Daily China

Alles rund ums Reich der Mitte

Organspenden in China

August30

Nachdem ich in letzter Zeit über einige recht unterschiedliche, aber immer bemerkenswerte Artikel zu diesem Thema gestoßen bin, wollte ich sie hier mal kurz zusammenfassen und ein wenig darüber nachdenken.

Schon vor einiger Zeit hatte ich gehört, dass in China die Organe von Hingerichteten verkauft werden und dass man die Todesurteile je nach Bedarf vollstreckt werden. Ziemlich krasse Anschuldigung, weswegen ich es auch nie richtig geglaubt habe. Tja, so lange, bis ich diesen Artikel aus zuverlässiger Quelle las, in dem es heißt, dass in China seit einiger Zeit Todesvans eingesetzt werden, mobile Hinrichtungsstationen, die gleich vor Ort eine effiziente Organentnahme ermöglichen. Für jemanden, der aus einem Land kommt, in dem Organspenden immer noch nach dem Opt-In-Verfahren erfolgen, d.h. für eine Organentnahme wird die ausdrückliche Erlaubnis des Spenders oder dessen Angehörigen benötigt (wobei sich natürlich über die Sinnhaftigkeit dieses Modells ebenfalls streiten lässt), ist das eine erschreckende Nachricht. Inzwischen habe ich in Ma Jian’s neuem Buch gelesen, dass diese Praxis schon in den 80er Jahren gängig war – bei den Todesvans handelt es sich also lediglich um Effizienzmaßnahme.

Und Effizienz scheint wohl auch nötig zu sein, denn laut einem akutellen Bericht des International Herald Tribune werden in China rund 1 Million Organe benötigt, während nur etwa 10000 zur Verfügung stehen. Zum einen handelt es sich um ein organisatorisches Problem, da es keine umfassende Datenbanken für Organspender und -empfänger gibt. Aus diesem Grund verschwinden viele der Organe der Hingerichteten (die makabererweise der Organentnahme sogar zustimmen müssen) auf dem Schwarzmarkt.
Ein ganz anderes Problem ist jedoch die Spendebereitschaft – während in Deutschland ja doch viele Menschen einen Organspendeausweis haben oder der Idee zumindest nicht völlig abgeneigt sind, scheint das in China ein absolutes Tabu zu sein – von 1,3 Mio. haben sich seit 2003 nur 130(!!) auf die Organspendeliste setzen lassen. Das macht 0,00001% – in Deutschland haben laut einer Umfrage der BZgA 17% einen Organspendeausweis! Woher kommt diese Diskrepanz? Passenderweise hat ChinaSmack vor kurzem eine kleine Forumsdiskussion zu diesem Thema übersetzt. Ausgangspunkt war das Posting eines Arbeitslosen, der auf die Spendeliste hat setzen lassen. Nach dem ersten Durchlesen nahm ich automatisch an, dass er dafür Geld bekommen hatte – ist zwar keine schöne Sache, wenn man so arm ist, aber auch hier spenden Leute ja Blut für Geld. Erst, als ich die Antworten gelesen hatte, begriff ich, dass er das völlig umsonst gemacht hatte und nur seine Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit über seine jetzige Lage zum Ausdruck bringen wollte! Dementsprechend versuchten viele der Antwortenden auch, Louzhu* moralisch aufzubauen – gerade so, als ob dieser gerade angekündigt hätte, von der nächsten Brücke springen zu wollen. Einer warnte davor, dass ihm nun jederzeit etwas zustoßen könne, falls einer der Parteikader ein Organ brauche. Manche gaben auch zu, dass er richtig handeln würde, sie das aber mit ihren moralischen und spirituellen Prinzipien nicht vereinbaren könnten. Abgesehen also von den spirituellen Bedenken, die auch hier verbreitet sind, eine völlig andere Diskussion als in Deutschland. Und wirklich, das als Verzweiflungstat hinzustellen … ich wusste nicht, dass die Unterschiede bei diesem Thema so gravierend sind. Man lernt eben nie aus.

Wenn man aber jetzt zum Ausgangspunkt zurückkommt, nämlich den Todesvans, dann macht das Verhalten der Regierung irgendwie Sinn. Natürlich ist es keine richtige Lösung, aber wenn die Bevölkerung nun mal nicht gewillt ist zu spenden … und eine Gesetzesänderung hin zum Opt-Out-Modell würde sicherlich einen Proteststurm auslösen, ein Risiko, das die KP sicher nicht für so eine Bagatelle eingehen will. Warum also nicht das vorhandene “Material” nutzen? Noch dazu, wo viele Chinesen wenig bis gar kein Mitleid für zum Tode Verurteilte empfinden. Und daran wird sich, wie auch an der Haltung gegenüber Organspenden, so schnell wohl nichts ändern.

*Louzhu 楼主: chin. Internetslang für Threadstarter in einem Forum. Eines der vielen nützlichen Worte, die ich im Glossar von ChinaSmack gefunden habe – unbedingt anschauen!

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Eine Unterkunft für Pekings Obdachlose

März5

Ich habe mich schon oft gefragt, wovon die vielen Straßenverkäufer in China leben … offensichtlich reicht ihr Verdienst nicht zum Leben auf. Hier ein Artikel über den Autor des Blogs @24 Hours online@.

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Silkstreet-Verkäufer protestieren gegen Verkaufsverbot für gefälschte Warens

März2

Ein Artikel aus dem International Herald Tribune, der das “Dilemma” um die Fake-Artikel aus China ganz gut auf den Punkt bring. Interessant finde ich, dass  a) in einer solchen Situation sofort wieder das alte Vokabular von Mao hervorgebracht wird “bourgoise Ausländer”, “Intellektuelle, die die Arbeiter verstehen müssen” und dass b) die Fake-Verkäufer andere wohl gerne für dumm verkaufen … als ob sie nicht sehr gut wüssten, was sich hinter “Gucci” verbirgt. Warum sollten ihnen die Ausländer denn sonst alles abkaufen??

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