Dezember26
Solange man in China ist, funktioniert das mit dem Chinesischlernen ja noch ganz gut. Aber den strukturierten Unterricht aus der Sprachschule oder Uni dann in Deutschland fortzusetzen, gestaltet sich abseits eines Sinologie-Studiums meist als schwierig. Nur wenige deutsche Unis bieten Sprachkurse auf höherem Niveau an und auch an der VHS oder den Konfuzius-Instituten liegt der Schwerpunkt gewöhnlich auf Anfängerwissen. Sprachpartner sind sicherlich eine Möglichkeit, aber natürlich sind die meisten keine ausgebildeten Lehrer und wer selbst einmal versucht hat, schwache und starke Verben oder die Verwendung des Konjunktivs systematisch zu erklären, weiß, wie schwer die eigenen Muttersprache sein kann.
Aber an dieser Stelle kommt einem, wie so oft, das Internet zu Gute. Diesmal in Form von Online-Sprachschulen. Während die meisten von diesen eine monatliche Gebühr verlangen oder einem ein Stundenpaket verkaufen, ist man bei ChineseTeachers wirklich ungebunden: man lädt sein Konto auf und kann dieses Guthaben dann vertelefonieren. Die Stundenpreise variieren dabei je nach Erfahrungsgrad des Lehrers von 12$-24$ – fast chinesisches Niveau und billiger als damals meine Privatstunden mit einer VHS-Lehrerin. Die Gespräche werden über eine Flash-App direkt im Browser geführt, wobei man auch gleichzeitig chatten kann. Die Qualität an sich ist gut, allerdings ist die Übertragung nicht die schnellste und es kommt immer zu einer Verzögerung von 1-2s, so dass man sich öfter gegenseitig ins Wort fällt.
Die Unterrichtszeit kann man frei wählen: entweder macht man mit seinem Lehrer einen Termin aus oder man geht online, wenn man Zeit hat, und sucht sich einen freien Lehrer. Da diese über die ganze Welt verteilt sind, findet man eigentlich zu jeder Tages- oder Nachtzeit jemanden zum Üben.
Was die Themen angeht, hat man ebenfalls freie Wahl: normalerweise läuft es wohl so, dass man sich auf ein Buch oder Thema einigt und der Lehrer einem dann Vor- und Nachbereitungsmaterial dafür zukommen lässt. Wenn man natürlich verschiedene Lehrer hat, liegt der Schwerpunkt eher auf ungezwungenen Gesprächen – alle Lehrer sind darin geübt, ein Gespräch am Laufen zu halten, obwohl dafür allein wohl auch ein Sprachpartner genügen würde. Sinnvoller ist es also schon, sich einen gewissen Lehrplan zurecht zu legen. Gerade für Fortgeschrittene bietet es sich an, sich z.B. auf ein chinesisches Buch festzulegen, in dem dann bis zur nächsten Stunde ein bestimmtes Kapitel gelesen werden muss. Das erhöht zum einen die Motivation, wirklich etwas zu lesen, und zum anderen hat man die Möglichkeit, sich anschließend mit jemandem über den Inhalt zu unterhalten – bei meinen bisherigen Sprachpartnern sind solche Experimente immer fehlgeschlagen.
Als weiteren Bonus werden auf der Seite die Chat-Protokolle der vergangenen Stunden gespeichert – so kann man die Vokabeln auch noch Monate später nachschauen.
Nachdem mein langjähriger Chinesisch-Kurs seit diesem Semester nicht mehr stattfindet, hatte ich beschlossen, mir das Geld für einen ohnehin nicht sonderlich erhellenden VHS-Kurs zu sparen und es stattdessen bei ChineseTeachers zu investieren. Noch hat es leider nur zu zwei Probestunden gereicht *schäm*, aber die waren auf alle Fälle gut und haben Lust auf mehr gemacht. Und diese Woche ist der Anreiz sogar besonders groß: bis Silvester sind ALLE Stunden bei ChineseTeachers umsonst!! Einzige Voraussetzung: mind. 1$ Guthaben – den kann sich aber leicht verdienen, wenn man als Quelle LaowaiChinese angibt. Somit kann man also die Feiertage nutzen und nach Herzenlust das Konzept als solches oder auch verschiedene Lehrer austesten, um dann mit guten Vorsätzen ins Neue Jahr zu starten!
Fazit: Wer im China-Stipendium ist und eine “Anlage”möglichkeit für das Geld für den Privatunterricht sucht, bekommt bei ChineseTeachers wirklich etwas für sein Geld. Übrigens würde ich diese Möglichkeit auch wirklich nützen – bei uns im Jahrgang gab es zwar welche, die meinten, dass man in China dafür mehr Unterricht bekommen würde, aber meiner Meinung nach ist man dort mit dem regulären Unterricht sowie Sprachpartnern und vielleicht noch HSK-Kursen so ausgelastet, dass man sich lieber vorher in Deutschland ein bisschen mehr Vorbereitung gönnen sollte.