Daily China

Alles rund ums Reich der Mitte

Back in Town

Oktober7

So, jetzt ist es schon wieder eine ganze Weile her, seit ich zuletzt gebloggt habe :-( – wo soll das nur enden? Ich habe aber auch einen guten Grund dafür – während der Guojin Jie-Ferien (den Chinesen ist nämlich ihr Nationalfeiertag eine ganze Ferienwoche wert!) war ich als eure rasende Reporterin in Suzhou und auf dem Huang Shan unterwegs und werde ich euch deswegen demnächst mit Reisenberichten und lustigen Anekdoten über chinesische Busfahrer, Reisegruppen, unterirdische Hotels u.v.m. versorgen können! Wie aber bereits eingangs erwähnt, verlangen gerade zwei Tage 4-Uhr-morgens-Aufstehen-und-danach-den-ganzen-Tag-Wandern ihren Tribut von mir und wenn ich erstmal sämtliche meiner heimlichen braunen Mitbewohner zur Tür hinausgebeten habe (sehr freundlich von der Kakerlake, sich wenigstens auf die Haustür zu setzen und mir so ihre Entfernung ungemein zu erleichtern!), werde ich mich in mein Bett fallen lassen und xiuxi Verrücktmachen (sehr wichtige chinesische Vokabel: Pause machen). Aber morgen dann – nicht, dass ich da nicht zu allen Überfluss auch noch Uni hätte (zur Erinnerung: morgen ist Sonntag (!!) und wir müssen da den Unterricht von Donnerstag nachholen!Wütend) …

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O’zapft is!

September28

Okay, ich weiß, dass ich damit etwas spät dran bin (mir wären ja beinahe die Tränen gekommen, als ich in Shanghai in den Nachrichten der Deutschen Welle den lieben Herrn Ude gesehen habe), aber ich wollte euch hiermit beweisen, dass es die bayrische Kultur auch bis ins weit entfernte Nanjing geschafft hat. Allerdings hat sie sich dabei etwas vom Original entfernt – und dabei spreche ich gar nicht von dem Special German Event, das nächstes Wochenende in einem Club hier steigt und das angeblich das Oktoberfest nach Nanjing bringt (werde zu gegebener Zeit berichten). Nein, die Rede ist von einem überaus interessanten Notizbuch, dass ich gestern im Supermarkt gesehen und sofort gekauft habe. Ihr werdert gleich sehen, warum:

Also, ich bin immer noch sprachlos… ich habe den Chinesen viel zugetraut, aber das hier ist an Sinnlosigkeit einfach nicht zu übertreffen. Was macht das Hundebett da?? So sinnlos, dass es schon wieder cool ist. Also, ihr wisst jetzt jedenfalls, was ihr zu tun habt, wenn ihr auf die Wiesn geht !!Verrückt
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Videos!

September28

Fotos sind gut und schön, aber in China ist so viel ständig in Bewegung, dass ein unbewegtes Bild da einfach nicht mitkommt. Und die ganzen Geräusche erst … aber im Zeitalter der kombinierte Video-/Fotokameras kann man dem leicht Abhilfe schaffen! Hier sind also meine ersten Versuche auf den Spuren Zhang Yimous, obwohl ich es eher als experimentellen Film bezeichen würde Fröhlich. Tut mir leid für alle, die keine Breitbandverbindung haben!

Zijin Shan

Abenteuer Linksabbiegen 1 2 3

Straßenalltag in Nanjing

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So ri, no ing li shi

September27

So, wer konnte diesen Satz entziffern? 100 Punkte für den Kandidaten! Damit versuchen einem Chinesen mitzuteilen, dass sie der Lingua franca des 21. Jahrhunderts (und das ist eben noch nicht Chinesisch) nicht mächtig sind. Wenn man mal von der Aussprache absieht, wäre das ja an sich nicht tragisch. Tragisch allerdings ist, dass die Verkäufer in Fast Food-Restaurants (und zwar nur da!) diesen Satz immer dann anbringen, wenn ich auf CHINESISCH mit ihnen rede. Spreche ich Chinesisch oder was (Vera, was sagst du zu diesem gelungenen Wortspiel Fröhlich)?? Natürlich könnte es heißen, dass mein Chinesisch einfach schlecht. Das Erstaunliche ist nur, dass mich normalerweise alle Leute verstehen – egal ob im Kaufhaus, in einem normalen Restaurant oder auf dem Nachtmarkt. Und das sind teilweise wirklich einfache Leute vom Lande, denen trotzdem sofort klar ist, dass ich versuche, mich mit ihnen in ihrer Muttersprache zu verständigen. Die Leute in den Fast Food-Restaurants dagegen (und es ist egal, ob man zu einem ausländischen wie KFC oder zu einem chinesischen wie Da Niang Shui Jiao, wo es übrigens sehr leckere Jiaozi gibt, geht) sind durchgehend junge Leute, die in der Schule bestimmt Englisch gelernt haben. Und zwar offensichtlich genau einen Satz, den sie voller Stolz jedem Ausländer sagen, egal, ob dieser Arabisch oder – was für ein Wunder – Chinesisch spricht. Wirklich sehr merkwürdig. Es sind nämlich wirklich immer jüngere Menschen, mit denen mir so etwas passiert. Letztens, als ich bei einem Restaurant nach der nächsten Bank gefragt habe, ergab sich folgender netter Dialog mit dem Türsteher, der vielleicht 20 war:

Ich (chinesisch): Entschuldigung, wo ist die nächste Bank of China?

Er (chinesisch-englisch, mit diesem typisch peinlich-berührten Blick und vor sich hinkichernd): Sorry – i … ähmm … no English.

Ich (chinesisch): Ich – spreche – Chinesisch. Du – kannst – mich – verstehen. Wo – ist – eine – Bank – of – China?

Er (chinesisch, ohne ein Wort der Entschuldigung oder auch nur Zeichen des Erstaunens): Da vorne.

Ich (chinesisch, wieder in normaler Geschwindigkeit): Ist das auch eine Bank of China?

Er (chinesisch, ohne nachzufragen): Ja.

Es ist einfach so witzig, dass einen diese Leute dann verstehen, wenn man sagt, dass man Chinesisch spricht. Ist das eine Blockade im Kopf? Oder Voraussetzung für die Arbeit in einer westlich angehauchten Fast Food-Kette??

Ach ja, wo wir schon mal beim Thema Englisch sind: die ziemlich schlechte Aussprache der meisten Chinesen lässt sich damit erklären, dass viele die Sprache nicht mit der üblichen Schrift lernen, sondern sich die Wörter als Kombination ähnlich klingender chinesischer Zeichen merken. So wird aus “Good Morning” “Gu de mo ning”, was natürlich mit dem Original nicht mehr viel zu tun hat ;-) . Und dann über uns lästern, weil wir Pinyin (die Lautumschrift der chinesischen Sprache) verwenden … *tztztz*

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Zhongguo de tedian – Kino

September26

Letzten Mittwoch hatte ich mal wieder eine Premiere in Nanjing – zum ersten Mal chinesisches Kino. Meine Gastschwester hatte mich zu dem neuen Film “The Banquet” (Yeyan) mit Zhang Ziyi [Anm. d. Red.:bekannte chinesische Schauspielerin, für alle Unwissenden: die Kleine aus "Tiger & Dragon"] eingeladen – ein richtiger chinesicher Blockbuster also. Angesehen haben wir ihn uns in einem der großen Kino-Komplexe im 8. Stockwerk einer Shopping-Mall am Xinjiekou, dem modernsten Viertel Nanjings. Insgesamt dem Mathäser nicht unähnlich Fröhlich- allerdings auch von den Preisen. Regulär 60 Yuan (~ 6€) sind nicht gerade in der Portokasse eines durchschnittlichen Chinesen – vor allem, wenn man bedenkt, dass die DVD’s, die hier ja etwa zeitgleich mit dem Kinostart (oder sogar früher Fröhlich) erhältlich sind, nur etwa 6 Yuan kosten. Naja, das scheint den Nanjinger den Spaß nicht zu verderben, denn das Kino war rappelvoll und wir hatten Mühe, zwei Plätze in unmittelbarer Nachbarschaft zu bekommen. Zum Glück verfolgen chinesische Kinos die Strategie, nur zwei Filme zu zeigen, von denen es denn aber dann im Abstand von 20 Minuten eine neue Vorführung gibt. Die Wartezeit vertrieben wir uns mit den üblichen (Popcorn) oder auch eher ungewöhnlichen (Obstplatten – gibt’s in China aber sogar in der Disco) Snacks. Die Werbung war fast wie bei uns, nur mit dem Unterschied, dass sich wohl nur große Marken die einen eigenen Werbespot leisten können, Spots für lokales Gewerbe gibt es deswegen überhaupt nicht.

Tja, und dann kam der eigentliche Film. Eins vorweg: ich fand ihn ziemlich gut. Allerdings ist der liebe Zhang Yimou etwas in meiner Achtung gesunken. Denn wenn man “Hero” mit  “The Banquet” vergleicht, wird einem klar, dass Zhang Yimou den chinesischen Film einfach nur europäisiert, das heißt, ein bisschen Kitsch herausgenommen hat, und ansonsten alle Effekte und überhaupt den Stil übernommen hat. Vielleicht haben natürlich auch die anderen Regisseure seine Filme kopiert Beschäftigt – aber diese Grübeleien überlasse ich mal besser den Leuten in Cannes. Mir gefällt jedenfalls, dass in dieser Art von Filmen jedes Wort und jede Geste eine tieferliegende Bedeutung hat. Der Schluss war allerdings sehr merkwürdig und hat auch dazu geführt, dass Jinjin den Film nicht gut fand. Ich möchte natürlich nicht zu viel verraten, falls sich einer von euch den noch anschauen will, aber wer das tatsächlich tut, möge mich dann auch bitte aufklären, was das eigentlich sein sollte Traurig??? Von den Chinesen hat’s jedenfalls auch keiner verstanden Fröhlich .

Aber kommen wir mal zum eigentlich Interessanten an der Sache – dem Verhalten der Chinesen nämlich. Während bei uns eine Filmvorführung ja eine beinahe geheiligte Handlung ist, die auf gar keinen Fall durch Sprechen, Rascheln mit der Konfekttüte oder Knacken von Schokolade gestört werden darf, sehen die Chinesen den Kinosaal als einen Ort, an dem man seinen Spaß haben sollte. Und das dürfen die anderen auch ruhig mitkriegen. Deswegen haben während der Vorstellung nicht nur mindestens 20 Handys in meiner näheren Umgebung geklingelt, sondern auch etliche Leute selbst Anrufe getätigt. Dazu kamen lustige Wanderbewegungen – der Typ neben mir ist nicht weniger als dreimal raus- und reingekommen, bevor er sich entschloss, das mit dem Film jetzt doch bleiben zu lassen, und mich zum siebten und letzten Mal aufscheuchte. Die Chinesen scheinen eben auch keine Probleme damit zu haben, das Geld für die Kinokarte aus dem Fenster zu werfen, denn mein Nachbar war nicht der einzige, der die Vorstellung frühzeitig verlassen hat (manche sind auch erst 15 Minuten vor Ende gegangen).

Wenn man dann mal von dem aus Sicht einer deutschen Cineastin unangemessenen Laufverhalten absieht, kommt hinzu, dass das Publikum an den unmöglichsten Stellen gelacht hat. Damit meine ich nicht unbedingt, dass es nicht nachvollziehbar, warum sie gelacht haben (der Film hatte englische Untertitel, also habe ich tatsächlich was von den Dialogen mitbekommen), und es waren nicht mal die allerbilligsten Witze. Komisch war nur die Platzierung selbiger: mitten in Schlüsselszenen, die wirklich keine komische Unterbrechung gebrauchen konnten. Und der Film schien mir jetzt auch nicht einer à la episches Theater zu sein, wo man den Zuschauer ab und an auf den Boden der Tatsachen zurückholen muss. Aber so viele zufällige ironische Anspielungen?  Vielleicht unterschätze ich den Witz chinesischer Regisseure doch und sie lösen manchmal tatsächlich den Kitsch ihrer Filme (und kitschig war “The Banquet” stellenweise wirklich) durch eine geschickt plazierte Pointe auf … sicher werden wir es nie wissen.

Insgesamt war’s aber mal wieder ein interessanter Ausflug in den chinesischen Alltag – habe nämlich überhaupt keine Ausländer dort gesehen!

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