Daily China

Alles rund ums Reich der Mitte

China-Programm der Studienstiftung III – Das Auswahlgespräch

Februar20

Nach dem Sprachkurs seid ihr, den Kopf voller neuer chinesischer Wendungen, nach Hause zurückgekehrt, habt euch sicherheitshalber noch beim DAAD beworben und dann das Ganze so gut wie vergessen. Aber dann kommt eines Tages ein Brief mit einem wohlbekannten Stempel ins Haus geflattert, der die Einladung zu den Auswahlgesprächen in Bonn enthält. Diese finden gegen Ende November statt und laufen folgendermaßen ab: jeder hat zwei Gespräche mit jeweils zwei Prüfern, von denen einer Sinologe ist und der andere aus einem anderen Bereich (Wirtschaft, BMBF) kommt, aber auch schon mehr mit China zu tun hatte. Die Gespräche dauern max. 40 Minuten. Jeder Prüfer kann Punkte von 1-10 verleihen. Am Ende werden alle Punkte eines Bewerbers zusammengezählt und die Punkte von der Klausur aus Trier addiert und dann bekommen die 10 Punktbesten das Stipendium. Klingt einfach – ist es auch. Allerdings bleibt es natürlich jedem Prüfer selbst überlassen, wie er seine Punkte verteilt. Dementsprechend variieren auch die Themen: bei manchen ging es mehr um die eigene Person und das Studienfach, bei anderen hauptsächlich um China. Bei mir war letzteres der Fall: in beiden Gesprächen musste ich ausführlich begründen, warum ich unbedingt nach China gehen will, und außerdem wurde mein Hintergrundwissen etwas getestet – allerdings ziemlich oberflächlich und so, dass man auch ohne großen Vorbereitungen etwas dazu sagen konnte. Beide Male wurde auch überprüft, ob das, was ich damals bei der Bewerbung geschrieben habe, auch der Wahrheit entspricht. So wurde ich z.B. gefragt, welcher chinesischer Film mir denn besonders im Gedächtnis geblieben sei, weil ich damals geschrieben hatte, dass ich schon einige Filme gesehen hätte.

Insgesamt waren beide Gespräche ziemlich locker. Natürlich gab es Situationen, wo ich mir dachte: “Oh, worauf wollen sie denn jetzt hinaus?” Aber mit gesundem Menschenverstand bin ich immer weitergekommen und natürlich geht es auch nicht darum, irgendwelches Wissen abzufragen. Das Wichtigste ist meiner Meinung nach, dass man den Leuten, die einem gegenüber sitzen, vermitteln kann, dass man sich wirklich für China interessiert und das nicht macht, weil es gerade “angesagt” oder später im Berufsleben nützlich ist.

Aber ein bisschen Vorbereitung kann trotzdem nicht schaden. Wie die abläuft, bleibt wohl jedem selbst überlassen.  Ich kenne Leute, die haben vorher nicht ein einziges Buch über China gelesen und wurden trotzdem genommen. Ich selber habe einiges gelesen, aber nicht unbedingt wegen des Gesprächs, sondern weil ich mich einfach dafür interessiere. Ich kann nur immer wieder betonen: es kommt auf die eigene Motivation an. Wenn man schonmal eine Reise durch China gemacht hat und dann davon erzählen kann, dann ist das genauso gut, wie wenn man auf Bücher oder Filme verweist, die man gelesen bzw. gesehen hat. Um es mit einem kleinen Werbezitat abzuschließen: Motivation ist, was du draus machst. Und das gilt eigentlich auch für das ganze Programm .

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China-Programm der Studienstiftung II – Intensivkurs in Trier

September20

Wenn man denn die erste Hürde genommen hat und mit seiner schriftlichen Bewerbung überzeugen konnte, wird man von der Studienstiftung zu einem Chinesisch-Intensivkurs eingeladen, der im August (bei uns war es vom 8. – 27.) an der Uni Trier stattfindet und drei Wochen dauert. Die Kosten für den Kurs, Lehrmaterial und Unterkunft werden von der Stiftung übernommen, für Anfahrt und Verpflegung muss man selbst aufkommen. Während der drei Wochen haben wir in einem Studentenwohnheim gewohnt, nicht luxuriös, aber durchaus angenehm. Es empfiehlt sich, einen Kochtopf und/oder einen Wasserkocher (nicht alle Zimmer verfügen über eine eigene Kochnische) sowie Besteck und Geschirr mitzunehmen. Was man dagegen meiner Erfahrung nach nicht braucht, ist ein Kassettenrekorder (obwohl der auf der Einladung ausdrücklich angegeben wurde).

Am ersten Tag erfolgt die Einteilung in vier verschiedene Kurse (einer für komplette Anfänger) mittels eines einfachen Übersetzungstest. Allerdings kann man bis zum Ende der ersten Woche noch wechseln.

Die Bezeichnung Intensivkurs kommt nicht von ungefähr: jeden Tag (auch samstags) hatten wir sechs Stunden Unterricht und danach entweder einen landeskundlichen Vortrag oder Taiji. Am Abend ist man dann meistens damit beschäftigt, Vokabeln zu lernen, Übungen zu wiederholen und Aufsätze zu schreiben, denn: am Ende des Kurses gibt es eine Klausur, die zu 1/5 über die Aufnahme in das Programm entscheidet. Aber für alle, die jetzt schon entsetzt aufstöhnen, eine kleine Entwarnung: die schlechteste Note war 2,0 und es gab etliche mit 1,0. Die Klausur war wirklich nicht schwer, wenn man während des Kurses gut mitgearbeitet hatte, und ob man nun 1,0 oder 1,3 hatte (macht einen Punkt bei der Endwertung aus, aber dazu später mehr), war letztendlich auch nicht entscheidend.

Unterrichtet wird man fast ausschließlich von Muttersprachlern, was nach einer kurzen Eingewöhnungszeit an die unterschiedlichen Dialekte natürlich sehr vorteilhaft ist. Die Lehrer sind alle sehr gut ausgebildet und ihr Unterricht hat System, was heißt, dass man bei einem Lehrer mehr Übersetzung und dafür bei einem anderen mehr Grammatik übt.

Insgesamt kann ich jedem, der die Möglichkeit zu diesem Kurs hat, nur empfehlen, dorthin zu fahren: soviel Chinesisch habe ich noch nie in so kurzer Zeit gelernt. Gerade, was das Hörverständnis angeht, habe ich unglaubliche Fortschritte gemacht.

Und natürlich kommt auch der Spaß nicht zu kurz, denn Trier ist trotz seiner “Größe” eine nette Stadt und dadurch, dass fast alle im selben Wohnheim wohnen, unternimmt man natürlich auch viel gemeinsam. An dieser Stelle kann ich auch nur jedem empfehlen, am Wochenende mal einen Tagesausflug nach Luxemburg zu unternehmen. Wenn man als Gruppe reist, ist das ziemlich günstig (wir haben es geschafft, im Bus eine Zugkarte für fünf Personen für 5,80 € zu kaufen – müsst ihr auch mal probieren ) und wenn man nicht gerade aus der Gegend kommt, ist es eine interessante Erfahrung, diese Mischung aus Frankreich und Deutschland zu erleben.

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China-Programm der Studienstiftung I – Schriftliche Bewerbung

März20

Die Unterlagen, die man einreichen soll, sind recht umfangreich. Man kann sie hier herunterladen. Da gibt es zum einen ein Formblatt mit persönlichen Angaben; dann einen Teil mit Fragen, warum man sich für China interessiert, in welcher Weise man sich schon mit China auseinandergesetzt hat und was man letztendlich dort machen will. Schließlich muss man auch noch einen ausformulierten Lebenslauf einreichen und Nachweise über bisherige Studienleistungen/Abitur.

Die Fragen nach dem Interesse für China sollte man ehrlich beantworten; nicht selten wird darauf beim Auswahlgespräch eingegangen. Bei manchen Sachen ist es mir anfangs schwer gefallen, präzise zu antworten (besonders schlimm war die Sache mit “Was fasziniert Sie an China?” ). Aber letztendlich erwarten sie keine Abhandlung, die als Dissertation für einen Sinologen geeignet wäre, sondern nur deine eigene, persönliche Meinung. Deswegen kann man ruhig etwas Einfacheres schreiben, solange man es nur gut begründen kann.

Wer sich schonmal auf normalen Wege bei der Studienstiftung beworben hat, musste schon einen ausführlichen Lebenslauf schreiben und kann den gleich nochmal verwenden. Für Neulinge (wie mich ) gibt’s bei Google oder im Bewerberforum für die Studienstiftung zahlreiche Beispiele. Um die alte Debatte wieder anzufachen: meiner war übrigens 3 Seiten lang bei einem Zeilenabstand von 1,5. Ich bin dabei natürlich verstärkt auf China eingegangen, weiß aber nicht, ob das andere auch so gemacht haben.

Wer sich übrigens gleich nach seinem ersten Semester bewirbt, hat wahrscheinlich noch nicht so viele Noten. Die aber trotzdem gleich einreichen, da die Auswahl schon Anfang April stattfindet.

Zum Schluss noch ein paar Zahlen: bei meinem Jahrgang hatten sich rund 150 Leute beworben, von denen 29 in die zweite Runde zum Sprachkurs nach Trier eingeladen wurden.

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Das Kreuz mit den Gutachten

Februar19

Wer sich während seines Auslandaufenthaltes auf die wesentlichen Dinge, also nicht aufs Geld und wie man an selbiges rankommt, konzentrieren will, der ist gut damit beraten, sich im Vorfeld um ein Stipendium zu bemühen. Möglichkeiten gibt es viele, allerdings sind die meisten mit einem gewissen Aufwand verbunden (s. unten). Und der aufwändigste Teil sind zweifellos die Dozenten-Gutachten. Erstmal eine kurze Begriffsklärung: was ein Gutachten ist, dürfte jedem klar sein; schwieriger wird es bei dem Begriff “Dozenten”. Denn grundsätzlich ist damit jeder gemeint, der an der Uni unterrichtet. Beim DAAD wird sogar ausdrücklich darauf hingewiesen, dass bei Studenten, die noch kein Vordiplom haben, ein Gutachten von einem wissenschaftlichen Mitarbeiter reicht. Soweit die Theorie. In der Praxis sieht es nämlich so aus, dass ein Gutachten, das nicht die schwungvolle Unterschrift eines Prof. Soundso trägt, nichts wert ist. Aber leider musste ich feststellen, dass die Arroganz einer an einer Uni tätigen Person mit ihrer Position in der Hierarchie sprunghaft ansteigt. Und mehr als einmal musste ich mich von einem Prof dumm anmachen lassen, weil dieser es für absolut unter seiner Würde hält, sich um so etwas Niederes wie ein Gutachten zu kümmern (von Lehr- und den damit verbundenen anderen Verpflichtungen halten diese Leute leider nicht viel). Damit es euch besser ergeht, habe ich ein paar Tipps:

  • Plant sehr viel Zeit ein, bis ihr das Gutachten letztendlich in Händen hält – drei Wochen sollten es bei einem vielbeschäftigen Prof. schon sein!
  • Wenn möglich, solltet ihr gegen Ende der Semesterferien beim Prof. vorsprechen. Da hat er für gewöhnlich nicht soviel wie während des normalen Vorlesungsbetriebs zu tun, wird sich aber auch bemühen, die Sache vor Vorlesungsbeginn aus der Welt zu schaffen.
  • Ein persönlicher Kontakt ist auf jeden Fall besser als eine E-Mail. Und die Sekretärinnen sind meistens ziemlich hilfbereit. Manche Profs bieten auch Sprechstunden für Studenten an und erwarten dann sogar, dass man da mal auftaucht.
  • Egal, ob ihr selbst in die Höhle des Löwen müsst und die Unterlagen nur im Vorzimmer abgebt: neben dem eigentlichen Formular und evtl. Hinweisblättern solltet ihr noch einen Lebenslauf und, falls vorhanden, einen Studienplan oder ein Motivationsschreiben vorlegen, anhand dessen der Prof. dann euer Vorhaben beurteilen kann.
  • Wenn ihr alles abgegeben bzw. im persönlichen Gespräch geklärt habt, muss er das gute Ding dann nur noch schreiben. Und das kann dauern … allerdings ist es mir auch schon passiert, dass meine Unterlagen einfach unter einen Stapel geschoben und dann vergessen wurden. Deswegen nach einer Woche nochmals anrufen, falls ihr bis dahin nichts gehört habt.
  • Wahrscheinlich werdet ihr gefragt, bis wann ihr das Gutachten braucht. Es hat sich als hilfreich herausgestellt, wenn man den Termin um etwa eine Woche, unter Umständen auch mehr, früher angibt .

Und noch ein zwischenmenschlicher Rat: als mir ein Prof., der mein Gutachten schlicht und einfach vergessen hatte, erklärt hat, dass es andere Leute gäbe, die ihre Sachen schon vier Wochen vorher eingereicht hätten, wäre ich fast in die Luft gegangen. Leider hilft einem das auch nicht weiter – also immer schön nett und freundlich bleiben und lieber nachher ein bisschen Voodoo am Boxsack ausprobieren .

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(Zeit-)Planung

Februar19

Wer “L’auberge espagnole” gesehen oder diverse Artikel über Auslandsaufenthalte während des Studiums gelesen hat, der kennt ja die Faustregel: ein Jahr vorher. Nun ist es leider so, dass ein Jahr manchmal nicht reicht. Ein paar Beispiele gefällig?

  • China-Programm der Studienstiftung des deutschen Volkes: Einsendefrist für die schriftlichen Bewerbungsunterlagen 30. April für einen Studienbeginn im Wintersemester des darauffolgenden Jahres (also rund 1 1/2 Jahre vorher).
  • DAAD-Vollstipendium: Bewerbungsfrist Ende September für Studienbeginn im folgenden Wintersemester. Wenn man also erst zu Beginn des Wintersemester anfängt, sich umzusehen, ist die Frist bereits verstrichen.

Gerade für Stipendien muss man frühzeitig anfangen, sich umzusehen, weil das Zusammenstellen der Bewerbungsunterlagen auch nochmal Zeit erfordert. Wenn man allerdings über ERASMUS oder das Selbstzahlerprogramm des DAAD geht, reicht oft auch weniger Vorbereitungszeit (Selbstzahlerprogramm: nur die Studiengebühren werden übernommen, Bewerbung bis Ende März für Studienbeginn im nächsten Wintersemester (also ein halbes Jahr später)).

Wenn man dann eine Deadline hat, sollte man am besten drei bis vier Wochen vorher anfangen, die entsprechenden Unterlagen zusammen zu suchen. Den wenigsten Aufwand macht dabei das Formblatt mit den persönlichen Daten; bei Kopien von Abiturzeugnissen und Hochschulprüfungen muss man berücksichtigen, dass die entsprechenden Stellen (Gemeinde- oder Stadtverwaltung für beglaubigte Kopien des Abiturzeugnisses, Prüfungsamt für Vordiplom etc.) nur zu bestimmten Zeiten geöffnet sind. Gutachten sind nochmal ein ganz anderes Thema und erforden viel Geduld; aber auch Motivationsschreiben wollen sorgfältig abgefasst und am besten nochmal von anderen Personen Korrektur gelesen werden. Werden Nachweise über Sprachkenntnisse gefordert, sollte man sich rechtzeitig um einen Termin beim zuständigen Dozenten bemühen, da man oft nicht der einzige ist, der sich für so etwas bewirbt und andere dieselben Unterlagen benötigen.
Übersetzungen kann man meist selbst anfertigen und braucht sie dann nur noch beglaubigen zu lassen (hier helfen u.a. das Dekanat, die ehemalige Schule oder das Auslandsamt).

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