Daily China

Alles rund ums Reich der Mitte

Love it, hate it … it’s China, anyway.

April22

Hate it …

… wegen viereckiger, flacher Spülbecken, in denen aus physikalischen Grundsätzen der Dreck stehen bleibt.

… weil man sich nicht einfach im Internet über irgendwas informieren kann – lieber besser mal anrufen, denn alles ändert sich ständig.

… weil es keine Rechnung mit Bankeinzug gibt, sondern man am Monatsanfang bzw. –ende zu Strom- und Gasanbietern, Internetprovider, Telefongesellschaft – you name it – oder den entsprechenden Banken gehen und vor Ort bezahlen muss.

… Flexibilität ist woanders. Heizung aus am 15. März (stadtweit), Klimaanlage an Mitte Juni. Ohne Rücksicht auf solche Nebensächlichkeiten wie das Wetter.

… weil es dreckig ist. Und ich meine nicht, dass auf den Straßen Müll herumliegt (das ist tatsächlich sehr selten der Fall), sondern wir sprechen von Fein-, Kohle-, Betonstaub und Sand, der auch geschlossene Fenster durchdringt und den Boden deiner Wohnung jeden Tag aufs Neue schwärzt (wörtlich zu nehmen), egal, wie oft du putzt.

Love it …

… weil es überall heißes Wasser gibt, um sein Teeglas aufzufüllen.

… wegen der unglaublichen Auswahl an Schreibwaren. Ehrlich, man schon sehr abgefeimt sein, um nicht stundenlang in den entsprechenden Läden zu versumpfen!

… ein Pläuschchen hier, ein netter Tratsch da. 小热闹 eben.

… Maniküre, jede Woche. Und viiieel abwechslungsreicher als bei uns!

… je mehr Feiertag, desto länger die Öffnungszeiten. Sonntagsruhe? Hier unbekannt.

Oder anders gesagt:

Du gehst raus, wirst fast erschlagen von der Hitze, schwingst dich trotzdem auf dein Fahrrad, tauchst ein in das volle Leben, überall ist etwas los, an jeder Ecke etwas zu entdecken. Du atmest einmal tief ein (und hustest wahrscheinlich) und sagst dir: Das, das ist China. Und ich bin mittendrin statt nur dabei.

Wer möchte dieses Gefühl missen??

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热闹 – Lebhaftes Treiben

April20

Renao

Rènao setzt sich aus den Wörtern für heiß und für lärmend zusammen. Klingt eigentlich nicht nach etwas Schönem, oder? Tatsächlich ist aber Renao (im Folgenden werde ich nur das chinesische Wort verwenden, da ich die Übersetzung eigentlich nicht für besonders gelungen halte) die Essenz des chinesischen Lebens und das, was uns Deutsche am Leben in China anfangs überrascht und später vielleicht gefällt … Es bedeutet, dass etwas los ist – typische Orte und Situationen für Renao sind also Nachtmärkte oder Feiertage, an denen alles auf der Straße unterwegs ist. Man kennst sich, plaudert, feilscht und beschimpft sich gutmütig– für das 小热闹, also das kleine Renao, gehen die Chinesen auch gerne jeden Tag zum Einkaufen auf den Markt. Natürlich kann das auch anstrengend sein, denn das mit dem Lärm ist wörtlich zu verstehen; tatsächlich glaube ich, dass die Chinesen zu den lautesten Völkern dieser Erde gehören. Wenn man krank ist oder einfach nur schnell etwas erledigen möchte, dann kann Renao auch nur nervig sein. Aber es ist nun mal ein fester Bestandteil Chinas und ich weiß jetzt schon, dass mir nach zwei Monaten Peking Deutschland wieder schrecklich leer, fad und beschaulich vorkommen wird – eben das Gegenteil von Renao.

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KFC in der PRC

April19

Nach der Öffnungspolitik haben die Chinesen auch die Freuden des Fast Foods westlicher Art kennengelernt. Das Erstaunliche ist, dass Kentucky Fried Chicken, das in Deutschland allerhöchstens eine Nischenposition für England-Freunde besetzt, in China gleichauf mit McDonald’s ist – ich würde sogar sagen, dass man außerhalb der Großstädte eher einen KFC als einen Mäckie findet. Woran liegt das? Zum einen hat man sich essenstechnisch sehr an den heimischen Markt angepasst – in Deutschland ist das Fleisch deutlich weniger fett (ehrlich gesagt wusste ich gar nicht, dass es so fettes Hühnchen überhaupt gibt …). Und zum anderen hat man sich in den Dienst des neuen Vaterlandes gestellt: so heißt es im Slogan auf der Tablettauflage:

Gesund genießen, sicher essen – sich für China verändern und ein neue Art des Fast Food schaffen!

Da kann ich nur mit McDo kontern – ich liebe es, wie man in China auch den Konsum von Fast Food zu einer nationalen Aufgabe gestalten kann.

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Was dir nur in China passiert

April12

Situation 1:
Entgegen meiner Gewohnheit kaufe ich vor dem Supermarkt bei einem fliegenden Händler Erdbeeren; normalerweise sieht man dem Obst nämlich schon im Vorbeigehen an, dass es nicht so toll ist, aber diese Erdbeeren sind zur Abwechslung mal richtig rot (aus irgendeinem Grund bevorzugen Chinesen nämlich anscheinend halbreife Erdbeeren, so dass man bei vielen Ständen nur so arme grünliche Dinger angedreht bekommt). Acht Yuan (~0,90€) für ein Pfund ist nicht teuer; ich kaufe nur ein paar für die Zugfahrt und zahle vier Yuan. Anschließend gehe ich doch noch wegen Tomaten zur Obsthändlerin. Die sieht meine Erdbeeren und reißt mir quasi die Tüte aus der Hand, um sie nochmal nachzuwiegen. Das Ergebnis: der Typ hätte mich betrogen, ich hätte noch nicht mal drei Yuan zahlen dürfen! Und von schlechter Qualität seien sie obendrein … nächstes Mal sollte ich doch besser zu ihr kommen. Nicht, dass ihr das falsch versteht – sie hat das wirklich nett gemeint und war nicht nur hinter dem Geschäft her. Aber ein Yuan hin oder her … der größte Witz war jedoch, dass die Erdbeeren ganz hervorragend waren – bestimmt besser als ihre grünen *rofl*.

Situation 2:
Wie jeden Morgen nehme ich auf dem Weg ins Labor meinen Müll mit nach unten. Die Aufzugsfrau (zu der muss ich nochmal gesondert was schreiben, an dieser Stelle sei nur erwähnt, dass ihre Aufgabe darin besteht, morgens und abends im Aufzug die Knöpfe zu drücken) betrachtet meinen Beutel ganz interessiert, fragt dann, ob ich das wegwerfen will, und zieht nach meinem Bejahen zwei leere Wasserflaschen daraus hervor. Zur Erklärung: in China gibt es kein Pfand, dafür aber genug Leute, die ihren Lebensunterhalt mit dem Aufsammeln leerer Flaschen und dem anschließenden Verkauf als Recycling-Gut verdienen. Weil ich diesen Menschen nicht ihre Lebensgrundlage rauben will, schmeiße ich meinen Flaschen brav weg – die Aufzugsfrau hatte da wohl weniger Bedenken oder aber ihr Lohn ist wirklich sehr niedrig …

Situation 3:
Ich suche im Yashow (bekannter Fakemarket) nach einer ganz bestimmten Markentasche, die es anscheinend nirgends mehr gibt. In einem Laden aber setzt das Mädchen alle Hebel in Bewegung, um sie für mich aufzutreiben, und lässt sie schließlich von einem Bekannten herüberschicken. Laut eigener Aussage (auf die man wahrscheinlich nicht viel geben kann, aber sie machte wirklich einen netten Eindruck) hat sie an der ganzen Aktion nichts verdient (für die Qualität habe ich tatsächlich nicht viel gezahlt), wollte mir aber gerne helfen. Und anschließend nimmt sie mich noch zum Essen ins oberste Stockwerk mit, wo die Angestellten deutlich günstiger als die Kunden essen, stellt sicher, dass ich zum billigen Tarif esse (so habe ich ganze acht Yuan gespart, nachdem ich eben eine Tasche, die ich nicht brauche, für 550 Yuan gekauft habe *rofl*), und gibt mir ihre Handynummer, damit ich sie anrufen kann, wenn ich nach der Arbeit mal plaudern will. Sie sind soo süß …

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Chinesen glauben …

März25

Was, sind die nicht alle Atheisten? Erstens – nein. Wie ich hier erklärt habe, gehen Chinesen in Glaubensfragen lieber auf Nummer Sicher. Und zweitens – um diese Art von Glauben soll es hier nicht gehen, sondern um die Dinge, die man im Alltag eben macht, weil man glaubt, dass sie auf einer wissenschaftlichen Grundlage beruhen (so wie es z.B. bei uns heißt, dass es schädlich ist, zu viele Hühnereier pro Woche zu essen). We proudly present …

Chinesen glauben …

… dass es für Kinder schädlich ist, auf weichen Matratzen zu schlafen (ihre noch weiche Wirbelsäule würde sich davon verformen). Das heißt, dass für chinesische Kinder zwischen ihrem Bett und einer auf den Boden gelegten Matte in der Weichheit kein Unterschied besteht. Und irgendwan fangen sie an, das sogar bequem zu finden.

… dass die Lagerung von Lebensmitteln im Kühlschrank deren Geschmack verdirbt. Deswegen gehen sie jeden Tag frisch einkaufen.

… die UV-Strahlung im Sonnenlicht Bakterien abtötet. Das erklärt, warum sie ihre Kleidung immer auf der Straße (oder dem Balkon, falls vorhanden) aufhängen.

… es schädlich ist, während des Essens zu trinken, weil dadurch die Magenflüssigkeit verdünnt wird und das Essen nicht mehr richtig verdaut werden kann.

… dass heißes Duschen der Manneskraft schadet. Das habe ich zur Abwechslung nicht in einem Gespräch aufgeschnappt, sondern von einem hochoffiziellen Plakat zur Familienplanung, das neben der Mensa hängt. Bei Gelegenheit muss ich es mal vollständig übersetzen ;) .

 

Chinesen glauben also allerhand Merkwürdiges. Aber tröstet euch: sie denken dasselbe über uns!

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