Daily China

Alles rund ums Reich der Mitte

Guilin, Guangxi

September24

Hier geht es weiter mit dem Bericht meiner letzten Rundreise.  Zur Rekapitulation:  Von Huaihua aus hatten wir uns bisher Fenghuang und Hongjiang angeschaut.

Nach einer entspannten Nacht in unserem “Luxus”-Hotel in Huaihua machten wir uns am nächsten Morgen im strömenden Regen auf den Weg zum Bahnhof (okay, okay, es waren Luftlinie vielleicht 100m, aber es reichte, um uns ganz schön nass werden zu lassen – wenn die Chinesen nur endlich ein Abwassersystem hätten …), um den Zug nach Guilin zu nehmen. Beim Einsteigen gab’s gleich die ersten Probleme: auf unseren Betten (wir hatten eines unten und eines in der Mitte) lagen zwei Frauen, eine davon mit Kind. Wegen letzterem hätte ich mich normalerweise auch gar nicht groß aufgeregt, aber die Frau hatte tatsächlich die Dreistigkeit, meine Karte sehen zu wollen (dabei wusste sie genau, dass sie falsch lag) und räumte das Feld erst, als sie vom hinzugekommenen Schaffner dazu aufgefordert wurde. Frisches Bettzeug gab es natürlich nicht … Die folgenden 10 Stunden hätten dann trotzdem ganz angenehm sein können, hätte der Mann neben mir nicht meinem Mitfahrer aus Nantong Konkurrenz im Preis um den lautesten Schnarcher gemacht. Den Preis für die stinkendsten Socken hatte er bereits sicher – ist mir ein Rätsel, wie man in einer solchen Umgebung durchschlafen kann, sogar das Mittagessen hat er ausgelassen.

Abends kamen wir dann – wieder bei Regen – in Guilin an und marschierten zielstrebig an sämtlichen Touts vorbei, nur um nach 20 Minuten und einem Gespräch mit dem Hotel (vom Handy eines freundlichen Ladenbesitzers aus) festzustellen, dass ich mich auf der Karte verguckt hatte und das Hotel, das wir ausgesucht hatten, doch ganz woanders lag. Weil wir am nächsten Tag früh nach Yangshuo weiterwollten, landeteten wir dann also doch im günstig gelegenen, legendären Flower Hostel. Nach Tagen der Ausländereinsamkeit versetzte mir der Anblick eines runden Dutzend Billard-spielender Weltenbummler zwar einen ernstzunehmenden Schock, war aber schon mal eine gute Vorbereitung auf das Ausländermekka Yangshuo. Und die Guilin Mifen (dicke Reisnudeln) vom Stand gleich unten waren dafür echt lecker!

Wir hatten eigentlich nicht wirklich Zeit für Guilin eingeplant, weil ich gehört hatte, dass Yangshuo viel schöner wäre, hatten aber dann zwecks Ausflug nach Longsheng und Weiterflug letztendlich doch zwei Abende und einen halben Tag für die Stadt übrig – und waren angenehm überrascht. In einer nette Einkaufsstraße (teilweise sogar Fußgängerzone – was für eine Seltenheit in China!) mit jeder Menge leckerem Erdbeersaft sowie mehreren hübsche Parks kann man sich die Zeit wunderbar vertreiben und im Vergleich zu Yangshuo verteilen sich hier die Ausländer einfach besser ;-) .

Superschön war der Elefantenrüsselpark (象鼻山) nach Einbruch der Dunkelheit , der Guilin-6mit seinem wiederkehrenen Elefantenmotiv auf jeden Fall originell gestaltet ist. Außerdem waren wir im Seven Star (七星) Park, wobei mir dort weniger die Parkanlage als vielmehr die Tropfsteinhöhlen gefallen haben.

Die berühmte Li-Fluss-Landschaft kriegt man aber wirklich viel besser in Yangshuo mit und deswegen machten wir uns auch als nächstes dorthin auf …

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Travelog – Guilin

September23

Als Verkehrsknotenpunkt ist Guilin sowieso fast immer ein Zwischenstopp, egal woher man kommt oder wohin mal will. Einen Tag kann man sich hier ganz gut mit den diversen Parks vertreiben.

Hotel: Das Flower Hostel genießt den (bei mir) zweifelhaften Ruf einer Top-LP-Empfehlung. Für das Flowers spricht auf jeden Fall, dass es nur einen Katzensprung vom Bahnhof entfernt ist (von wo auch die Busse nach Yangshuo abfahren) und außerdem in der Nähe einer Buslinie, mit der man gut in die Innenstadt kommt. Dagegen spricht (außer der offensichtlichen Backpacker-Atmosphäre, die man entweder mag oder nicht), dass die Zimmer sehr klein und feucht und die Bäder zwar sauber, aber auf sehr chinesischem Niveau sind. Für die dritte Nacht waren wir im Home Inn (如家), das gleich um die Ecke des Flowers liegt und zwar teurer (~180 Yuan für ein Doppelzimmer, Flowers 90-120 Yuan), dafür aber auch wesentlich komfortabler ist.

Sehenswürdigkeiten: Elefantenrüsselpark (象鼻山) bei Dunkelheit und die Höhlen im Seven Star Park (七星), wo etwa alle halbe Stunde eine Führung stattfindet. Wenn man das Ticket für den Seven Star Park nicht selbst kauft, sondern in das Touristenzentrum gleich gegenüber der Kasse geht, kriegt man ein Kombiticket (Park plus Eintritt für eine Höhle) etwas günstiger.

An- und Abfahrt: Die Busse nach Yangshuo fahren vor dem Bahnhof ab; wenn man als Ausländer da hinkommt, wird man sowieso gleich mit “Yangshuo, Yangshuo” angesprochen. Die Fahrt kostet etwa 12 Yuan; wenn der Fahrer so tut, als ob er gleich losfahren will, und mit einem über den halben Parkplatz rennt, bloß nicht stressen lassen, in Wirklichkeit wartet er, bis er einigermaßen voll und fährt danach nochmal alle Straßen auf der Suche nach weiteren Fahrgästen ab. Zum Flughafen fährt, immer zur vollen und zur halben Stunde, ein Bus vom Büro der China Southern aus ab.

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Ein Kilo mehr

Juni20

Diesen Namen (多背一公斤) trägt eine momentan noch recht kleine NGO, die es sich zum Ziel gesetzt hat, das immer größer werdende Potenzial chinesischer Individualtouristen zu nutzen und mit deren Hilfe die Situation von Schulen im ländlichen China zu verbessern. Der Gründer, Andrew Yu, ist selbst passionierte Reisender, und hatte vor fünf Jahren die Idee, dass Reisende ein Kilo ihres Gepäcks mit billigen Schulmaterialien (Hefte, Stifte, Bücher) füllen und dieses dann an abgelegenen Schulen verteilen könnten. Auf der Webseite kann man sich anzeigen lassen, wo die beteiligten Schulen liegen, und erhält außerdem genaue Anfahrtsbeschreibung, Bedürfnisse der Schule und Kontaktdaten eines Lehrers vor Ort mitgeteilt. Außerdem kann man sich mit anderen Helfern austauschen. Was ich interessant finde, ist, dass die Seite komplett auf Chinesisch ist – was natürlich schon Sinn macht, da die Schulen wirklich sehr abgelegen und gute Chinesisch-Kenntnisse für die Kommunikation vor Ort unerlässlich sind. Und offensichtlich baut 多背一公斤 auch mehr auf die Hilfe von innen, denn viele der registrierten Mitglieder sind anscheinend Chinesen. Das wiederum bestätigt, was mir meine chinesischen Freunde kürzlich erzählt haben: dass immer mehr junge Chinesen sich in sozial benachteiligten Gebieten im Land engagieren und zum Beispiel dort als Lehrer arbeiten.

Zurück zu 多背一公斤: für den geneigte ausländischen Leser, der schon lange nach einer Gelegenheit suchte, seine Chinesisch-Kenntnisse in einer wirklich authentischen Situation an den Mann zu bringen, bietet das Ganze natürlich die ideale Gelegenheit, Spaß und Nutzen zusammenzubringen. Ein bisschen GPS-Schnitzeljagd auf dem chinesischen Land, bei der man wirklich aktiv etwas für die Verbesserung der Lernbedingungen auf dem Land tun kann – was will man mehr? Diese Art der Hilfe mag zwar nur punktuell sein, aber irgendwo muss man bei einem Land mit 700 Mio. Bauern ja anfangen. Ich für meinen Teil werde bei meiner nächsten China-Reise auf jeden Fall ein oder zwei Schulbesuche als Programmpunkte einplanen und dann berichten.

孔子于:里之行,始于足下.
Auch eine Reise von 1000 Meilen beginnt vor deinen Füßen.

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Hongjiang, Hunan

Mai8

Wer eine interessante Sehenswürdigkeit abseits von Menschenmassen (sowohl ausländischen als auch chinesischen) und einen Einblick in das Leben in einer chinesischen Kleinstadt sucht, ist mit Hongjiang in Süd-Hunan bestens beraten.

Während der Qing-Dynastie durch den Opiumhandel reich geworden, ist Hongjiang heute größtenteils eine verschlafene Kleinstadt, in deren altem Kern man jedoch immer noch zahlreiche originale Gebäude,  sei es restauriert, sei es in Überresten, bewundern kann. Faszinierend fand ich die Symbiose zwischen Alt und Neu – viele der alten Gebäude sind heute noch bewohnt oder dienen als kleine Restaurants. Daneben gibt es aber auch eine Handvoll von Gebäuden wie einem Opiumhaus, einer Wushu-Schule oder dem Wohnsitz einer Kaufmannsfamilie, die als richtige Attraktionen betrieben werden: Leute in mehr oder minder originalen Gewändern geben Erklärungen und vielerorts gibt es auch noch eine Vorführung (Teezeremonie, Martial Arts etc.) – allerdings nur, wenn man mit einer der offiziellen Gruppen unterwegs ist. Gut gefallen hat mir, dass die Häuser im Gegensatz zu Pingyao sinnvoll eingerichtet waren und nicht wahllos mit irgendwelchen Möbelstücke vollgestellt.

Auch das Flair außerhalb der touristischen Sehenswürdigkeiten ist wirklich erlebenswert – die Menschen waren alle sehr entspannt und freuten sich über die Abwechslung in Form von ausländischen Touristen, die sich sonst eher selten nach Hongjiang verirren. So kamen wir beim Hundun-Essen (=Suppe mit Teigtaschen, hier die leckerste, die ich bisher gegessen habe; in einem umfunktionierten alten Gebäude ganz in der Nähe des 厘金局) mit einem Mann ins Gespräch, der uns dann für den Rest des Nachmittags durch die Stadt geführt hat (sehr praktisch, da wir keine Lust auf die offizielle Gruppe gehabt hatten, aber manche der Sehenswürdigkeiten tatsächlich sehr versteckt liegen).

Am beeindruckendsten fand ich den 大佛寺, einen ungewöhnlichen Tempel (keine Mönche, dafür plaudernde Hausfrauen, die es sich im Vorraum gemütlich machen) mit einer sehr großen Buddha- und Guanyin-Statue. Leider habe ich mich nicht getraut, Fotos zu machen, das ist ja in Tempeln eher ungern gesehen und ich wollte  nicht so touristisch reinplatzen.

Travelog
Von Huaihua’s 汽车南站 fahren Busse, wenn sie voll sind, für 22 Yuan direkt zum Eingang der Altstadt (洪江故商城), Dauer: 1,5h. Der Eintrittspreis (120 Yuan, für Studenten 60 Yuan) berechtigt zur Teilnahme an einer geführten Tour auf Chinesisch mit etwa 5 Leuten. Ich bin ja generell kein Freund von Touren, aber wie gesagt werden die Vorführungen nur für die offiziellen Gruppen gemacht, also ist es wahrscheinlich am sinnvollsten, kurz vor oder hinter einer Gruppe zu laufen oder sie an den großen Sehenswürdigkeiten abzupassen, damit man alles mitbekommt. Aber allzu viele Gruppe gibt es pro Tag nicht, wir haben nur zwei gesehen … In Hongjiang selbst reichen einige Stunden aus, aber mit Hin- und Rückfahrt entwickelt sich das Ganze zu einem angenehmen Tagesausflug.  Für die Rückfahrt reicht es, wieder zurück zum Haupteingang und auf die Straße zu laufen; über kurz oder lang kommt auf jeden Fall ein Bus nach Huaihua vorbei, von dessen Fahrer man angesprochen wird.

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Travelog – Fenghuang

Mai6

Optimale Dauer:
Fenghuang ist nicht groß, wir sind abends angekommen, haben einmal übernachtet und sind am nächsten Tag am frühen Abend weitergefahren und das hat ausgereicht.

An- und Abreise:
Vom 汽车西站 in Huaihua fahren für 32 Yuan zahlreiche Busse nach Fenghuang. Um zurück nach Huaihua zu kommen, einfach wieder zu dem Parkplatz gehen, wo man abgesetzt wurden, und im Bus das Ticket kaufen.

Hotel:
Das vom LP empfohlene, sehr simple Yǒnghòng Kèzhàn bietet zwar einen schönen Blick, ist aber aufgrund der Lage am Nordufer extrem laut (mind. drei Karaokebars, in denen bis spätnachts viel los ist). Am anderen Ufer gibt es Dutzende von kleinen Hotels mit ähnlichem Blick (nach 阳台=Balkon Ausschau halten), die sicherlich ruhiger und ähnlich ausgestattet sind – einfach vom Nordtor aus die kleine Straße hinter der Stadtmauer entlang laufen.

Aktivitäten:
Da in Fenghuang die ganze Stadt eine Sehenswürdigkeit ist, ist es wirklich am besten, “willy-nilly” herumzulaufen. Eine Bootstour gehört zu den Must-Do’s in Fenghuang, allerdings sollte man dabei vorsichtig sein: wir sind einem der Touts gefolgt und hatten zwar für insgesamt 50 Yuan zu zweit ein eigenes Boot, sind aber statt der versprochenen 60 min höchstens 30 gefahren und das auch nur außerhalb (ein gutes Stück hinter der Hóng Qiáo), wobei man sich natürlich fragen muss, ob man überhaupt vom Boot aus mehr als von den Trittsteinen oder Stegen aus sieht. Einen guten Ausblick über die ganze Stadt hat man vom 天王庙 (Tiān Wáng Miào) (Eintritt 10 Yuan), auf dem Südufer an der Straße, die zur Hóng Qiáo führt.

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