Daily China

Alles rund ums Reich der Mitte

Nanjing im Frühling

April8

Meine Befürchtungen, dass ich noch den letzten Rest des berühmt-berüchtigten Nanjinger Winters mitkriegen würde, haben sich zum Glück nicht bewahrheitet. Stattdessen habe zusammen mit meiner Gastfamilie bei angenehmen 15-20°C zwei hübsche Parks besucht – wer hätte gedacht, dass Nanjing über soviel Naherholungsgebiete verfügt? Wobei, NAHerholung ist vielleicht nicht ganz das richtige Wort, immerhin sind wir zum Zhen Zhu Quan-Park (Perlenquelle, da aus der Quelle Gasblasen aufsteigen, die bei richtigem Lichteinfall tatsächlich wie Perlen aussehen) eine gute Stunde mit dem Bus gefahren. Schön war’s trotzdem und ich möchte euch natürlich die grüne Seite Chinas nicht vorenthalten:

Ansonsten habe ich die üblichen Nanjinger Favourites genossen: Sandwiches und Cookies aus dem Skyways, Tangbaos (mit Suppe gefüllte Teigtaschen), Shopping im Fashion Lady (sehr chinesisches unterirdisches Shoppingcenter mit allem, was chinesische Mädels lieben – Klamotten, Maniküre, Stickläden und Hello Kitty-Schnickschnack), die hervorragende Auswahl an Chinesisch-Lehrbüchern im Foreign Language Bookstore (deutlich besser als das, was ich bisher in Peking finden konnte) und viel Elektrozeugs im Bai Nao in der Zhu Jiang Lu. Außerdem habe ich mal wieder bei meiner ehemaligen Uni vorbeigeschaut und mir nun auch bestätigen lassen, wie viele Credit Points ich für die Vorlesungen bekomme. Nur gut, dass ich immer wieder in der Gegend bin – ich glaube nicht, dass sich so etwas auch nur annähernd per Email lösen ließe. Ist man dagegen vor Ort, ist alles gar kein Problem: der Typ, der mir alles bestätigt hat, hat sich nicht wirklich dafür interessiert, ob ich meine Noten korrekt angegeben habe, sondern war nur sehr besorgt, weil ich ganz unten nicht “Nanjing University” hingeschrieben hatte und er deswegen nicht wusste, wo er seinen Stempel hinmachen sollte!

Es war toll, wieder auf der Hunan Lu und mitten im Geschehen zu sein – etwas, was ich hier in Peking schmerzlich vermisse, da ich ziemlich außerhalb wohne und zusätzlich in meinem Viertel wegen der olympischen Spiele quasi jedes Nachtleben in Form von Nachtmärkten untersagt ist. Aber es ist auch der generelle Unterschied zwischen Groß- und Kleinstadt, der sich hier zeigt, wobei im Fall von China die Kleinstadt mit ihren vielen Fahrradfahrern und dem ständigen Gehupe lebendiger ist als die “kultivierte” Großstadt. Peking ist ein tolle Stadt mit vielen Möglichkeiten, aber im Alltag kommt man wirklich selten dazu, diese auch zu nutzen, und ich glaube, wenn ich wieder länger in China bleibe und es mir aussuchen kann, dann gehe ich wieder in eine kleinere Stadt. Und übers Wochenende fahre ich nach Nanjing :-)

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Statusbericht

März12

Nur, damit ihr mal wisst, was so los ist … nach einem nicht enden wollenden Frühlingsfest (die letzten Heimat-Urlauber sind vergangenes Wochenende erst zurückgekommen) hat nun das normale Leben wieder seinen Gang aufgenommen. Heute hat die zweite Woche Sprachunterricht angefangen. Ich bin dieses Semester in der Gaoji Ban, dem höchsten Level an der Nan Da (Universität Nanjing), und im Gegensatz zum letzten Semester, wo ich dann ja in den Kurs darunter gewechselt hatte, fühle ich mich jetzt auf diesem Niveau ganz wohl. Wir haben zwar weniger Sprachunterricht (8 statt 11 Stunden), dafür aber mehr Fächer, in denen auch eine intensive Vorbereitung zu Hause gefordert wird. Zusätzlich können wir noch Fächer wie Chinesischer Film, Alte chinesische Geschichte oder Chinesische Malerei belegen.  Ich habe mich erstmal für Kalligraphie entschieden und bin mit meiner Wahl überaus zufrieden. In Trier hatte ich ja im letzten Jahr schon mal etwas Kalligraphie-Unterricht gehabt und dann ein bisschen zu Hause weitergemacht, aber hier ist das doch etwas ganz anderes … dieses Wochenende habe ich schätzungsweise 500 Punkte (das ist der Anfang aller Striche) gemalt und könnte immer noch weitermachen ;-) . Ich bin schon sehr gespannt auf meine nächste Stunde am Donnerstag.

Natürlich mache ich auch mit Erhu-Spielen (oder besser Lernen) weiter. Für alle Ungebildeten ;-) : Erhu ist eine zweisaitige Knie-Geige, die von einem Anfänger gespielt wie Geige klingt, in den Händen eines Profis allerdings durch die unterschiedliche Greiftechnik einen ganz eigenen, sehr chinesischen Klang entwickelt. Mein Lehrer ist Erhu-Spieler mit Leib und Seele und wenn ich ihn spielen höre, vergesse ich alles um mich herum – schon toll, von so jemandem Unterricht zu bekommen.

Neben den schönen Künsten lerne ich natürlich auch fleißig Chinesisch. Mein erster HSK (der chinesische TOEFL) war mit Level 6 (von 8) schon ganz zufriedenstellend, aber da es hier sehr billig ist, den Test zu machen, werde ich wohl im April nochmal mitschreiben. Zu lernen gibt es immer was …

Und nach all der Arbeit hat man sich auch mal ein bisschen xiuxi [Pause machen] verdient. Ende des Monats geht es wahrscheinlich nach Hong Kong, von dem alle, die in den Semesterferien dort waren, so schwärmen, im Mai kriege ich nochmal Besuch (freu mich schon, Fernice Fröhlich), mit dem ich Shanghai, Nanjing, Peking und Xi’an abklappern werde, und Anfang Juni ist ein Auslandstreffen der Stustis in Peking. Dann sind noch knapp drei Wochen Uni und schon ist der offizielle Teil meines Jahres hier in China beendet Traurig. Konkrete Pläne für die Ferien habe ich noch nicht, aber Tibet und überhaupt den Westen Chinas würde ich schon noch gerne sehen …

Shijian guode zhen kuai! [Wie doch die Zeit vergeht ...]

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Shengdan kuaile oder: Weihnachten auf Chinesisch

Januar1

Die Bilder von der Vorweihnachtszeit konntet ihr ja schon im Photoblog bewundern, nun folgt also noch eine kurze Rückblende in Worten – eine Austauschstudentin zu Weihnachten in Nanjing.

Sonntag, 10.12.2006
Erste Weihnachtsfeier der deutschen/schweizerischen Austauschstudenten. Bei selbstgemachtem Punsch (mein Geheimrezept: Wein, Orangensaft, Orangenscheiben und Zucker nach Geschmack anwärmen) und Wichteln kommt richtig Stimmung auf – der echte Kunsttannenbaum trägt natürlich maßgeblich dazu bei.

Freitag, 15.12.2006
Weihnachtsfeier im Deutsch-Institut der NanDa, zu der alle Austauschstudenten sowie die Deutschen Nanjings herzlich eingeladen sind. Es gibt ein kaltes Büffet, das außer Glühwein wenig Weihnachtliches bietet, dazu Darbietungen der Studenten und Lehrkräfte. Mein persönliches Highlight: unser Krippenspiel, modern angehaucht (auch wenn an dieser Stelle noch mal angemerkt werden muss, dass die Maus als Jesuskind KEINE besondere Bedeutung hatte, sondern nur aus der Not geboren wurde). Ansonsten gab es noch die andere Fassung des „Phantoms der Oper“, bei der sich das Phantom als Frau und Christine als lesbisch erweisen, einige chinesische Sketche und einen Gedichtvortrag, der einen nicht gerade in Feierstimmung versetzte. Auch beim Blind-Wichteln (jeder musste ein Geschenk mitbringen und bekam dafür auch eines – nach Belieben) gab es nicht nur fröhliche Gesichter – aber mit Rittersport haben wir wohl nichts falsch gemacht. Die Dekoration – eher chinesisch, viel Glitzer und Lichter, insgesamt recht kitschig. Fazit: viel Feier, eher wenig Weihnacht, aber auf jeden Fall ein typisch chinesisches Erlebnis.

Samstag, 16.12. 2006
Als wir uns nach dem Weihnachtseinkauf am Fuzi Miao im McDonald’s stärken, werden wir von einem kleinen chinesischen Jungen auf Englisch angesprochen, ob wir ihm dabei helfen könnten, seinen englischen Vortrag für die Weihnachtsfeier zu proben. Sein Englisch ist für seine neun Jahre einfach großartig, so dass wir der Bitte natürlich gerne nachkommen. Passt irgendwie zu Weihnachten ;-) .

Donnerstag, 21.12. 2006
Abschiedsessen mit meiner Klasse. Auf meine „Frohe Weihnachten“ – Wünsche reagieren die Koreaner und Japaner eher erstaunt.

Samstag, 23.12. 2006
Shanghai, (Weihnachts-)Shopping. Meine Mum und mein Bruder haben beschlossen, diesmal im Vorhinein überhaupt keine Geschenke zu kaufen, sondern sich dann gegenseitig in Shanghai Sachen zu schenken. Ein Konzept, das aufgeht – nach Power-Shopping im Kleidermarkt und auf dem neuen Fake-Markt.

Sonntag, 24.12. 2006
Als wir unser Gepäck im Hotel aufgeben, muss der Portier erst nachschauen, welches Datum heute überhaupt ist. Dann aber wünscht er uns „Merry Christmas!“. Wäre ich in Deutschland, müsste mein vorweihnachtabendlicher Einkaufsbummel ausfallen, hier dagegen artet er beinahe in Stress aus – alle Sachen, die wir gestern zwar gesehen, aber noch nicht gekauft haben, müssen wir jetzt noch besorgen. Dann geht es zum Bahnhof und in den Zug nach Nanjing. Meine Familie habe ich im Hilton untergebracht, wo Weihnachtsstimmung hoch drei herrscht – inklusive Elektro-Eisenbahn und Carol-Singers. Aber auf dem Weg von der U-Bahn zu mir stelle ich fest, dass auch die Chinesen den Weihnachtsabend begehen – und zwar auf der Straße. Die Hunan Lu hat noch mehr Lichter als sonst, überall werden Wunderkerzen verkauft und insgesamt herrscht ein Gedränge, dass ich für den Weg doppelt so lange wie sonst brauche. Menschen, wohin man auch blickt – lange Schlangen im Supermarkt und bei Pizza Hut (an Weihnachten gönnt man sich halt mal was, auch wenn ich dem Bild nach zu urteilen das Weihnachtsmenü von Pizza Hut wirklich nicht empfehlen würde). Im Hotelzimmer dann eine stille Bescherung mit Pizza und leckerem Kuchen von der deutschen Bäckerei. Aber soo schön, Geschenke aus der Heimat zu bekommen! Danke, Chemphils!!

Montag, 25. 12. 2006
Weihnachtsfrühstück mal nicht zu Hause unterm Baum, sondern im Hilton. Schnee gibt es keinen, aber kalt ist es trotzdem. Bei der Maniküre bekomme ich zu hören, dass ja heute unser Frühlingsfest sei. Ja, so kann man es auch sagen. Auf jeden Fall verstehen alle, dass mich dafür meine Familie zu besuchen kommt und finden meinen didi „hen ku“. In dem kleinen Supermarkt bekommt man zu spüren, dass gestern alle Chinesen gefeiert haben – sogar das Mineralwasser ist beinahe ausverkauft.

Dienstag, 26. 12. 2006
In Deutschland ist heute zweiter Weihnachtsfeiertag, in China wischen die Angestellten im Geschäft nebenan schon wieder das Schneespray von den Scheiben. Noch wünscht einem der Portier im Hilton „Merry Christmas“, aber für den Rest der Chinesen ist der Alltag wieder eingekehrt. Weihnachten in China – eine kurze, aber sehr lebhafte Angelegenheit!

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Etwas liegt in der Luft

November2

Und es ist kein Schnee oder Vorfreude auf Weihnachten, sondern dichter Smog-Nebel. Hatte heute mehrmals das Bedürfnis, meine Kontaktlinsen zu reinigen, bis mir wieder einfiel, dass das an der Sicht nichts ändern würde. Muss wohl am kalten Wetter liegen (tagsüber haben wir zwar noch bis zu 18°C, nachts kann es aber richtig kühl werden (gerade 9°C) – natürlich nicht mit Münchner Verhältnissen zu vergleichen).

Heute ist es mir außerdem gelungen, eines der größten Geheimnisses meines China-Aufenthaltes zu lösen: das Geheimnis der Frauen-in-Kostümen. Vor der Post stehen nämlich in guten Zeiten bis zu zehn Frauen Ende 20, schick angezogen, die alle vorbeigehenden Passantinnen anquatschen. Heute hat’s endlich auch mich erwischt. Ich hatte ja die Hoffnung, es sei eine geheimnisvolle Sekte – aber weit gefehlt, es handelt sich nur um Werbung für eine mir unbekannte, angebliche amerikansche Make Up-Firma. Was das Besondere daran aber sein soll, konnte bzw. wollte mir die sogar englischsprechende Verkäuferin nicht erklären – sie interessierte sich mehr für meine näheren Lebensumstände und versicherte mir am Ende meines Gesprächs, dass ich wunderbar mit einer der anderen Damen Chinesisch lernen könne. Tja, was man nicht alles erlebt in China.

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China ist …

Oktober19
  • … wenn du die Straße lang fährst und denkst, ein Ufo landet gerade – dabei sind es nur die Lichter eines 30-stöckigen Hochhauses, von dem man selbst, wenn man direkt davor steht, nur die beleuchteten Fenster sehen kann, weil der Rest in undurchdringlichem Smog versinkt.
  • … wenn zur Rush Hour auch auf den Fahrradwegen Stop-and-Go-Verkehr herrscht.
  • … wenn die Regierung versucht, durch Gewinnspiele auf den Quittungen die Steuerhinterziehung zu unterbinden (weil dann jeder auf seiner Quittung, die gleichzeitig ein Los ist, besteht), man im Restaurant aber gleichzeitig einen Teller Obst geschenkt bekommt, wenn man nicht nach der Quittung fragt … Tor 1 oder Tor 2?
  • … wenn der Fahrer, den du für einen halbtägigen Ausflug engagiert hast, erst versucht, dir die Kosten für seine Wochenration Benzin in Rechnung zu stellen, und dich dann, nachdem du dich erfolgreich dagegen gewehrt hast, freundlich und im Plauderton vor den Affen und ihren Übergriffen warnt.
  • … wenn die Maniküre weniger kostet, als den Nagellack selbst zu kaufen.
  • … wenn du die Schlange fürs Abendessen im Supermarkt um die Ecke kaufen kannst – natürlich noch lebend.
  • … wenn du beim dritten Mal Päckchenabholen in der Post wie eine gute Bekannte begrüßt und gleich einem alten Freund des Postbeamtens vorgestellt wirst.
  • … wenn in einer Straße 5 Hundesalons nebeneinander sind – Chinesen scheinen den Spruch: “Leben und leben lassen” erfunden zu haben.
  • … wenn du bei Rot links in die Gegenspur abbiegst und keiner hupt.
  • … wenn du als Fußgänger den Zebrastreifen bei Grün überquerst und von allen Seiten angehupt wirst.
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