Daily China

Alles rund ums Reich der Mitte

Visum – WARNUNG!

März28

Ich hasse sie. Ich hasse sie. ICH HASSE SIE. Nicht die Chinesen. Sondern ihre Regierung. Wir halten fest: mit meinem rechnerischen Pro-Kopf-Einkommen könnte ich 20 Chinesen ernähren. Ich bin Staatsbürgerin einer funktionierenden Sozialdemokratie, mit Sozialversicherungssystem, Krankenversorgung und allem möglichem Schnickschnack. Das Einzige, was mich nach China bringt, sind sentimentale Gefühle und das Bedürfnis, mein Chinesisch endlich auch mal anzuwenden. Und nichtsdestotrotz muss ich für die Verlängerung meines Touristenvisums

nachweisen, dass ich mir das Leben in China leisten kann!!

Tja, da sagt man sich, macht nichts, die Lebenshaltungskosten in China sind ja recht niedrig. Aber die chinesische Regierung möchte ja nicht, dass wir Abstriche bei unserem Lebensstandard machen müssen … also hat sie festgelegt, dass man als Ausländer in China pro Tag 100$ braucht. Ohne Übertreibung: das ist das mindestens das Fünffache von dem, was man braucht, wenn man ein wirklich luxuriöses Leben führt. Die meisten Chinesen verdienen in einem gesamten Monat nicht mehr 300$!! Und selbst in Deutschland gehört man schon zu den recht gut Verdienenden, wenn man so viel Geld pro Tag zur Verfügung hat, oder täusche ich mich?

Im Klartext heißt das, dass ich, wenn ich mein Praktikum fortsetzen möchte, so viel Geld auf eine chinesische Bank einzahlen muss, dass ich damit wahrscheinlich schon eine Wohnung anzahlen könnte. Wie lächerlich ist das????

Ihr merkt, dass ich ein klitzekleines bisschen verärgert bin. Hinzu kommt nämlich auch, dass die Verlängerung des Visums ab dem Tag der Beantragung läuft. Wenn ich also nicht noch mehr Geld flüssig machen will, kann ich erst am letzten Tag meines jetzigen Visums ein neues beantragen. Witzigerweise dauert die Bearbeitung ja dann nochmal fünf Tage … das scheint dann aber auch schon egal zu sein.

Okay, tief durchatmen. Nicht mehr aufregen.  Ist ja nur eine Formalität. Aber

ICH HASSE SIE TROTZDEM!!

Visum – Entwarnung

Februar20

Als ich das letzte Mal nach China geflogen bin, hatte ich ja einigen Ärger mit dem Visum (siehe hier). Es freut mich, euch heute Entwarnung zu geben: bei meinem heutigen Besuch gab es nicht die geringsten Probleme. Dazu muss man jedoch zwei Sachen anmerken: man sollte so wenig Angriffsfläche wie möglich bieten, d.h. so wenig wie möglich sagen. Vor mir war eine Frau, die ihren Mann (einen Deutschen) besuchen wollte; als sie das erwähnte, wurde sofort gefragt, ob sie eine Kopie von seinem Pass dabei habe, was eigentlich völlig unnötig ist, denn man kann natürlich auch einfach so als Tourist nach China … Zweitens (und ich weiß, dass das nicht jeder kann) sollte man nach Möglichkeit Chinesisch sprechen. Natürlich nur, wenn man sich dabei nicht blamiert und der Beamte tausend Mal nachfragen muss ;-) . Bei mir wurde er daraufhin jedenfalls extrem freundlich.
Fazit: Wartezeit etwa 30min, zusätzliche Dokumente wie Flugticket oder Hotelreservierung werden nicht benötigt.

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Der lange und steinige Weg zu Olympia

Juni27

Nicht nur für Athleten gibt es eine Reihe von Qualifikationswettkämpfen, auch deren Angehörige, die sie als Zuschauer in Peking unterstützen möchten, müssen sich erst beweisen …

Schritt 1: Finde einen Flug nach Peking.

11 Monate vorher? Sieht schon schlecht aus. Mit Zwischenstopps und Umsteigen kann man sich ja noch abfinden, aber der 3fache-Preis des Normalpreises schmerzt dann doch sehr. Aber man sagt sich: macht ja nichts, dann schlafen wir halt in billigen Hotels …

Schritt 2: Stelle fest, dass es keine Tickets mehr für die Wettkämpfe gibt.

Und es handelt sich hier nicht um Schwimmen oder Leichtathletik, sondern eine Sportart, die in Deutschland und auch dem Rest der Welt eher als Randsportart gilt. Besonders pikant: das deutsche Team hat sich erst im September qualifiziert; danach sollte Deutschland aber dann doch auch ein Kontigent zur Verfügung stehen. Und wer kauft eigentlich Tickets, bevor man weiss, ob die eigene Mannschaft überhaupt teilnimmt? Anscheinend eine ganze Menge Leute – denn im September sind bei Dertour, dem offiziellen Ticketverkäufer in Deutschland, bereits alle Tickets für diese Wettkämpfe ausverkauft. Auch für die Qualifikationsdurchgänge. Irgendetwas geht da nicht mit rechten Dingen zu … warum sollten da sooo viele Deutsche hinfahren?? Und man braucht nicht zu glauben, dass man als Angehöriger vielleicht eine bevorzugte Behandlung bei der Ticketvergabe bekommt, wie es etwa in der Schweiz oder den USA üblich ist. “Ob die Angehörigen der Athleten dabei sind, ist dem Verband s***egal”, heisst es auf Anfrage aus offizieller Quelle. Aber natürlich haben auch Funktionäre Angehörige, die mitwollen!

Mit Müh und Not lassen sich für drei Leute je zwei Tickets für zwei der Qualifikationswettkämpfe ergattern. Finale? Keine Chance. Zum Glück ist die deutsche Mannschaft in einem der Durchgänge dran, wo wir Karten haben – das war aber reiner Zufall.

Schritt 3: Finde ein Hotel.

Als China-Erfahrerene sagst du dir, dass man Hotels in China sowieso am besten vor Ort sucht. Aber zumindest für Peking sollte man vorsorgen. Und dabei stellt man dann fest, dass durchweg alle Hotels in Peking ihre Preise für August versechs- bis verzehnfacht haben. In Zahlen: Dezember-Juli: 31$, August: 331$, September-Dezember: 31$. Das war übrigens ein 3-Sterne-Hotel und NICHT das Hilton. Hinzu kommt, dass der komplette Betrag vorausgezahlt werden muss und bei Rücktritt nach Februar auch nicht mehr erstattet wird. Kommunismus chinesischer Prägung, sage ich da nur. War wohl nichts mit billigem Hotel. Man beschliesst also, nur für die Wettkämpfe in Peking zu bleiben und danach möglichst schnell das Weite zu suchen. Aber hier ist auch schon das nächste Problem: in China kann man nun einmal nur 14 Tage im Voraus Zugtickets kaufen. Und das auch nur vor Ort an dem Bahnhof, von dem man abfahren möchte. Selbst Reisebüros zögern, Reservierungen entgegen zu nehmen, weil sie um die angespannte Lage wissen. Und dann noch zusätzlich zum ohnehin im August regen Ferienverkehr Millionen und Millionen von sportbegeisterten Chinesen auf den Schienen?? Das macht die Planung unmöglich. Also wird ausser dem Hotel in Peking auch nichts reserviert, damit wir vor Ort flexibel sind.

Schritt 4: Beantrage das Visum.

Alles ganz easy. Formular ausfüllen, hingehen, Pass abgeben, eine Woche später abholen. So hat es bei mir die letzten Male funktioniert und auch bei allen, die mich besucht haben. Auf der Seite der Botschaft heisst es ja auch deutlich: “Keine strikte Visa-Politik der chinesischen Regierung!”. Das sind doch mal gute Nachrichten. Da sieht man auch gerne darüber hinweg, dass die Schlange schon vor der öffnung der Botschaft mehr als 30 Leute umfasst. Und deswegen sieht man auch erst nach einer halben Stunde, dass sich das chinesische Konsulat Verstärkung ins Haus geholt hat. Auf Deutsch sagt man zu so jemandem wohl “Rausschmeisser”: kräftiger Kerl im schwarzen Anzug mit finsterem Gesichtsausdruck. Hat man nun auch schon ausserhalb der VR Angst vor übergriffen von T***en? Oh nein, es sind die Touristen, die der Führungsriege der KP Sorgen bereiten. Wenn die am Ende in ganz China herumstreunern und all die Orte entdecken, die nicht so schön wie Peking hergerichtet wurden? Wahrscheinlich hat man kurzzeitig überlegt, Peking einen Sonderstatus einzuräumen, so dass Visa nur für Peking ausgestellt werden können. Da hätte man die Langnasen wenigstens unter Kontrolle. Aber Geld will man ja auch noch verdienen und das auch gerne ausserhalb Pekings. Die Lösung? Man zwingt alle Touristen, bei der Beantragung eine lückenlose Hotelbuchung für ihren gesamten China-Aufenthalt vorzuweisen! Und nach 2. weiss man ja, wie das ist mit Vorauszahlung etc. Und damit die Waiguoren auch was zu tun haben, schreiben wir diese Information auf ein extra verstecktes Merkblatt ohne weitere Erläuterung (da heisst es ganz lapidar “Hotelbuchung(en)”).

Nachdem mir der deutsche Security-Mensch all das auf eine dermassen arrogante und unfreundliche Art erklärt hatte, beneidete ich zum ersten Mal in meinem Leben alle Pauschalreisenden und war kurz davor, aufzugeben. Aber ein Jahr China härtet aber. Also: qi lai, qi lai, qi lai (das ist der Anfang der chinesischen Hymne und bedeutet: “Erhebt euch!”)! Zurück zu Hause stellte ich fest, dass glücklicherweise die Hotels ausserhalb Pekings ihre Preise nicht auf Olympia-Niveau gehoben haben, und dass man dort auch nur 10% Anzahlung leisten muss. Am Montag werde ich mich also erneut in den Kampf stürzen – diesmal mit so vielen Unterlagen, dass ich zur Not den Kerl im schwarzen Anzug erschlagen kann, wenn er wieder Probleme macht ;-) .

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Visum für Austauschstudenten

April19

Wer in die Volksrepublik China einreisen will, braucht natürlich auch ein Visum. Die Beantragung läuft eigentlich ganz problemlos ab – man muss nur das Formular ausfüllen und das gemeinsam mit dem Reisepass beim nächstgelegenen Konsulat (Frankfurt, München, Hamburg) oder bei der Botschaft in Berlin abgeben. Weitere Hinweise sowie die fälligen Gebühren findet ihr hier. Normalerweise dauert es vier Arbeitstage, bis man das Visum abholen kann, allerdings gibt es auch einen Expressservice, der nur wenige Stunden dauert.

Als Austauschstudent sollte man folgende Dinge mitbringen: Kopie vom Zulassungsbescheid von der Uni, das Visa-Application Form (bekommt man normalerweise auch von der Uni) im Original sowie eine Kopie des Gesundheitszeugnisses und das normale Antragsformular.

Werde mich morgen dann auch mal auf den Weg machen – hoffentlich klappt das alles und sie überprüfen nicht meine Mitgliedschaft bei bestimmten Tibet-freundlichen Vereinen, deren Namen ich hier nicht schreiben darf, da ich sonst womöglich die Seite in China nicht mehr aufrufen kann – Zensur ist schon was Tolles Fröhlich.

Noch ein Tipp: uns wurde gesagt, dass wir erstmal ein Visum mit einmaliger Einreise beantragen soll, da man etwas Anderes eh’ nicht ausgestellt bekommt. Allerdings kann man es dann vor Ort umschreiben lassen.

Gesundheitszeugnis oder: “Stellen Sie eine Gefahr für die öffentliche Gesundheit dar?”

März19

Wer sich schon einmal näher mit den Formalitäten für einen Aufenthalt in China (ab 6 Monaten) beschäftigt hat, der ist sicher schon auf das ominöse Gesundheitszeugnis gestoßen. Das Formular selbst kann man z.B. beim Referat für China des DAAD (s. unter herunterladen. Beim Ausdrucken ist darauf zu achten, dass die beiden Seiten auf eine Blatt (Vorder- und Rückseite) gedruckt werden, notfalls muss man sonst in den Copyshop gehen.  Gewöhnlich braucht man neben dem Original noch vier weitere beglaubigte Kopien (einfach vom Arzt stempeln lassen): drei für die Uni und andere Behörden und einen für den Visumantrag.

Das Original behält man selbst, das braucht man dann bei der Einreise.

Der Großteil des Formulars besteht aus Angaben zu verschiedenen Körperteilen (einfach “normal” eintragen) sowie Angaben zu Krankheiten (u.a. auch die o.g. Frage zum Geisteszustand ). Außerdem braucht man einen AIDS-, einen Hepatitis- und einen Syphilis-Test (das kostet ungefähr 50€) sowie ein Röntgenbild des Brustkorbs mit Lungenbefund und ein EKG.  Von den Tests und dem Lungenbefund muss man für jedes Exemplar eine Kopie machen (das Original auch wieder behalten); am besten ist, wenn man überall nochmal draufschreibt “Nothing could be found” und das Ganze vom Arzt stempeln lässt.  Je mehr Stempel, desto besser! Wichtig ist, dass auch das Passbild gestempelt ist. EKG und Röntgenbild muss man nicht kopieren, aber man sollte die Originale mit nach China nehmen (evtl. kann man beim Radiologen dazusagen, dass er das Röntgenbild auf DIN A4 verkleinert, das ist praktischer zum Mitnehmen).

Noch ein wichtiger Punkt: bei der Einreise darf das Gesundheitszeugnis nicht älter als sechs Monate sein. Wer also zum Wintersemester mit seinem Studium in China anfangen will, der sollte nicht vor März zum Arzt gehen. Die meisten, die mit dem China-Programm der Studienstiftung nach China gehen, stehen damit vor dem Problem, dass der 2. Sprachkurs im März stattfindet und man davor und danach unter Umständen wenig Zeit hat, zum Arzt zu gehen. Hier kann ich empfehlen, zu Dr. Elisabeth Georg zu gehen, die ist in der Trierer Innenstadt und wirklich sehr nett und hat nach unserem Jahrgang nun auch schon einige Erfahrung  . Die Untersuchung nimmt inklusive Röntgen etwa einen Vormittag in Anspruch, dazu kommt dann noch die Zeit, die man zum Ausfüllen und Stempeln braucht.

Olympia 2008, die Expo 2010 … bei mir hat aber alles schon viel früher angefangen. Ich habe in der Schule Chinesisch gelernt, weil ich mal etwas Anderes machen wollte und weil ich Asien schon immer interessant fand. Sehr schnell wurde ich sehr sinophil und nach meinem ersten Sprachkurs in Shanghai im Sommer 2004 war mir klar, dass ich zurück will in dieses faszinierende Land – dann aber für länger. 2006 ging mein Traum dann in Erfüllung – für zwei Semester habe ich an der Universität Nanjing Chinesisch studiert, Erhu gelernt, chinesische Freunde gefunden, mich manchmal über den Alltag aufgeregt und bin natürlich im ganzen Land unterwegs gewesen. Meine Erfahrungen – vom Bewerbungsprozess für das China-Programm der Studienstiftung bis hin zu Reiseberichten – habe ich hier (wenn auch nicht immer regelmäßig) niedergeschrieben. Aber damit endet die Geschichte nicht: letztes Jahr war ich während der olympischen Spiele wieder in China und von März bis Mai diesen Jahres habe ich ein zweimonatiges Laborpraktikum in Peking gemacht. Und von 2010 bis 2011 habe ich im eisigkalten Harbin studiert.

Die meisten meiner Kategorien sind selbsterklärend, hier ein paar Hinweise für die übrigen:

Wenn ihr irgendwelche Fragen oder Anmerkungen habt, einfach kommentieren! Ich antworte bestimmt :-) .


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