Daily China

Alles rund ums Reich der Mitte

China Newbies – 中秋节 – Mondfest

Oktober5

Besser spät als nie: 祝你们中秋节快乐!Frohes Mondfest!

Tatsächlich war dieses Fest nämlich schon am Samstag. Wie bereits in meinem Post über chinesische Feiertage geschrieben, ändert sich nach unserem Kalender jedes Jahr das Datum. Man feiert an diesem Tag den besonders runden Herbst-Vollmond – am besten im Kreis der Familie, damit diese auch so rund wie der Mond ist. Rund sind auch die Mondkuchen (月饼 yuè bǐng), die traditionellerweise verschenkt (und manchmal auch gegessen werden): kleine Gebäckstücke, die mit einer süßen Füllung aus Frucht- oder Bohnenpaste gefüllt sind. Ein weiterer wichtiger Bestandteil sind Laternen (bei welchem chinesischen Fest kommen die eigentlich nicht vor?), die Kinder selbst basteln (oft in Hasenform) oder die an öffentlichen Plätzen ausgestellt werden – siehe dazu diese hübschen Fotos von ChinaDaily, die in mir glatt Heimweh nach chinesischer Lichterpracht aufkommen lassen …

Google Buzz

Post to Twitter Tweet This Post

CR nun auch in der VRC

September23

Die NY Times schreibt heute, dass in China Corporate Responsability immer wichtiger wird und auch in der Öffentlichkeit Beachtung findet. So war die Spendensumme im letzten Jahr dreimal so hoch wie die Jahre zuvor. Dieser Trend ist vor allem auf das Erdbeben in Sichuan 2008 zurückzuführen, bei dem im Internet Listen mit den geizigsten Unternehmen (sog. Eiserne Hähne) kursierten. Allerdings ist das nicht der einzige Grund für den Sinneswandel:

Das Erdbeben wurde von zwei anderen Entwicklungen begleitet, sagt Alan Vandor Molen, Präsident des Asien-Pazifik-Geschäfts von Edelman, einer PR Firma. Die eine war ein Mandat von 2007, das Unternehmen, die an der Börse von Shanghai oder Shenzhen gelistet sind, verpflichtet, jedes Jahr einen Bericht über ihre Corporate Responsability herauszugeben. Die zweite war die Politik der “Harmonischen Gesellschaft” der Regierung.

Um ihren Ruf zu verbessern, spenden viele Firmen nun für wohltätige Zwecke, wobei ihnen dafür drei Möglichkeiten zur Verfügung stehen: Organisationen der Regierung, genehmigte NGOs oder lokale Grassroot-Aktionen. Aus Mangel an Alternativen haben einige Unternehmer auch beschlossen, eigene Stiftungen zu gründen, was aber bisher noch auf rechtliche Schwierigkeiten stößt.

Da hat VW ja gute Chancen: bei einem Vortrag zu ihrem China-Geschäft, den ich kürzlich besucht habe, hieß es nämlich, dass sie darauf auch in China großen Wert legen würden, und ich dachte mir noch, dass das etwas ist, was in der VR eher weniger eine Rolle spielt – so kann man sich täuschen.

Google Buzz

Post to Twitter Tweet This Post

Links – Speaking of China

September23

Kürzlich bin ich auf dieses sehr interessante Blog aufmerksam geworden, das von einer Amerikanerin mit chinesischem Ehemann geschrieben wird. Gleich der erste Post, ” ‘Ich liebe dich’ auf Chinesisch”,  in dem sie beschreibt, wie ihre Schwiegereltern ihrer Liebe mit einem komplett neuen Badezimmer Ausdruck verliehen, hat mich gefesselt. Vor ein paar Tagen erschien nun ein Post darüber, wie sich das zweiklassige chinesische Gesundheitssystem auf den chinesischen Teil ihrer Familie auswirkt. Echt lesenswert!

For Many of China’s Rural Residents, Health Insurance is Not Enough | Speaking of China.

Google Buzz

Post to Twitter Tweet This Post

China-Newbies – Feiertage in China

September20

Als ich gerade in dem Artikel über die WDR-Reportage schrieb, dass man Feiertage meiden sollte, fiel mir auf, dass ich darüber überhaupt mal ein paar Worte verlieren sollte. 开始吧!

Feiertage, die nach unserem Kalender immer zur selben Zeit stattfinden, sind der 1. Mai (Tag der Arbeit 五一 wǔ yī) und der Nationalfeiertag am 1. Oktober ( 国庆节 guó qìng jié). Früher war zu beiden  Anlässen eine ganze Woche frei, inzwischen wurde das zugunsten einiger traditioneller Feiertage gekürzt. Diese richten sich jedoch nach dem Mondkalender und ändern sich nach unserem Kalender deswegen jedes Jahr. Das Frühlingsfest (春节 chún jié) findet Ende Januar bis Mitte Februar statt, der Totentag (清明节 qīng míng jié) Anfang April, das Drachenbootfest (端午节 duān wǔ jié) im Juni oder das Mondfest (中秋节 zhōng qiū jié) Ende September, Anfang Oktober. Am Frühlingsfest, dem chinesischen Weihnachten/Neujahr, ist etwa eine Woche frei, an den übrigen Tagen meist ein verlängertes Wochenende.

Warum nun sollte man sich diese Daten merken? Ans Einkaufen braucht man nicht zu denken, denn außer am letzten Abend des Jahres (除夕 chú xī) haben praktisch alle Geschäfte auch an Feiertagen geöffnet. Wichtiger wird das Ganze, wenn man reisen will – vor und an Feiertagen kann es nämlich schwierig werden, Zug- oder Flugtickets zu bekommen. Also so früh wie möglich buchen oder im Falle von Zugtickets: anstellen. Wie das sonst ausgehen kann, könnt ihr hier nachlesen.

Google Buzz

Post to Twitter Tweet This Post

Schwarze Teufelchen und grüne Mützen – und was das Internet wirklich über die chinesischen Meinung verrät

September16

Schon seit ich vor einigen Wochen auf ChinaSmack von dem Fall von Lou Jing gelesen hatte, wollte ich einen Artikel über Rassismus in China schreiben – und just heute stolperte ich über einen Beitrag zu genau diesem Thema bei Chinayouren. Und dass ich mit diesem nicht so sehr übereinstimmen, spornt mich erst recht an, endlich meinen Post in Angriff zu nehmen.

Zur Ausgangssituation: Lou Jing, Teilnehmerin bei einer chinesischen Fernsehshow, ist Chinesin – sie ist in Shanghai geboren und aufgewachsen und hat eine chinesische Mutter. Ihr Vater war allerdings schwarz. UND sie ist ein uneheliches Kind. Diese Vorgeschichte hat nun dann dazu geführt, dass sie sich im Internet wüsten Beschimpfungen ausgesetzt sieht. Ich persönlich finde sie ja ganz hübsch, während chinesische Kommentare sie als “Zebra” oder schlichtweg “häßlich” bezeichnen. Natürlich drängt sich einem hier der Gedanke an Rassismus auf und zweifelsohne, Chinesen sind rassistisch. Der Artikel auf Chinayouren kommt zwar zu dem Schluss:

Meiner Erfahrung ist China im Wesentlichen nicht rassistischer als andere Länder auch – was immer noch genug ist.

Aber nach meiner Erfahrung stimmt das nicht. Chinesen haben ein sehr klar definiertes Rassenbild, das sich, anders als bei uns, durch alle Bevölkerungsschichten hindurchzieht. Ganz oben steht, wie könnte es anders sein, das chinesische Volk. Han-Chinesen, wohlgemerkt. Westler nehmen einen Sonderstatus ein – einerseits sind sie natürlich auch nur Barbaren und ausländische Teufel. Andererseits sind sie auch irgendwie witzig und manchmal sogar nachahmenswert. Andere asiatische Völker sind den Chinesen ganz klar unterlegen und kommen auf Stufe drei. Darunter haben wir dann Araber und Inder. Und ganz ganz unten kommen die Afrikaner oder Schwarze im Allgemeinen (denn wie auch aus den Kommentaren zu Lou Jing deutlich wurde, wird zwischen Afro-Amerikanern und Afrikanern kein Unterschied gemacht). Wie gesagt, dieses Bild haben fast alle Chinesen irgendwo im Hinterkopf. Manch einer mag nun, so wie auf Chinayouren, ausrufen, dass wir im Westen nur zu feige sind, solche Dinge auszusprechen und wir zwar politisch korrekt in unseren Äußerungen, aber nicht in unseren Ansichten sind. Ich denke aber, dass der Unterschied darin liegt, dass wir vielleicht sagen “Afrikaner sind faul”, aber in der Tiefe unseres Herzens wissen, dass das eine haltlose Verallgemeinerung von Einzelfällen ist, und uns, wenn wir wirklich jemanden aus Afrika kennenlernen, auch schnell vom Gegenteil überzeugen lassen. Bei Chinesen scheint mir dagegen die Schwelle, die eigenen Vorurteile zu überwinden, sehr viel höher zu sein. Ich bin mir sicher, dass die vielen afrikanischen Austauschstudenten, die ihr gesamtes Studium in China absolvieren (Medizin und solche Scherze! Denen gilt mein echter Respekt.), davon ein Lied singen könnten. Und die extrem sexistischen Kommentare zu diesem schwarz-chinesischen Paar , das in der Shanghaier U-Bahn fotografiert wurde und bei uns nun wirklich kein Aufsehen erregen würde, zeigen das ebenfalls sehr deutlich.

Aber bei dem Fall von Lou Jing spielt noch etwas ganz Anderes mit. In vielen der Kommentare, zumindest denen auf ChinaSmack, wurde nämlich gar nicht Lou Jing, sondern ihre Mutter beschimpft. Weil sie mit einem Schwarzen geschlafen hatte und somit die chinesischen Rasse in Verruf gebracht? Auch. Wäre der Mann Europäer gewesen, hätte das wahrscheinlich weniger Reaktionen hervorgerufen. Aber vor allem wurde sie beschimpft, weil sie  ihren chinesischen Mann betrogen hat. Welchen Hass nämlich die grüne Mütze (给谁带绿帽子= jmd. die grüne Mütze aufsetzen = jdn. außerehelich betrügen) bei chinesischen Männern hervorruft, wurde mir erst durch diesen Beitrag bei ChinaSmack klar. Darin geht es um ein Mädchen, das von ihrem Verlobten auf offener Straße auf übelste Weise geschlagen und verprügelt wurde, weil sie von einem anderen schwanger war. Ich bin wahrlich kein Verfechter von Beziehungen mit mehr als zwei Beteiligten, aber das da ist einfach brutale Gewalt und auf KEINE Weise zu entschuldigen. Ich möchte auch hier nicht den Eindruck aufkommen lassen, dass alle chinesischen Männer so wären, Gott bewahre. Das war ein Einzelfall. Aber es ist auch nicht so, dass chinesische Männer die reinsten Engel wären (über die Beschwerden von chinesischen Ehefrauen gibt es übrigens hier eine interessante Serie). Ob nun Massagesalons oder gleich eine Zweitfrau in der Stadt – Ehebrüche von männlicher Seite aus sind keine Seltenheit in China. Aber wenn es dann mal umgekehrt passiert, wird gleich mit den Mitteln eines Mannes der Wut Luft verschafft, wie? Zumindest den Kommentaren bei ChinaSmack nach. Denn da erklärt ungefähr die Hälfte (wahrscheinlich die männliche), dass sie in einem solchen Fall ähnlich handeln würde oder den Typen zumindest verstehen kann.

Was uns aber zu noch einem Punkt bringt: es handelt sich hier nur um mehr oder weniger anonyme Kommentare auf einer x-beliebigen Internetseite. Zum einen schreibt man etwas viel schneller, als man dann es dann nachher auch wirklich tun würde. Und zum anderen ist diese Handvoll an Meinungen natürlich nie und nimmer repräsentativ für die gesamte Bevölkerung dieses so diversen Landes. Internetnutzer sind in jedem Land eine recht homogene Gruppe und dies gilt besonders in China, wo trotz aller Fortschritte in den letzten Jahren nur eine beschränkte Minderheit wirklich Internetzugang hat. Nichtsdestotrotz können diese Kommentare trotzdem bestimmte Strömungen widergeben. Ich hätte mit solchen Meinungen einfach überhaupt nicht gerechnet und ich bin mir ziemlich sicher, dass man sich in einer deutschen Internetcommunity auch schwer tun würde, solche Kommentare in einer doch recht großen Anzahl zu finden. Ich meine, er hat ihr nicht nur mal eben eine Backpfeife gegeben …

Nochmals und zum Mitschreiben: ich glaube nicht, dass alle Chinesen oder auch nur eine Mehrheit so denken und schon gar nicht so handeln. Aber die Tatsache, dass es überhaupt Leute gibt, die sich so äußern, zeigt [Achtung! Platitüde! Aber es überrascht mich einfach immer noch], dass die kulturellen Unterschiede zwischen jungen Deutschen und jungen Chinesen trotz Coca-Cola, McDonald’s und Michael Jackson immer noch immens sind. Und wahrscheinlich auch bleiben werden. Nicht, dass das etwas Schlechtes ist. Es heißt nur, dass noch viel interkultureller Dialog angesagt ist, bevor man sich auch nur ansatzweise gegenseitig versteht. Und wenn ich gerade keinen realen Gesprächspartner zur Verfügung habe, lese ich eben ChinaSmack. Und werde euch wieder mitteilen, wenn ich etwas Neues herausgefunden habe :-) .

Google Buzz

Post to Twitter Tweet This Post

« Older Entries