Daily China

Alles rund ums Reich der Mitte

Ma Jian – “Peking Koma”

Januar26

2009 war nicht nur das Jahr des 60. Jubiläums der Gründung der VR, sondern auch das 20. Jahrestag des TAM. Während uns ersteres eine hübsche Militärparade ohne Mehrwert bescherte, verdanken wir zweiterem den neuen Roman von Ma Jian, seines Zeiches Autor von “Red Dust“.

Zeitlich bunt durcheinander gewürfelt, erzählt uns Dai Wei, Sohn eines Konterrevolutionärs, später mehr durch Zufall politisch aktiver Student und seit seiner Verwundung während des TAM im Wachkoma, seine Lebensgeschichte. Natürlich spielen die Ereignisse vom Platz des Himmlischen Friedens eine tragende Rolle, aber es geht Ma Jian nicht um eine Heroisierung der demonstrierenden Studenten; vielmehr verschafft er uns durch diesen “Augenzeugenbericht”  – der, wenn man diesem Artikel Glauben schenken darf, doch auf recht fundierten Recherchen zu beruhen scheint – einen detailgetreuen Blick auf das Innenleben der Bewegung. Namen wurden nur leicht abgeändert und so wirken die Flügelkämpfe, die wir in Dai Wei’s Erinnerug erleben, umso realistischer – und fachen die Debatte um die Schuld der Studentenführer neu an.

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Webschau – Bücher und Buchmesse

Oktober25

Nachdem die letzten Wochen in Hinblick auf Bücher recht ergiebig waren, hier nun eine kleine Zusammenfassung von Berichten über chinesische Autoren, ihre Werke und natürlich auch das China der Buchmesse.

Die SZ ist der Ansicht, dass Chinas Selbstpräsentation nur den üblen Nachgeschmack einer rohen Zwiebel hinterließe. Zu viele Zahlen, zu wenig Dialog, und dazu noch Sinologen, die ein differenziertes Bild von China fordern, ist der enttäuschte Grundtenor. Prinzipiell kann man sich die Lektüre aus Mangel an Originalität also sparen, lediglich der Hinweis auf den Aufsatzband der Heinrich Böll-Stiftung ist nützlich für diejenigen, die nicht in Frankfurt waren oder den winzigen Stand übersehen haben.

Zu o.g. Sinologen gehört sicherlich auch Thomas Heberer, der in diesem Interview mit der TAZ einmal hinter die ewige Schwarz-Weiß-Malerei blickt und das Verhalten der chinesischen Regierung zu erklären versucht. Lobens- und lesenswert.

Aber auch chinesische (normalerweise kritische) Stimmen weisen auf die Fortschritte Chinas in Sachen Meinungsfreiheit hin, so zum Beispiel Blogger Yang Hejun, in einer Übersetzung von ESWN.

Die Frankfurter Rundschau analysiert die Reaktionen Chinas auf die deutsche Berichterstattung und kommt letztendlich zu dem Schluss, dass auch die chinesischen Bürger lieber eine andere Delegation gesehen hätten als diese Gruppe “relativ unbekannter Propagandaliteraten”. Komisch, dass Schriftsteller wie Fang Fang, Jiang Rong, Yu Hua, Mo Yan, Li Er in China (und neuerdings auch international) trotzdem so beliebt sind. Oder hat sich vielleicht jemand einfach nicht die Mühe gemacht, zu gucken, wer hinter diesen so gleich klingenden Namen steckt?

Die Zeit bringt, neben den üblichen China-kritischen Berichten, auch zwei gute, tiefgehende Einblicke in die chinesische Literatur abseits der Buchmesse: zum einen eine Übersetzung eines französischen Artikels, in dem die Autorin sich auf eine literarische Entdeckungsreise nach China begibt und dabei die Stars und Sternchen der Szene trifft. Zum anderen einen Analyse der Schriftstellergeneration Wei Hui und Mian Mian.

Einen Einblick von der anderen Seite bietet Bruce Humes: er übersetzt Auschnitte eines Interviews mit Wu Wei, Regierungsverantwortliche für das Programm für den Export chinesischer Bücher.

Chinesische (im weiteren Sinne) Autoren trifft man natürlich auch überall: Ma Jian im Handelsblatt und Tsering Woeser in der Welt. Selbst über die langweiligen offiziellen Autoren wie Mo Yan findet sich ein Artikel in der Neuen Zürcher Zeitung.

Und abseits der Messe? Auszug aus einem Buch über Prinzessin Der Ling, die zwei Jahre als Konkubine am Hof von Cixi diente, auf Danwei. Eine Rezension von “Repeat After Me” auf ChinaBeat, in dem die Geschichte einer psychisch lablien Amerikanerin und eines chinesischen Studenten, der dem TAM entkam, erzählt wird. Ausschnitt aus dem Nachwort des noch unübersetzten Bestsellers “Das rechte Ufer des Argun” (额尔古纳河右岸), in dem es um das Schicksal der Rentier-Ewenken im modernen China geht, auf Paper Republic.

Und von mir gibt’s hoffentlich bald eine Rezension von Ma Jian’s “Beijing Coma”.

Good night and good luck.

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Ma Jian’s Rückkehr nach Peking

Juni9

Und wir bleiben beim Thema der letzten Woche: hier ein wirklich guter Artikel von Ma Jian, in dem es um die Aufarbeitung des Massakers geht. Vor kurzem ist auch sein neues Buch zu diesem Thema erschienen, das ich auf jeden Fall lesen werde – werde dann zu gegebener Zeit berichten.

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