Daily China

Alles rund ums Reich der Mitte

Luang Prabang, Laos

Februar23

Am nächsten Tag ging es wieder weiter mit dem Bus, diesmal allerdings recht unspektakulär in einem komfortablen Reisebus (leider wieder mit Fernseher, so dass wir in den Genuss zahlreicher laotischer Karaoke-DVDs kamen – wenn irgend möglich noch schlimmer als ihre chinesischens Pendants). Interessant wurde die Fahrt nur durch die bereits erwähnten schwachen Mägen der Laoten – als zu Beginn Spucktüten verteilt wurden, dachte ich mir noch nichts, aber schon sehr bald wurde trotz angenehmer Strecke und Fahrt reichlich Gebrauch von selbigen gemacht. Anscheinend braucht die Anpassung an mehr als ein PS (im Fall von Laos wahrscheinlich eher BS für Büffelstärke) einfach mehrere Generationen …

Schließlich kamen wir am Nachmittag in Luang Prabang an, dem Ziel all unserer Strapazen. Die ehemalige Kaiserstadt, eine Stadt voller Flair – so oder so ähnlich hatte die Beschreibung im Lonely Planet geklungen. Noch dazu Weltkulturerbe. Unser erster Eindruck: wo sind die Laoten?? Amerikanische und französische Touristen, wohin man auch blickte. Und zwar nicht die Sorte von Indiviualreisenden … es hätte uns wohl stutzig machen müssen, dass ein Ort mit 25 000 Einwohnern über einen internationalen Flughafen verfügt. Derartig komfortabel mitten ins Nirgendwo befördert, erfreuten sich ganze Wagenladungen älterer Amis in Khakishorts und mit Gehstöcken an den zahlreichen westlichen Cafés auf der einzigen Hauptstraße und bevölkerten Tempel und Paläste. Die Hotelpreise waren dementsprechend.

Wir ertrugen das Ganze genau einen Tag. Klar hat Luang Prabang einen gewissen Charme, aber es entbehrt dafür jeglichen Gefühls von Abseits-bekannter-Pfade wandeln – weil es so klein ist, dass man ständig auf andere Touristen stößt. Und wir waren einfach mit anderen Erwartungen hergekommen. Außerdem gab es nach einem Tag auch nichts mehr zu sehen, denn auch laotische Tempel gleichen einander sehr – kennst du einen, kennst du alle. Also buchten wir kurzerhand den nächsten Flug ins Land meiner Väter … nach Hanoi. Der Flughafen von Luang Prabang ist vielleicht der kleinste der Welt – mechanische Wagen und Security-Check von Hand inklusive (“Security checked by International Airport Luang Prabang” klebt noch heute auf meinem Pass).

Mein Eindruck von Laos: Ein seltsames Völkchen. Wie der Lonely Planet so richtig anmerkt, eines der wenigen (irgendwelche Amazonas-Stämme mal ausgenommen), das Lernen als etwas Negatives ansieht. Dass Verkäufer zu Verkaufszeiten auf ihren Marktständen schlafen, gehört ebenso zum Alltag wie das Ausziehen der Schuhe, bevor man ein Gebäude betritt (lustige Anekdote: Ms Schuhe waren unauffindbar, nachdem er sie einmal vor unserer Jugendherberge hatte stehen lassen). Aber hey: sabaiiii deee (wird wirklich mit so langen Vokalen gesprochen und ist der sehr freundliche Gruß der Laoten)!

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Jinghong – Mengla und ab über die Grenze

Februar22

Nachdem wir in Xiaguan den richtigen Busbahnhof gefunden hatten, richteten wir uns gemütlich in unseren Hühnerbetten ein und hofften, die lange Fahrt einfach schlafend hinter uns zu bringen. Dabei hatten wir jedoch nicht mit der Unterhaltungssucht der Chinesen gerechnet. Um die Fahrt etwas abwechslungsreicher zu gestalten, wurde auf dem Fernseher vor dem ersten Bett nämlich ein Film nach dem anderen gezeigt – in voller Lautstärke natürlich. Man muss zugeben, dass sich der Fahrer auf ein buntgemischtes Publikum eingestellt hatte und so gab es von der Teenie-Komödie bis zur Schlachtenepos alles zu sehen. Aber zusehen musste man zwangsläufig, vor allem, wenn man in den mittleren Betten lag, denn zum Umdrehen sind die Pritschen einfach zu schmal. Den ersten Film ertrug ich noch gutmütig, nach dem zweiten dröhnte mir schon der Kopf (der Chinese hat hier das schöne Sprichwort 一个头两个大, was soviel heißt wie “Ein Kopf, doppelt so groß”) und nach zehn Stunden Dauerberieslung beglückte mich der Anblick der stillstehenden Sterne bei einer Pinkelpause derartig, dass ich fast nicht mehr zurück in den Bus gestiegen wäre. Gegen Mitternacht wurde das Unterhaltungsprogramm zwar eingestellt, dafür konnte ich mich jetzt voll auf den Geruch meines Nachbarn (ein älterer Bauer, der fortwährend in den Mülleimer spuckte und sich dabei wahrscheinlich auch noch sehr zivilisiert vorkam) und meine Rückenschmerzen konzentrieren. Jaja, die Tücken eines Sleeper-Buses … am nächsten Morgen kamen wir relativ früh in Jinghong an und verdrückten uns so schnell wie möglich aus dem Bus, denn vor unserer Weiterfahrt nach Mengla wollten wir nochmal versuchen, Malaria-Mittel zu bekommen (was wir in Nanjing und Kunming vergeblich versucht hatten). Aber auch hier hatten wir beim offiziellen Gesundheitsamt kein Glück und so ging es nach einem kleinen Suppenimbiss schon wieder weiter. Immerhin durften wir die Fahrt diesmal sitzend ertragen – ein klappriger Minibus mit nicht vorhandenem Stauraum für Gepäck brachte uns vorbei an Bananenplantagen und roten Eisenbahntrassen in den Ort, der der laotisch-chinesischen Grenze am nächsten liegt. Dschungelfeeling kam bei dieser recht holprigen Fahrt auf jeden Fall auf, auch wenn ich vergeblich nach Elefanten Ausschau hielt. Endlich angekommen, checkten wir ins nächstbeste Hotel und nahmen erstmal eine laaaange Dusche, um unsere vom Sitzen tauben Glieder wiederzubeleben. Vor dem Abendessen schauten wir aus reinem Interesse noch bei einer Apotheke vorbei – und siehe da, die Verkäuferin reichte uns ohne Zögern eine Schachtel mit Tabletten (und das, nachdem noch in Kunming die Apotheker gerätselt hatten, was Malaria überhaupt sei!). Es handelte sich um so ein Akutmedikament, was für unsere Zwecke völlig ausreichte (keine Regenzeit, kurzer Aufenthalt etc.). Wieder einmal zeigt sich, dass in China eben nur das verkauft wird, was auch akut benötigt wird … von wegen Planwirtschaft *g*.

Am nächsten Tag ging es dann mit einem etwas größeren Bus über eine unbefestigte rote Piste (es war ein Wunder, dass der Fahrer bei dem Staub noch den Weg erkennen konnte) Richtung Laos. Der Grenzübergang verlief problemlos, wir zahlten die Visumsgebühr in RMB und bekamen einen schicken Stempel in den Pass. Im nächsten Dorf (ungefähr zehn Häuser und keine befestigte Straße) teilte uns der Fahrer dann jedoch mit, dass wir uns aber hier eine andere Mitfahrgelegenheit suchen müssten, da er in eine andere Richtung führe. Da standen wir nun, ohne jegliche Laotisch-Kenntnisse und weit und breit nichts, was auch nur im Entferntesten nach einer Bushaltestellte ausgesehen hätte … mit dem Kauderwelsch-Sprachführer bewappnet fanden wir schließlich heraus, dass tatsächlich ein Bus in unsere Richtung fahren würde. Also warteten wir … und warteten … und dann kam tatsächlich eine Art Lieferwagen mit offener Ladefläche, auf der schon einige Laoten auf zwei links und rechts angerichteten Sitzbrettern saßen. In Laos darf man wohl nicht wählerisch sein, was die Transportmöglichkeiten angeht, also Rucksäcke in die Mitte geschmissen und aufgesprungen.

Bis zu diesem Punkt hatten wir auf der Reise ja bereits einige “interessante” Fahrten hinter uns gebracht, aber diese übertraf einfach alles. Es ging quer durch den Dschungel und bei jedem Schlagloch hatte ich Angst um unsere Rucksäcke, solcher Hüpfer machte unser Gefährt. Wie oft ich mir den Rücken bei der anschließenden Landung gestaucht habe, kann ich nur abschätzen. Unserer mitreisenden Laoten nahmen die Sache gelassen, nur einmal wandte sich ein kleiner Junge kurz nach außen “über die Reling” – Seefahrer sind die Laoten keine, wie wir auch später noch feststellen sollten. Nach etwa drei Stunden kamen wir in der nächst größeren Stadt an, wo wir für 8$ ein sehr anständiges Hotel fanden – und beim Abendessen gleich mehreren Gruppen von Franzosen über den Weg liefen. So ab vom Schuss waren wir wohl doch nicht …

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Going South: Yunnan, Laos, Vietnam

Februar1

In Anbetracht der eher kühlen Temperaturen in Nanjing und Umgebung (0-4°C, aber ohne Zentralheizung!!) ist es nur verständlich, wenn man bei der Reiseplanung in südlichere Bereiche der Landkarte guckt. Und mein Blick war dabei auf Yunnan gefallen, laut Lonely Planet DER Provinz Chinas mit schönen alten Städten und toller Landschaft. Von dort ist es auch nicht mehr weit bis nach Vietnam, dem Land meiner Väter, das zu besuchen ich mir ohnehin fest vorgenommen hatte. Und wenn man schon mal unterwegs ist – der kürzeste Weg von West-Yunnan nach Vietnam führt durchs sagenumwobene Laos, dem angeblich freundlichsten Land der Erde. China, Laos, Vietnam – drei Länder, jede Menge Organisationsarbeit, aber auch, wenn wir im japanischen Stil (City-Hopping) gereist sind, auf jeden Fall eine Reise, die der Mühe mehr als wert war!

Los ging es am 7. Januar mit dem Flug Nanjing – Kunming …

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Olympia 2008, die Expo 2010 … bei mir hat aber alles schon viel früher angefangen. Ich habe in der Schule Chinesisch gelernt, weil ich mal etwas Anderes machen wollte und weil ich Asien schon immer interessant fand. Sehr schnell wurde ich sehr sinophil und nach meinem ersten Sprachkurs in Shanghai im Sommer 2004 war mir klar, dass ich zurück will in dieses faszinierende Land – dann aber für länger. 2006 ging mein Traum dann in Erfüllung – für zwei Semester habe ich an der Universität Nanjing Chinesisch studiert, Erhu gelernt, chinesische Freunde gefunden, mich manchmal über den Alltag aufgeregt und bin natürlich im ganzen Land unterwegs gewesen. Meine Erfahrungen – vom Bewerbungsprozess für das China-Programm der Studienstiftung bis hin zu Reiseberichten – habe ich hier (wenn auch nicht immer regelmäßig) niedergeschrieben. Aber damit endet die Geschichte nicht: letztes Jahr war ich während der olympischen Spiele wieder in China und von März bis Mai diesen Jahres habe ich ein zweimonatiges Laborpraktikum in Peking gemacht. Und von 2010 bis 2011 habe ich im eisigkalten Harbin studiert.

Die meisten meiner Kategorien sind selbsterklärend, hier ein paar Hinweise für die übrigen:

Wenn ihr irgendwelche Fragen oder Anmerkungen habt, einfach kommentieren! Ich antworte bestimmt :-) .


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