Daily China

Alles rund ums Reich der Mitte

Nantong, die Zweite

März24

Am Freitag waren wir in Zhouzhuang, dem “Venedig Chinas”. Zugegebenermaßen, es verfügt über ausreichend Kanäle, aber die Chinesen haben noch nicht ganz begriffen, dass zu Venedig noch ein bisschen mehr als Wasser gehört … und es gibt wohl in Jiangsu und Zhejiang noch viele andere derartige Wasserstädte. Zhouzhuang hat es nur deswegen zu besonderem Ruhm gebracht, weil jemand mal ein Bild davon der UNO geschenkt hat. Naja, aber auf seine Art ist es wirklich ganz pittoresk:

Abends und am Samstag kamen dann die ganzen Familienbesuche – und die waren extra für mich ausgerichtet. Es ist nicht so, dass Chinesen nie Ausländer sehen, aber einen sozusagen in der Verwandschaft zu haben, ist doch nochmal etwas Anderes … Dutzende von Onkel (gibt es da eigentlich eine Mehrzahl?) und Tanten (wenigstens habe ich jetzt mal die ganzen verschiedene Begriffe, die im Chinesischen allein für das Wort “Onkel” existieren, mit Gesichtern verknüpft, und kann sie mir so vielleicht endlich mal merken … ist aber nur eine sehr kleine Hoffnung, es gibt einfach zu viele), Großeltern allerseits und sogar die Eltern ihres Freundes. Die besten Momente: als ein Onkel erwähnte, dass es in China keine M-Rechte gäbe (kleine Zensur meinerseits, ich möchte nämlich gerne weiterbloggen), und alle anfingen zu lachen; ein Großvater, der mich einfach immerzu zahnlos angestrahlt (und das wortwörtlich) hat; und als ich sagen wollte, dass die meisten Leute in Deutschland in Häusern (im Gegensatz zu Wohnung) wohnen, aber sagte, dass sie gerne in Abstellkammern leben *gg*.

Wie ich bei diesen Besuchen also feststellte, waren alle Wohnungen so sauber und ordentlich (auch wenn das von außen überhaupt nNantong - Familie-14icht so aussieht) und überall wurde einem sofort Tee und Obst gereicht. Weitere Verhaltensregel: Chinesen loben sich einfach gerne gegenseitig – mir war das vorher noch gar nicht bewusst gewesen, aber meine Freundin erzählte ständig allen, wie toll und hübsch ich sei … ich rede nicht so über meine Freunde, wenn ich sie mit zu mir nach Hause nehme, glaube ich. Als mir klar wurde, dass sie das vielleicht unhöflich findet, habe ich auch angefangen, die Leute um mich herum zu loben, vor allem natürlich für ihr Englisch (ich habe den VerdaNantong - Familie-16cht, dass ich nicht zuletzt dafür eingeladen wurde, damit die Kinder mal ihr Englisch am Objekt vor versammelter Mannschaft testen können – was den Kindern immer sehr peinlich war). Andererseits hatten wir später auch ein ausführliches Gespräch darüber, dass sie es nicht gut findet, dass deutsche Studenten oder Lehrer den chinesischen Studenten nicht sagen, wenn ihr Englisch schlecht ist. Was nun – Gesicht oder nicht?

Weiterer Erkenntnisgewinn dieses Kurztrips: Mahjong! Zuerst fand ich es einfach nur langweilig … prinzipiell ist es ja wie Rommé, nur dass man keine einzelne Karten ausspielt, sondern so lange Steine tauscht, bis man alle in irgendwelchen Verbindungen hat, und dann schreit: “Gewonnen!” Aber dann haben wir es bei ihrer Großmutter gespielt, die in einem urigen kleinen Häuschen wohnt, bei strömenden Regen, wobei einem ständig Tee und Sonnenblumenkerne nachgereicht wurden … die Stimmung war einfach sooo chinesisch! Außerdem muss man es wirklich schnell spielen – jeder muss die Steine kennen und sie nur so rauswerfen, dann wird’s lustig. Also, wer schließt sich meinem Joy Luck Club an??

Fazit: ein absolut cooles Erlebnis … ich kann euch nur raten, euch chinesische Freunde zu suchen!!!

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八三节 – Der Tag der Frau

März13

Noch ein kleiner Nachtrag zum 8. März: auch bei uns wurde in den Medien an der einen oder anderen Stelle erwähnt, dass der 8. März der internationale Tag der Frau ist; für unseren Alltag hat das aber kaum Bedeutung, oder wusstet ihr bisher überhaupt davon?

In China ist das jedoch ganz anders: seit Mao die Befreiung des “halben Himmels” (半天) forderte, braucht das schwache Geschlecht einen eigenen Feiertag. Und so ist auch heute noch in manchen Arbeitseinheiten, z.B. an Universitäten üblich, dass Frauen am 8. März kleine Geschenke bekommen – jedoch typisch weibliche Dinge wie z.B. Öl zum Kochen. Ob das die Gleichberechtigung vorantreibt, sei mal dahingestellt. Interessanter ist da doch schon der neuere Brauch, dass die Frauen einer Firma an diesem Tag zu einem Ausflug eingeladen werden, oder nur den halben Tag arbeiten müssen.

Was sie mit der anderen Hälfte des Tages anstellen, ist auch klar: shoppen gehen, denn anlässlich des 八三节 gibt es Sonderangebote in fast allen Läden!

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Ka La OK – Karaoke auf Chinesisch

September13

Wer schon einmal in Asien war, weiß, dass die Asiaten mehr verbindet als Konfuzianismus und Hello Kitty. Karaoke ist das Stichwort und wirkte in unserem Fall sogar als Völkerverständigung. Anlässlich Tobis Besuch hatte ich nämlich zum ersten Karaoke-Abend der Sprachschüler der Nanda eingeladen. Schon die Auswahl des KTV’s (so heißen die Karaoke-Etablissements) stellte sich als Abenteuer heraus. Denn KTV’s gibt es zwar an jeder Ecke, allerdings sind Ausstattung und Preis höchst unterschiedlich. Die Palette reicht vom schäbigen Hinterzimmer mit Merry Christmas-Beleuchtung bis zu noblen Räumen im 9. Stock mit eigener Bar. Ohne chinesischen Beistand in Form von Marcus Makler hätten wir das Preissystem wohl nicht durchschaut. Letztendlich fanden wir dann aber doch etwas Passendes und hatten nach kurzer Aufwärmphase erstaunlich viel Spaß. Landestypische Unterschiede ließen sich natürlich nicht vermeiden (so wurden die Koreaner ihrem Ruf mehr als gerecht und legten sofort mit „Baby one more time“ los, wohingegen die Deutschen erst zum Ende hin ihre Gesangskünste (dann aber richtig! Ich sage nur: „Jailhouse Rock“ auspackten), aber insgesamt war es ein sehr netter Abend, bei dem sich wohl alle gut amüsiert haben, und der dementsprechend auch wiederholt werden muss.

Für alle, die sich nicht vorstellen können, warum es Spaß machen soll, leicht angeheitert in einem dunklen Zimmer zu sitzen und mittelmäßigem Gesang zu lauschen – probiert es aus! Das Tröstliche ist, dass man sich beim Singen nicht selber hört ;-) .

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Chinesen sind …

September2

[Warnhinweis: ich weiß ja nicht erst seit Heri Lang, dass man nicht so pauschalisieren darf. Also sollten politisch korrekte Menschen diesen Eintrag lieber überspringen. Für alle anderen kommt eine sehr subjektive Liste mit Eigenschaften, die mir nach einigen Tagen aufgefallen sind]

-         wahnsinnig freundlich -  wenn man etwas von ihnen kaufen soll

-         aber auch als Freunde sehr hilfsbereit – Andrews Geduld beim Handy-Kauf (s. unten) war wirklich unglaublich und auch meine Gastfamilie liefert mir jeden Tag wieder tolle Beispiele

-         laut – oder liegt das nur an ihrer unüberschaubaren Zahl?

-         erfreut, wenn man sich mit ihnen auf Chinesisch unterhalten kann

-         erstaunt, wenn man sie einfach so anlächelt

-         nicht besonders hübsch – aber ich warte ungeduldig auf Gegenbeispiele

-         im deutschen Sinn keine guten Verkehrsteilnehmer

-         Handy-vernarrt: Handys kosten hier genauso viel wie in Deutschland, aber das ist im Vergleich zum übrigen Preisniveau natürlich gnadenlos überteuert. Trotzdem haben sehr viele Leute ein Handy und zwar meistens das neueste Modell.

-         last but not least: kitschig. Aber das ist eigentlich richtig toll!

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