Daily China

Alles rund ums Reich der Mitte

Tong bao hao (Hallo meine Landsleute)!

September8

Jaja, wenn man 80 Vokabeln in einer Lektion lernt, sind mit Sicherheit auch ein paar merkwürdige dabei Fröhlich. Aber manchmal erweisen sich auch die als nützlich…

Nachdem ich also solchermaßen für die nächste Woche vorgearbeitet habe, kann ich mich heute abend erstmal beruhigt angenehmeren Dingen widmen. Im Xiyuan, dem Ausländerwohnheim, soll wohl eine Art Kennenlernparty stattfinden – ich wollte zumindest mal vorbeischauen, auch wenn ich nicht weiß, wie lange ich bleibe – immerhin habe alle Koreaner bei der Vorstellungsrunde gesagt, dass Alkohol trinken zu ihren Hobbies gehört, was ich etwas merkwürdig fand – bei uns hört man mit derartigen Angaben doch etwa mit 15 auf, oder?? Naja, mal schauen…

Ansonsten war die Woche ziemlich entspannt. Ich habe drei verschiedene Kurse (Gaoji Ban, A1 und A2) ausprobiert und mich nun entschlossen, in A1 zu bleiben. Wir gehen zwar ziemlich schnell vor, aber ich denke, dass ich gut mitkomme, wenn ich die Vokabeln schon vorher gelernt habe (deswegen auch dieser Gewaltakt heute). Die meisten in der Klasse sind Koreaner oder Japaner, deren Akzent zwar teilweise recht ausgeprägt ist, die sich aber ansonsten gut ausdrücken können. Unsere beiden Lehrerinnen sind auch sehr in Ordnung. Und im Gegensatz zur Gaoji Ban haben wir nur Sprachunterricht, weswegen ich in dieser Klasse auch schneller Fortschritte machen werde. Meine Bücher und auch die übrigen Utensilien (es macht wirklich Spaß, in China Schreibwaren zu kaufen Fröhlich) habe ich mir schon besorgt und bin jetzt somit bestens gerüstet für lange Winterabende am Schreibtisch … zumindest habe ich mir das vorgenommen.

Von Nanjing habe ich immer noch nichts gesehen! Bin meistens bei mir in der Gegend – nicht, dass es hier nichts zu tun gäbe. Heute war ich z.B. in einem Laden, der einem Visitenkarten druckt. Ich habe mir schöne Karten mit einem typisch chinesischen Baum-Berg-Motiv gekauft und lasse mir nun dort meine chinesische Adresse aufdrucken (ihr wisst schon, ohne Visitenkarten ist man in China niemand). Ratet mal, wieviel das kostet … 10 Yuan für 100 Karten! China ist wahrlich ein Land für Shopping ;-) .

Außerdem waren wir heute am Wu Tai Shan, einem kleinen Berg in der Stadt, auf dem alle möglichen Sportanlagen zu finden sind. Wir wollten nach einem Wushu-Lehrer (das, was man bei uns als Kung Fu bezeichnet; Kung Fu zählt dagegen eher zu Taiji – aber so ganz habe ich die Bezeichnungen auch noch nicht verstanden) und hatten eigentlich gedacht, dass das in China kein Problem sein sollte. Weit gefehlt – bis jetzt sind wir noch nicht fündig geworden! Aber am Montag werdern wir mal bei der Uni nachfragen.

Dafür habe ich eine Tanzschule entdeckt, in der auch traditioneller chinesischer Tanz unterrichtet wird. Ich glaube, das werde ich mir mal angucken. Ist sicherlicherlich sehr interessant, ich in so einem tradtionellen Tracht Fröhlich.

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“Wo ai wo de zixingche (Ich liebe mein Fahrrad)” by Yue Meiqi

September5

Intro – “There are 4 million bicycles in Nanjing – but only one I love and that is miiiine …”

Ihr seht schon, das Fahrradfieber der Chinesen hat mich angesteckt. Mich, die ich in Deutschland nicht mal zur Post mit dem Rad fahre. Zu umständlich, zu unpraktisch, da bin ich ja schneller, wenn ich laufe – in Nanjing sind alle meine Bedenken vergessen. Und das, obwohl mein Rad hier seine bestens Zeiten vor ungefähr 10 Jahren hatte und auch da sicherlich nicht zu den Mercedes unter den Fahrrädern zählte. Und ein Herrenrad ist (sicherlich ein lustiger Anblick, ich beim Aufsteigen, da ich bei dem schönen Wetter nur Röcke trage Fröhlich). Über die Bremsen wollen wir lieber auch nicht reden – ich habe nicht das Gefühl, dass sie einen Zusammenstoß vermeiden könnten, wenn ich erstmal beschleunigt habe. Gestern hatte ich dann auch gleich einen platten. Aber mit neuem Reifen und einer wohltönenden Klingel (ihr erinnert euch an das Kapitel Verkehr ;-) ) ist es ein wirklich tolles Gefühl, die baumbestandenen Fahrradwege in Nanjing entlang zu brettern.

Fahrradfahren ist viel cooler als Laufen oder Busfahren, weil man sich dabei wirklich als Teil der chinesischen Gesellschaft fühlt. Hier fährt einfach jeder mit Rad – Leute mit Anzug, die zur Arbeit wollen, Schulkinder, Mütter mit Kindern, alte Omis – und ich als Ausländerin mittendrin statt nur dabei! Und soo gefährlich ist es auch nicht – allerdings lernt man erst hier die wahre Bedeutung des vorausschauenden Fahrens kennen, denn chinesische Fahrradfahrer sind absolut unberechenbar – eine Unart, die man sich jeden ebenso schnell wie das Dauerklingeln angewöhnt Fröhlich .

In diesem Sinne: Fahrradfahrers Heil!

Mein Fahrrad!
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Menre vs. liangkuai – das Wetter in Nanjing

September4

Der Mensch, der als solcher nur wenige Gesprächsthemen kennt, interessiert sich fast immer für das am Ort vorherrschende Wetter, wenn jemand nicht gerade im nächsten Dorf weilt. Und das Nanjinger Wetter ist es allemal wert, ein paar Wort darüber zu verlieren.

Der erste Gedanke, als wir letzten Montag aus dem Flughafen kamen: ist das eine Sauna?? Der zweite war: wo ist die Dusche?? Das Klima in Nanjing ist wirklich schrecklich – sehr warm (allerdings habe ich mir sagen lassen, dass es in Hangzhou noch schlimmer ist) und wirklich schwül – bestimmt 80% Luftfeuchtigkeit. Nanjing zählt nicht umsonst zu einer der fünf “Hochöfen” Chinas – auch wenn es in einem solchen Ding wahrscheinlich nicht so feucht ist.

Die ersten Tage war also dreimal/Tag duschen angesagt, außerdem hat sich das Mitführen eines kleinen Handtuchs für unterwegs als sehr sinnvoll erwiesen. Erfreulicherweise leiden die Chinesen jedoch genauso wie wir unter der Hitze, so dass man hier wenigstens im Leid vereint ist Verrückt.

Unentbehrlich sind natürlich die Klimaanlagen! Leider übertreiben es die Chinesen gerne und so sind Kaufhäuser, die Uni und die U-Bahn oft auf 22°C heruntergekühlt, während es draußen 33°C hat – Kälte- bzw. Hitzeschock beim Hin-und Hinausgehen vorprogrammiert.

Soviel also zum Sommer. Im Winter braucht man die Klimaanlagen auch – als Heizung nämlich. Angeblich sinken die Temperaturen dann auf bis zu 0°C ab – da Nanjing aber genau am südlichen Ufer des Jangtze liegt, der für die Chinesen die Grenze zwischen warmen Süden und kalten Norden liegt, gibt es keine Heizung! Das muss man sich mal vorstellen – auch die meisten modernen Wohnung kommen ohne so einen Komfort aus. Hinzu kommt, dass viele Fenster (meine inklusive) nicht richtig schließen. Bin froh, dass ich schon einen Heizstrahler organisiert habe, sonst sähe ich in ein paar Monaten wohl dumm (und blaugefroren) aus der Wäsche:Sonstige.

Und dann gibt es noch eine sehr interessante Sache in Nanjing: ich bin mir nämlich ziemlich sicher, dass Nanjinger Kinder (wahrscheinlich generell Kinder, die in einer chinesischen Großstadt aufgewachsen sind) auf die Frage nach der Farbe des Himmels mit “Grau” antworten. Denn egal ob es schwülwarm (menre), kühl (liangkuai) ist oder ob es regnet – der Himmel hat immer die selbe, schmutzig-weiß-graue Färbung. Macht natürlich auch Wettervoraussagen so aus dem Stegreif recht schwierig. Gut, dass es Yahoo Widgets gibt.

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Die erste Woche

September2

Wie ihr seht, mache ich hier ganz schön viel zum ersten Mal ;-) . Tut mir wirklich leid, dass es mit den Einträgen so lange gedauert hat, aber irgendwie komme ich mit dem Internet nicht klar. Ich habe zwar schon wieder alles freischalten lassen, aber ich weiß einfach nicht, wo ich meine Zugangsdaten eingeben soll … hoffen wir, dass der von meinen Gasteltern so hochgelobte Boting (mein Vor-Vorgänger) mir wirklich per E-Mail weiterhelfen kann.

Aber es gibt doch auch einige gute Nachrichten: ich habe mich eingelebt! Die ersten beiden Tage waren etwas anstrengend, aber danach ging es stetig bergauf. Es stellte sich heraus, dass man den Erfahrungsbericht nicht so wörtlich nehmen darf. Wenn da zum Beispiel steht, dass man das Gesundheitszeugnis braucht, um sich bei der Uni einschreiben zu können, dann heißt das nicht, dass man sich nicht vorher schon anmelden und das gute Stück dann nachreichen kann. So habe ich das also am Mittwoch gemacht und bin dann gestern noch mal mit allen Unterlagen hingegangen. Beim lokalen Polizeibüro war ich auch, das habe ich sogar ganz alleine gefunden (und das will bei meinem Orientierungssinn was heißen ;-) ). Jetzt fehlt mir nur noch der Gang zum Gong An Ju, der großen Polizeibehörde, dann bin ich legaler Einwanderer in China ;-) .

Am Donnerstagnachmittag fand der Einstufungstest statt, der nicht so schwer war, wie ich ihn mir vorgestellt hatte. Und tatsächlich wurde ich auch in die Gaoji Ban, die höchste Klasse, eingestuft – vorerst als einzige von unserer Gruppe, allerdings überlegt Chris, der in Trier mit mir in einem Kurs war, ob er zu mir wechseln soll. Und ich bin auch noch nicht sicher, ob ich da bleiben soll. Gut ist, dass man neben dem normalen Sprachunterricht auch Kurse über alte und neue Geschichte oder auch Zeitunglesen hat. Und man kann sich wohl aussuchen, welche Kurse man besucht. Allerdings sind in dem Kurs ziemlich viele Leute, bestimmt 20. Die meisten sind Koreaner und Japaner, wir sind nur drei Europäer. Deswegen wird das Niveau ziemlich hoch sein. Und eigentlich würde ich erstmal gerne mein Alltagschinesisch aufbessern. Deswegen werde ich wohl so vorgehen, dass ich mir in der ersten Woche die Gaoji Ban und in der zweiten die A1 Ban ansehen werde. Erst danach muss man sich entscheiden, wo man endgültig bleiben will.

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Chinesen sind …

September2

[Warnhinweis: ich weiß ja nicht erst seit Heri Lang, dass man nicht so pauschalisieren darf. Also sollten politisch korrekte Menschen diesen Eintrag lieber überspringen. Für alle anderen kommt eine sehr subjektive Liste mit Eigenschaften, die mir nach einigen Tagen aufgefallen sind]

-         wahnsinnig freundlich -  wenn man etwas von ihnen kaufen soll

-         aber auch als Freunde sehr hilfsbereit – Andrews Geduld beim Handy-Kauf (s. unten) war wirklich unglaublich und auch meine Gastfamilie liefert mir jeden Tag wieder tolle Beispiele

-         laut – oder liegt das nur an ihrer unüberschaubaren Zahl?

-         erfreut, wenn man sich mit ihnen auf Chinesisch unterhalten kann

-         erstaunt, wenn man sie einfach so anlächelt

-         nicht besonders hübsch – aber ich warte ungeduldig auf Gegenbeispiele

-         im deutschen Sinn keine guten Verkehrsteilnehmer

-         Handy-vernarrt: Handys kosten hier genauso viel wie in Deutschland, aber das ist im Vergleich zum übrigen Preisniveau natürlich gnadenlos überteuert. Trotzdem haben sehr viele Leute ein Handy und zwar meistens das neueste Modell.

-         last but not least: kitschig. Aber das ist eigentlich richtig toll!

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