Daily China

Alles rund ums Reich der Mitte

Die Schöne heiratet das Biest – weil es reich ist

Oktober24

ChinaSMACK brachte vor kurzem einen Artikel, in dem es um Heiraten aus einem Sicherheitsbedürfnis heraus geht. Ausgangspunkt bildet eine chinesische Legende, bei der das Mädchen Xi’er sich einem reichen Gutsherrn verweigert und stattdessen zwei Jahre in bitterster Armut verbringt, bevor ihr Geliebter sie endlich retten und rächen kann. Vor Kummer sind inzwischen ihre Haare jedoch völlig weißgeworden, weswegen ihre Geschichte als die Geschichte des weißhaarigen Mädchens bezeichnet wird.

Laut dem Artikel sehen sich einige chinesische Studentinnen heute in der selben Lage – sie aber würden lieber ein liebloses, dafür sicheres und sorgloses Leben führen und sich in einer solchen Situation für den Gutsherrn entscheiden. In den Kommentaren, die ChinaSMACK übersetzt hat, wurde diese Einstellung von den meisten Netizens getadelt, allerdings machte sich auch hier ein gewisser Pragmatismus deutlich.

Aus meiner persönlichen Erfahrung muss ich sagen, dass junge Chinesen eigentlich recht romantisch sind – und gerade die Mädchen lassen sich von ihren Freunden wirklich gerne verwöhnen. Beliebtes Zeichen der Zuneigung: der Mann trägt sogar ihre Handtasche :-) . Ob also wirklich ein Großteil dieser Generation auf das persönliche Glück verzichten würde, nur um finanziell abgesichert zu sein? Auf dem Land kann mich eine Haltung eher vorstellen, aber selbst wenn es den jetzigen Studenten schwer fällt, gleich einen Job zu finden, so sehen sie sich doch in den seltensten Fällen einem Absturz gegenüber, der eine solche Tat rechtfertigen würde. Was jedoch sicher mit eine Rolle spielt, ist die Panik vieler Eltern, wenn die Kinder mit Ende 20 noch nicht unter der Haube sind – hier wird dann bei der Partnerwahl natürlich viel auf den Status geguckt. Nichtsdestotrotz würde ein so großer Altersunterschied, wie er bei der Geschichte vom weißhaarigen Mädchen vorkommt, wohl trotzdem nicht gebilligt werden.

60 Jahre VRC – ein Rückblick

Oktober4

Der große Tag – der 1. Oktober, 60. Gründungstag der Volksrepublik China – kam … und ging. Nachdem die Blogosphere sich seit ungefähr einem Monat mit nichts Anderem beschäftigt hat (was die Stimmung in Peking wohl ganz gut wiedergab), fühlt man sich nun irgendwie – leer. Also lassen wir das schöne Ereignis doch einfach Revue passieren: in Form einer Linkliste zu Videos, Kommentaren und Artikeln rund um den diesjährigen 国庆节.

  • Die Vorbereitung war fast genauso schön wie das eigentliche Event – jedenfalls, was die Fotos angeht.
  • 60 Jahre Volksrepublik – was war da eigentlich los? Einen interessanten Überblick über das Hauptereignis eines jeden Jahres gibt es auf ChinaHush (sicherlich eine gute Vorbereitung für eventuelle Auswahlgespräche). Und das Ganze dann garniert mit Coverbildern von China Pictorial. Und wo wir schon bei Covern sind: hübsche Collage der Tageszeitung vom 1. Oktober von Danwei.
  • Genau 66 Minuten dauerte die Parade – das Video von Dan Chung von The Guardian fasst sie in knapp vier Minuten zusammen (meiner Meinung nach völlig ausreichend ^_^). Wer sich die volle Dröhnung geben will, findet die Übertragung von CCTV auch auf Youku. Mit der waren die meisten Chinesen aber recht unzufrieden – zum einen war sie nicht künstlerisch genug und zum anderen – wie andere Feierlichkeiten auch – um 30 Sekunden zeitversetzt. Deswegen gibt es hier noch die angebliche bessere Alternative von Phoenix TV.
  • Was war eigentlich mit dem ehemaligen Premier Zhu Rongji? Und was bedeutet es, dass Hu Jintao einen sog. Mao-Anzug trug? Klatsch und Tratsch rund um die Führungsebene gab es genug. Die BBC erklärt uns auch noch die Symbolik der Parade.
  • Selbst die Gratiszeitung in der Pariser Metro fand ein paar Worte zum Großereignis, von sämtlichen großen internationalen Tageszeitungen gar nicht zu reden. Der Tenor der allermeisten Artikel war, dass China ja schon viel recht erreicht, aber viele historische und aktuelle Probleme unter den Teppich kehrt *gähn*. Müssten wir Deutschen, der uns der Richtung Geschichte erhobene Zeigefinger anderer Länder allmählich auf den Geist geht, nicht eigentlich von solchen Hinweisen absehen? Diesen Artikel der NYTimes, in dem es um die Ideologie-Leere in der VRC geht, sowie eine Videoserie zum Thema “Wo wird China in 60 Jahren sein?” (BBC) fand ich noch ganz gut, aber sonst wenig Neues.

Wer jetzt immer noch nicht genug hat, sollte sich diese Linkliste von ChinaBeat ansehen – da erfährt man unter anderem, was Mao wirklich zum Anlass der Gründung gesagt hat.

Hätten wir das also auch überstanden – wer weiß, wie der 70. Jahrestag aussehen wird :-) .

Der große Panda – ein nationaler Schatz?

September29

Bei ChinaSMACK wird gerade heftig darüber diskutiert, ob der große Panda wirklich eine schützenswerte Art ist oder ob man ihn nicht den natürlichen Weg der Evolution gehen und aussterben lassen soll und das Geld lieber für etwas Anderes verwenden.

Ich war schon in der Panda-Aufzuchtstation in Chengdu und man muss sagen, dass die “Kerlchen” aus der Nähe noch putziger als auf Fotos sind (wenn sie auch natürlich nie an meine Lieblinge, die Kleinen Pandabären, rankommen).

Ich möchte bei dieser Gelegenheit aber auch mein Wissen anwenden, dass ich mir in mühevoller Kleinarbeit durch das Durcharbeiten unzähliger HSK-Aufgaben erarbeitet habe (für alle, die noch nicht das Vergnügen hatten: es gibt nichts, was den Horizont an chinesischem Allgemein”wissen” so erweitert, wie der Leseverständnisteil dieses chinesischen Sprachtests).

In einem der Texte dort hieß es, dass Verdauungssystem und Zähne des Großen Pandas die eines Fleischfressers sind, er aber aufgrund seines Gewichts und seiner Langsamkeit ein extrem schlechter Jäger ist und deswegen auf der Jagd mehr Energie verlieren würde, als er durch die Beute aufnehmen könnte. Also muss er sich auf Bambus beschränken,den er aber natürlich nicht richtig verwerten kann und deswegen in sehr großen Mengen zu sich nehmen muss. Dementsprechend viel … Abfallprodukte kommen dabei auch heraus.

Man nehme noch einen sehr unterentwickelten Sexualtrieb und Ungeschicktheit bei der Aufzucht der eigenen Jungen hinzu und schon landet man in einer evolutionären Sackgasse par excellence. Aber mal ehrlich, objektiv betrachtet bin ich sicherlich auch keine Glanzleistung der Natur (überlebe nur bei konstanten 25°C und durch Zufuhr einer extrem abwechlungsreichen Schokoladen- und Keksdiät). Nichtsdestotrotz hoffe ich, dass ich süß genug bin, um mein Überleben auch in Zukunft zu sichern – eine Sorge, die ein Pandabär nicht mehr zu haben braucht, spätestens seit diesem Allzeit-Favoriten bei Youtube:

Gefährliche Proben für den Nationalfeiertag

September24

Vor ein paar Tagen habe ich auf Twitter den Link zu einer Fotoreportage über eine Probe für die Feierlichkeiten am 1. Oktober gepostet. Mir war damals noch nicht klar, dass sich der Reporter dafür anscheinend in größere Gefahr begeben hatte …

Laut Mitteilungen aller größerer Nachrichtenagenturen wurden nämlich letzte Woche zwei japanische Reporter und ihr chinesischer Assistent in ihrem Hotelzimmer von Teilnehmern an der Probe tätlich angegriffen. Auch zwei Laptops wurden beschädigt.

Die chinesische Regierung hatte im Vorhinein darum gebeten, dass über die Proben nicht berichtet werde. Das Beijing Hotel, in dem die Reporter untergebracht waren, hatte deswegen auch die Balkone in den Zimmern versiegelt lassen. Die japanischen Reporter hatten dies jedoch missachtet und waren auf jedem Fall auf dem Balkon gewesen; ob sie dabei auch Fotos gemacht haben, bleibt unklar.

Witzig ist, dass die Sprecherin des Außenministeriums zuerst erklärte, dass sie von dem Vorfall nichts gehört habe, später aber angab, die Beschwerden der japanische Agentur weitergeleitet zu haben. Weiterhin führte sie aus, dass es normal sei, spezielle Sicherheitsmaßnahmen vor solchen Großereignissen zu ergreifen und  die Regierung dankbar für all die Journalisten sei, die diese auch beachten. Sie hoffe jedoch, dass die Polizei während der Feiertage das Recht auf zivilisierte Art und Weise durchsetzen werde.

Ich finde die ganze Sache irgendwie seltsam. Natürlich will ich mich davor hüten, das Ganze hochzuspielen, denn außer ein paar Fußtritten scheint ja wirklich nicht viel passiert zu sein. Aber warum überhaupt die ganze Geheimhalterei? Die Regierung erinnert mich da ein wenig an mich, als ich noch klein war und ein Geschenk für meinen Bruder gekauft hatte. Durch meine eigene Schuld bekam er es noch vor seinem Geburtstag zu sehen – und ich war stocksauer, weil die Überraschung verdorben war :-) .

Okay, wahrscheinlich hat man auf höherer Ebene einfach Angst, dass jemand Insiderinformationen dazu nutzen könnte, das ganze Spektakel zu sabotieren. Aber immerhin, es ist eben nur das – ein Spektakel, nicht etwa eine entscheidende Militäraktion. Das scheint es mir nicht wert zu sein, sich deswegen gleich wieder einen internationalen Rüffel von wegen Menschenrechten und freier Presse einzuhandeln. Aber man darf eins nicht vergessen: die Regierung kann ihre ganzen Handlanger auch nicht bis in zum letzten Lokalkomitee kontrollieren. Vielleicht handelte sich bei den Angreifern auch nur um ein paar übereifrige Patrioten, die auf Japaner ohnehin nicht gut zu sprechen sind? Dass der Hass hier teilweise noch sehr tief sitzt, wurde mir gerade heute wieder durch einen Post auf ChinaSMACK deutlich gemacht, in dem Fotos von japanischen Atombomben-Opfern gezeigt wurden und einige (!) Kommentatoren sich wirklich darüber freuten, die “japanischen Teufel” leiden zu sehen …

Wie dem auch sei, bis zur richtigen Feier ist es ja nur noch eine Woche und einer meiner chinesischen Freundinnen freut sich schon richtig auf die Parade. Sie sagt, all die Soldaten im Gleichschritt marschieren zu sehen, sei so ein erhebendes Gefühl *g*. Hoffe, dass ich von hier aus auch was sehen kann!

Zusammenfassender Artikel auf ESWN

Ungleiche Startbedingungen für chinesische Kinder

September23

Während mir in Deutschland immer nicht ganz klar ist, warum Kinder aus armen Familien weniger Chancen auf einen höheren Schulabschluss haben (0hne darüber jetzt eine Debatte anfangen zu wollen), ist der selbe Sachverhalt in China recht einfach zu erklären: Schule kostet Geld, genau wie die Bücher und später die Unterbringung, wenn die nächste weiterführende Schule zu weit weg von zu Hause liegt; von Studiengebühren mal ganz zu schweigen. In einem Land, in dem ein Großteil der Bevölkerung immer noch extrem arm ist,  ist es also ziemlich einleuchtend, dass manche Kinder bessere Startbedingungen haben.

Genau das sollte mit dieser Karikatur zum Ausdruck gebracht werden, die vor kurzem auf ChinaSMACK diskutiert wurde.

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Zunächst mal ein Kommentar zu dem Bild: das Kind reicher Eltern wird also vom schnellen Auto gefahren; der arme Student muss dagegen seinen bäuerlichen Eltern ziehen. Das verstehe ich nicht. Auch viele Eltern vom Land tun alles, um ihre Kinder zur Schule schicken zu können (chinesische Eltern bringen meiner Meinung nach viel mehr (finanzielle) Opfer für ihre Kinder als deutsche Eltern ). Sie können vielleicht nicht die selben Voraussetzungen schaffen, aber warum sollten sie ihr Kind aktiv behindern?  Würde es nicht mehr Sinn machen, wenn der Student auf dem Bild einfach zu Fuß gehen würde?

Die Reaktionen in den Kommentaren bei ChinaSMACK sind auch sehr interessant. Während man bei uns sofort auf das System losgeht, das es nicht schafft, diese Ungleichheiten wettzumachen, werden diese von den chinesischen Internetnutzern als gegeben und unüberwindbar hingenommen, die Reichen, die ihre Kinder in jeder Hinsicht unterstützen, verteidigt, und allgemein der Ratschlag verteilt, selbst hart zu arbeiten, um es den eigenen Kindern leichter zu machen. Das stimmt so ziemlich mit dem Pragmatismus überein, den ich selbst bei meinen chinesischen Freunden und Bekannten erlebt habe. Wir in Deutschland jammern dagegen – auf ziemlich hohem Niveau.

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Olympia 2008, die Expo 2010 … bei mir hat aber alles schon viel früher angefangen. Ich habe in der Schule Chinesisch gelernt, weil ich mal etwas Anderes machen wollte und weil ich Asien schon immer interessant fand. Sehr schnell wurde ich sehr sinophil und nach meinem ersten Sprachkurs in Shanghai im Sommer 2004 war mir klar, dass ich zurück will in dieses faszinierende Land – dann aber für länger. 2006 ging mein Traum dann in Erfüllung – für zwei Semester habe ich an der Universität Nanjing Chinesisch studiert, Erhu gelernt, chinesische Freunde gefunden, mich manchmal über den Alltag aufgeregt und bin natürlich im ganzen Land unterwegs gewesen. Meine Erfahrungen – vom Bewerbungsprozess für das China-Programm der Studienstiftung bis hin zu Reiseberichten – habe ich hier (wenn auch nicht immer regelmäßig) niedergeschrieben. Aber damit endet die Geschichte nicht: letztes Jahr war ich während der olympischen Spiele wieder in China und von März bis Mai diesen Jahres habe ich ein zweimonatiges Laborpraktikum in Peking gemacht. Und von 2010 bis 2011 habe ich im eisigkalten Harbin studiert.

Die meisten meiner Kategorien sind selbsterklärend, hier ein paar Hinweise für die übrigen:

Wenn ihr irgendwelche Fragen oder Anmerkungen habt, einfach kommentieren! Ich antworte bestimmt :-) .


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