haben mindestens einen; in Peking ist es eher ein Problem, herauszufinden, von welchem man abfährt. Steht aber auf dem Ticket oben links, hier auf das letzte Zeichen (z.B. 西 für Westbahnhof) achten.

Tickets: Am Bahnhof kann man Tickets kaufen (售票厅) oder zurückgeben (退票, gegen eine gewisse Gebühr), wobei die Vorverkaufszeit momentan (April 2009) vier Tage beträgt. Der Verkauf für Freitag fängt dann Montagabend um 19.00h an. Vor Feiertagen (Frühlingsfest (Januar/Februar), Woche um den 1. Oktober, 1. Mai, sowie Qing Ming Jie (April), Duan Wu Jie (Mai, Juni) und Zhong Qiu Jie (Ende September)) ist es wirklich schwierig, Tickets zu bekommen – mindestens eine Stunde vorher anstellen ist Pflicht und selbst dann ist es nicht sicher, ob man welche bekommt. Außerdem gibt es die Tickets für einen Aufpreis von 5 Yuan an den offiziellen Verkaufsstellen, die oft in Reisebüros sind. Auch Hotels können einem manchmal beim Besorgen behilflich sein. Wer sich gut auskennt, kann auch einen 票贩子 beauftragen; diese Erfahrung muss ich aber erst selbst noch machen und werde dann zu gegebener Zeit berichten ;-) .

Züge: Welche Züge für einen in Frage kommen, kann man bei vorhandenen Chinesisch-Kenntnissen auf der Homepage der chinesischen Bahn nachschauen. Alle Züge haben eine Nummer, die Zahlen und meist einem Buchstaben bestehen. Züge ohne Buchstaben sind sehr alt, dementsprechend langsam und unkomfortabel. K steht für 快, also schnell, aber bei uns heißt es ja auch Regionalexpress, obwohl der RE keineswegs schnell ist … K-Züge sind die zweitschlechtesten, verfügen aber wenigstens über eine Klimaanlage. T ist 特快, also besonders schnell, und die sind schon wirklich recht ordentlich. Die neueste Generation sind D-Züge 动车, die sogar noch besser ausgestattet als unsere ICEs sind und deutlich schneller als der Rest. Dann gibt es noch Z-Züge, die besonders luxuriös ausgestattet sind (merkt man tatsächlich an den sanitären Anlagen) und nur zwischen großen Städten fahren.

Klassen: Außer bei D-Zügen wird zwischen Hard 硬 und Soft 软 sowie zwischen Sitz- (座位 zuòwèi) und Schlafplatz (卧铺 wopu) unterschieden, so dass es insgesamt vier Ticketarten gibt. Hardseater ist eine Erfahrung für sich: für eine Tagesfahrt okay und sogar interessant, weil da ganz andere Leute als in den anderen Klassen fahren, aber über Nacht nur im äußersten Notfall – es sei Daily Life - Zug-2denn, man schläft gerne auf einer Zeitung unter dem Sitz und wird um drei Uhr nachts vom Nachbarn geweckt, der jetzt unbedingt mit seinem Handy in voller Lautstärke Musik hören möchte (das Licht wird die ganze Nacht nicht ausgeschaltet). Im Softseater hat man etwas mehr Platz und er entspricht etwa der zweiten Klasse der DB. Über Nacht ist das aber auch nicht so toll, vor allem, da er mehr als Hardsleeper kostet. Im Hardsleeper sind drei Betten übereinander, zwei Reihen bilden ein Abteil, das aber nach vorne hin offen ist – so richtig seine Ruhe hat man also nie. Auf dem untDaily Life - Zug-8ersten Bett kann man bis 1,70m aufrecht sitzen, auf dem obersten bis Hosengröße 50 liegen, ohne den Bauch einziehen zu müssen *g*. Ob man unteres oder mittleres Bett nimmt, hängt letztendlich davon ab, ob es einem etwas ausmacht, wenn noch jemand auf dem Bett sitzt oder nicht (das untere ist etwas teurer). Softsleeper ist in jedem Zug schön, weil man einfach nur eine begrenzte Anzahl von Chinesen hat, die einen nerven können :-) . Klar kann man Pech haben und eine Mutter mit zwei (!!) Kindern abbekommen oder den Mann, der den ganzen Abend Hühnerfüße isst und die Krallen im Raum verstreut, aber insgesamt ist es recht gemütlich und eine 36h-Fahrt am Ende einer langen Reise hat auch ihre entspannenden Seiten.

In den D-Zügen gibt es, ganz kapitalistisch, erste (一等) und zweite (二等) Klasse, was einfach Hard und Soft entspricht.

Abfahrt:  Man kann schon recht früh zum Bahnhof gehen, da die Züge gewöhnlich 40min vorher bereitgestellt werden (auch für Zwischenstopps ist mehr Zeit eingeplant). Vor dem Bahnhof wird manchmal gecheckt, ob man ein gültiges Ticket hat, und außerdem erfolgt eine Taschenkontrolle wie am Flughafen. Im Bahnhof selbst muss man erstmal herausfinden, in welche Wartehalle man gehen muss. Es gibt große Tafeln, auf denen nach und nach alle Züge der nächsten Stunden (mit Nummer) angezeigt werden; ganz rechts steht, wo man hingehen muss. Hierbei ist es hilfreich zu wissen, dass 楼 das Stockwerk (gewöhnlich an erster Stelle, eins ist Erdgeschoss) bezeichnet und 厅 die Wartehalle. Ansonsten einfach mal durchlaufen und gucken, ob man an einer Halle seine Zugnummer sieht! In jeder Wartehalle gibt es wiederum Tafeln, die denn aktuellen Status des Zuges anzeigen; kritisch wird’s bei 正在检票 (Ticketkontrolle), aber das kriegt man schnell mit, weil dann alles zum Tor läuft (als ob man keine Sitzplatzreservierung hätte …). Dann einfach mit der Masse zum Bahnsteig laufen und dort nach der richtigen Wagennummer (车, linke Zahl auf dem Ticket) suchen.

Fahrt: Im Zug gibt es Toiletten, Waschgelegenheiten und Spender für heißes Wasser (für Tee oder Instantnudeln). Es gibt einen Restaurantwagen; zu den Essenszeiten “bedient Sie unser Team auch gerne am Platz”. Für Kurzweil sorgen u.a. Obst-, Kaffee-, Getränke-, Süßigkeiten-, Zeitschriften-, Briefmarken- und Stadtplan-Verkäufer!

Ankunft: Wenn man über Nacht fährt, notiert sich die Zugbegleiterin, wo man aussteigen will, und weckt einen rechtzeitig auf. Ticket aufheben, da das beim Hinausgehen eventuell nochmal kontrolliert wird. Und wenn man in den nächsten Tagen noch weiterreisen will – gleich nächstes Ticket kaufen!

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