Hongjiang, Hunan
Wer eine interessante Sehenswürdigkeit abseits von Menschenmassen (sowohl ausländischen als auch chinesischen) und einen Einblick in das Leben in einer chinesischen Kleinstadt sucht, ist mit Hongjiang in Süd-Hunan bestens beraten.
Während der Qing-Dynastie durch den Opiumhandel reich geworden, ist Hongjiang heute größtenteils eine verschlafene Kleinstadt, in deren altem Kern man jedoch immer noch zahlreiche originale Gebäude, sei es restauriert, sei es in Überresten, bewundern kann. Faszinierend fand ich die Symbiose zwischen Alt und Neu – viele der alten Gebäude sind heute noch bewohnt oder dienen als kleine Restaurants. Daneben gibt es aber auch eine Handvoll von Gebäuden wie einem Opiumhaus, einer Wushu-Schule oder dem Wohnsitz einer Kaufmannsfamilie, die als richtige Attraktionen betrieben werden: Leute in mehr oder minder originalen Gewändern geben Erklärungen und vielerorts gibt es auch noch eine Vorführung (Teezeremonie, Martial Arts etc.) – allerdings nur, wenn man mit einer der offiziellen Gruppen unterwegs ist. Gut gefallen hat mir, dass die Häuser im Gegensatz zu Pingyao sinnvoll eingerichtet waren und nicht wahllos mit irgendwelchen Möbelstücke vollgestellt.
Auch das Flair außerhalb der touristischen Sehenswürdigkeiten ist wirklich erlebenswert – die Menschen waren alle sehr entspannt und freuten sich über die Abwechslung in Form von ausländischen Touristen, die sich sonst eher selten nach Hongjiang verirren. So kamen wir beim Hundun-Essen (=Suppe mit Teigtaschen, hier die leckerste, die ich bisher gegessen habe; in einem umfunktionierten alten Gebäude ganz in der Nähe des 厘金局) mit einem Mann ins Gespräch, der uns dann für den Rest des Nachmittags durch die Stadt geführt hat (sehr praktisch, da wir keine Lust auf die offizielle Gruppe gehabt hatten, aber manche der Sehenswürdigkeiten tatsächlich sehr versteckt liegen).
Am beeindruckendsten fand ich den 大佛寺, einen ungewöhnlichen Tempel (keine Mönche, dafür plaudernde Hausfrauen, die es sich im Vorraum gemütlich machen) mit einer sehr großen Buddha- und Guanyin-Statue. Leider habe ich mich nicht getraut, Fotos zu machen, das ist ja in Tempeln eher ungern gesehen und ich wollte nicht so touristisch reinplatzen.
Travelog
Von Huaihua’s 汽车南站 fahren Busse, wenn sie voll sind, für 22 Yuan direkt zum Eingang der Altstadt (洪江故商城), Dauer: 1,5h. Der Eintrittspreis (120 Yuan, für Studenten 60 Yuan) berechtigt zur Teilnahme an einer geführten Tour auf Chinesisch mit etwa 5 Leuten. Ich bin ja generell kein Freund von Touren, aber wie gesagt werden die Vorführungen nur für die offiziellen Gruppen gemacht, also ist es wahrscheinlich am sinnvollsten, kurz vor oder hinter einer Gruppe zu laufen oder sie an den großen Sehenswürdigkeiten abzupassen, damit man alles mitbekommt. Aber allzu viele Gruppe gibt es pro Tag nicht, wir haben nur zwei gesehen … In Hongjiang selbst reichen einige Stunden aus, aber mit Hin- und Rückfahrt entwickelt sich das Ganze zu einem angenehmen Tagesausflug. Für die Rückfahrt reicht es, wieder zurück zum Haupteingang und auf die Straße zu laufen; über kurz oder lang kommt auf jeden Fall ein Bus nach Huaihua vorbei, von dessen Fahrer man angesprochen wird.
