Daily China

Alles rund ums Reich der Mitte

60 Jahre VRC – ein Rückblick

Oktober4

Der große Tag – der 1. Oktober, 60. Gründungstag der Volksrepublik China – kam … und ging. Nachdem die Blogosphere sich seit ungefähr einem Monat mit nichts Anderem beschäftigt hat (was die Stimmung in Peking wohl ganz gut wiedergab), fühlt man sich nun irgendwie – leer. Also lassen wir das schöne Ereignis doch einfach Revue passieren: in Form einer Linkliste zu Videos, Kommentaren und Artikeln rund um den diesjährigen 国庆节.

  • Die Vorbereitung war fast genauso schön wie das eigentliche Event – jedenfalls, was die Fotos angeht.
  • 60 Jahre Volksrepublik – was war da eigentlich los? Einen interessanten Überblick über das Hauptereignis eines jeden Jahres gibt es auf ChinaHush (sicherlich eine gute Vorbereitung für eventuelle Auswahlgespräche). Und das Ganze dann garniert mit Coverbildern von China Pictorial. Und wo wir schon bei Covern sind: hübsche Collage der Tageszeitung vom 1. Oktober von Danwei.
  • Genau 66 Minuten dauerte die Parade – das Video von Dan Chung von The Guardian fasst sie in knapp vier Minuten zusammen (meiner Meinung nach völlig ausreichend ^_^). Wer sich die volle Dröhnung geben will, findet die Übertragung von CCTV auch auf Youku. Mit der waren die meisten Chinesen aber recht unzufrieden – zum einen war sie nicht künstlerisch genug und zum anderen – wie andere Feierlichkeiten auch – um 30 Sekunden zeitversetzt. Deswegen gibt es hier noch die angebliche bessere Alternative von Phoenix TV.
  • Was war eigentlich mit dem ehemaligen Premier Zhu Rongji? Und was bedeutet es, dass Hu Jintao einen sog. Mao-Anzug trug? Klatsch und Tratsch rund um die Führungsebene gab es genug. Die BBC erklärt uns auch noch die Symbolik der Parade.
  • Selbst die Gratiszeitung in der Pariser Metro fand ein paar Worte zum Großereignis, von sämtlichen großen internationalen Tageszeitungen gar nicht zu reden. Der Tenor der allermeisten Artikel war, dass China ja schon viel recht erreicht, aber viele historische und aktuelle Probleme unter den Teppich kehrt *gähn*. Müssten wir Deutschen, der uns der Richtung Geschichte erhobene Zeigefinger anderer Länder allmählich auf den Geist geht, nicht eigentlich von solchen Hinweisen absehen? Diesen Artikel der NYTimes, in dem es um die Ideologie-Leere in der VRC geht, sowie eine Videoserie zum Thema “Wo wird China in 60 Jahren sein?” (BBC) fand ich noch ganz gut, aber sonst wenig Neues.

Wer jetzt immer noch nicht genug hat, sollte sich diese Linkliste von ChinaBeat ansehen – da erfährt man unter anderem, was Mao wirklich zum Anlass der Gründung gesagt hat.

Hätten wir das also auch überstanden – wer weiß, wie der 70. Jahrestag aussehen wird :-) .

CR nun auch in der VRC

September23

Die NY Times schreibt heute, dass in China Corporate Responsability immer wichtiger wird und auch in der Öffentlichkeit Beachtung findet. So war die Spendensumme im letzten Jahr dreimal so hoch wie die Jahre zuvor. Dieser Trend ist vor allem auf das Erdbeben in Sichuan 2008 zurückzuführen, bei dem im Internet Listen mit den geizigsten Unternehmen (sog. Eiserne Hähne) kursierten. Allerdings ist das nicht der einzige Grund für den Sinneswandel:

Das Erdbeben wurde von zwei anderen Entwicklungen begleitet, sagt Alan Vandor Molen, Präsident des Asien-Pazifik-Geschäfts von Edelman, einer PR Firma. Die eine war ein Mandat von 2007, das Unternehmen, die an der Börse von Shanghai oder Shenzhen gelistet sind, verpflichtet, jedes Jahr einen Bericht über ihre Corporate Responsability herauszugeben. Die zweite war die Politik der “Harmonischen Gesellschaft” der Regierung.

Um ihren Ruf zu verbessern, spenden viele Firmen nun für wohltätige Zwecke, wobei ihnen dafür drei Möglichkeiten zur Verfügung stehen: Organisationen der Regierung, genehmigte NGOs oder lokale Grassroot-Aktionen. Aus Mangel an Alternativen haben einige Unternehmer auch beschlossen, eigene Stiftungen zu gründen, was aber bisher noch auf rechtliche Schwierigkeiten stößt.

Da hat VW ja gute Chancen: bei einem Vortrag zu ihrem China-Geschäft, den ich kürzlich besucht habe, hieß es nämlich, dass sie darauf auch in China großen Wert legen würden, und ich dachte mir noch, dass das etwas ist, was in der VR eher weniger eine Rolle spielt – so kann man sich täuschen.

China in Afrika – Hilfe für andere und für sich

September22

In diesem Artikel aus der NY Times geht es, ausgehend von Korruptionsvorwürfen Namibias in einem Deal mit Cargo-Scannern, allgemein um die undurchsichtige Praxis bei Auslandshilfen der chinesischen Regierung. Solche Hilfeleistungen laufen meist so ab, dass die chinesische Seite ein sehr günstiges Darlehen vergibt, mit dem dann aber auch bitte Produkte von chinesischen Firmen gekauft werden sollen. Preisvergleich und genauere Nachfragen über die Konditionen des Vertrags verbittet man sich, Bestechungen ausländischer Beamte durch chinesische Firmen, die das große Geschäft wittern, sind anscheinend an der Tagesordnung.

Von offizieller Seite heißt es dann natürlich, dass sich die eigenen Firmen noch im Aufbau befinden und besonderen Schutzes bedürfen. Und man muss sich auch darüber im Klaren sein, dass westliche Hilfegelder vor 30 Jahren noch auf ähnliche Weise flossen. Braucht China also einfach noch ein bisschen mehr Zeit, bevor wir die selben Standards erwarten dürfen? Andererseits scheint sich China in diesem Bereich besonders quer zu stellen. David Shambaugh von der George Washington University stellt fest:

Wir wissen mehr über China’s militärische Aktionen als über seine Auslandshilfen. [...] Auslandhilfen stehen im krassen Kontrast zum allgemeinen Trend, dass China sich an internationale Standards anpasst. Es ist so undurchsichtig, dass man sich wirklich fragt, was sie denn zu verbergen versuchen.

Ob es sinnvoll ist, die Vergabe von Geldern nach westlichem Modell an politische Reformen zu knüpfen, kann man sicher diskutieren. Wenn aber der Sohn von Präsident Hu Jintao in der Firma mitwirkt, die von solchen Auslandshilfen und deren Konditionen begünstigt wird, dann hat das nichts mehr mit einer anderen Entwicklungsstufe zu tun.

Link

Die fahrenden Händler von Beijing

September13

Wer schon einmal längere Zeit in China gelebt hat, egal wo, der kennt sie: die fahrenden Händler, die die Straßen durchkreuzen und versuchen, ihre fertig geschälten Früchte oder Gebäckwaren an den Mann zu bekommen oder etwas Altpapier aufzugabeln. Sie sind selbst im Hupkonzert der Rush Hour unüberhörbar – aber was rufen sie eigentlich? So manche Stunde, wenn ich an meinem Schreibtisch, der direkt auf eine der Hauptkreuzungen Nanjings hinausging und eigentlich HSK-Übungen hätte wiederholen sollen, habe ich über diese Frage gegrübelt und bin immer zu dem Schluss gekommen, dass ich einfach noch besser Chinesisch lernen muss, um das zu verstehen. Nun stellt sich heraus: alles vergebene Liebesmüh! In dem Artikel gibt Chen Lin, ein Metallsammler, zu:

Niemand weiß wirklich, was ich rufe, aber die Leute erinnern sich an meine Melodie und kommen heraus.

Und das sagen die mir erst jetzt!!

Im Rest des Artikels geht es darum, dass es durch die Umgestaltung der Stadt (alte Hutong-Viertel werden abgerissen und dafür abgeschlossene Hochhaus-Viertel errichtet) für die Straßenhändler immer schwieriger wird, ein Auskommen zu finden. Ich persönlich mache mir da jedoch eher weniger Sorgen. Vor fast allen Hochhausvierteln sieht man Leute stehen und sitzen, die irgendwelche Waren oder Dienstleistungen anbieten. Sie sparen sich auch noch den Weg und das Geschrei, denn anstatt herumfahren zu müssen, kommen die Leute einfach zu ihnen. Das gilt für den lokalen Schuster genauso wie für die diversen Frühstücksstände – man weiß einfach, wo man seine Sachen finden kann (wobei es vorkommen kann, dass man sich zu gewohnter Zeit an einen gewohnten Ort begibt und man da nichts mehr vorfindet – dann waren die Chengguan wohl schneller). Die meisten dieser Stände lassen sich auch nicht durch den Gang zum Supermarkt ersetzen – und mal ehrlich, welcher Chinese würde schon freiwilig auf sein 小热闹 verzichten?

Roaming Beijing’s Alleys, Shouting Vendors Sow Echoes of the Past – NYTimes.com.

Olympia 2008, die Expo 2010 … bei mir hat aber alles schon viel früher angefangen. Ich habe in der Schule Chinesisch gelernt, weil ich mal etwas Anderes machen wollte und weil ich Asien schon immer interessant fand. Sehr schnell wurde ich sehr sinophil und nach meinem ersten Sprachkurs in Shanghai im Sommer 2004 war mir klar, dass ich zurück will in dieses faszinierende Land – dann aber für länger. 2006 ging mein Traum dann in Erfüllung – für zwei Semester habe ich an der Universität Nanjing Chinesisch studiert, Erhu gelernt, chinesische Freunde gefunden, mich manchmal über den Alltag aufgeregt und bin natürlich im ganzen Land unterwegs gewesen. Meine Erfahrungen – vom Bewerbungsprozess für das China-Programm der Studienstiftung bis hin zu Reiseberichten – habe ich hier (wenn auch nicht immer regelmäßig) niedergeschrieben. Aber damit endet die Geschichte nicht: letztes Jahr war ich während der olympischen Spiele wieder in China und von März bis Mai diesen Jahres habe ich ein zweimonatiges Laborpraktikum in Peking gemacht. Und von 2010 bis 2011 habe ich im eisigkalten Harbin studiert.

Die meisten meiner Kategorien sind selbsterklärend, hier ein paar Hinweise für die übrigen:

Wenn ihr irgendwelche Fragen oder Anmerkungen habt, einfach kommentieren! Ich antworte bestimmt :-) .


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