Mai16
Auf Anfrage möchte ich hier ein Buch vorstellen, das sich mit der modernen Geschichte Chinas beschäftigt. Natürlich gibt es einschläge Werke wie den Gernet, die sich ausführlich mit der chinesischen Geschichte, ihren Hintergründen, Auswirkungen und Verwicklungen beschäftigen. Und als Sinologie-Student sollte man das auch sicher gelesen haben. Aber mir (und euch vielleicht auch
) ging es so, dass ich nach einigen belletristischen Büchern, in denen immer wieder am Rande Namen und Daten genannt wurden, einfach mal einen kurzen Überblick über die neuere Geschichte Chinas haben wollte. Und da ist dieses Buch wirklich Gold wert, denn auf nur 126 Seiten werden hier alle wichtige Ereignisse der letzten 150 Jahre kurz dargestellt und in einen größeren Zusammenhang gebracht. Natürlich wird viel gekürzt, vereinfacht oder weggelassen, aber wenn man sich für einzelne Themen mehr interessiert, findet man dazu ja auch spezielle Literatur. Als Einstieg und zur Vorbereitung auf bestimmte Gespräche ist dieses hier jedenfalls sehr gut geeignet, vor allem auch deshalb, weil es auch eine praktische chronologische Übersicht beinhaltet. Dafür nimmt man dann auch in Kauf, dass es stellenweise etwas – nun ja, trocken ist. Aber man kann eben nicht alles haben
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ISBN: 3406447260
Vom selben Autor gibt es auch ein Buch über das alte China, das ich allerdings selbst nicht zu Ende gelesen habe – kann daran liegen, dass der Stil auf die Dauer zuviel wird oder dass die ganzen Kaisergeschichten einfach nicht so interessant sind
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April15
„Die Go-Spielerin“ erzählt von einer jungen Chinesin in der Mandschurei, die 1937 entgegen der damals herrschenden Sitten das Go-Spiel erlernt und gemeistert hat und nun öffentlich gegen andere Spieler antritt. Eines Tages trifft sie auf einen geheimnisvollen Gegner, dessen Spiel ihr völlig fremd ist. Kein Wunder, denn es handelt sich dabei um einen Japaner, aber nicht um irgendeinen, sondern um einen hohen Militär, der die Aufgabe hat, dafür zu sorgen, dass Mandschukuo (Mandschurei) in japanischer Hand bleibt. Über ihr gemeinsames Spiel kommen sich die beiden näher, obwohl ihnen von Anfang an klar ist, dass ihre Liebe keine Zukunft haben kann…
Tragisch, poetisch – nie wurde der Gegensatz, aber auch die Gemeinsamkeiten zwischen Japanern und Chinesen (aus chinesischer Sicht) besser erklärt.
ISBN: 349224033X
April15
Dieser recht bekannte Roman gehört wohl zu den schönsten China-Romanen der letzten Jahre. Dai Sijie erzählt die Geschichte von zwei Jungen, die im Rahmen der Landverschickung nach der Großen Kulturrevolution in ein kleines Bergdorf geschickt werden und dort ihre ersten großen Lieben entdecken – zum einen die zu einem Mädchen aus der Nachbarschaft, eben der „kleinen Schneiderin“, zum anderen die zur Literatur, zu den großen Werken von Balzac und anderen europäischen Romanciers. Eigentlich eine einfache Geschichte, die in klaren Worten erzählt wird, aber trotzdem sehr tiefgehend … den Film dazu kann ich übrigens auch nur empfehlen!
ISBN: 3492238696
April11
Der Band enthält verschiedene Artikel über China aus den letzten 30 Jahren. Neben den aktuellen Analysen und Berichten fand ich vor allem auch die älteren Artikel (z.B. vor dem Tiananmen-”Vorfall” oder nach dem Tod Maos) sehr interessant, weil man hier quasi live miterleben kann, wie sich das China-Bild allmählich gewandelt hat. Wer allerdings schon viel über die chinesische Politik weiß (dazu zähle ich mich noch nicht), für den dürften die Artikel wohl wenig Neues enthalten.
ISBN: 3596723043
April11
Dies ist ein Roman einer jungen Shanghaierin über ihr Leben und ihre Probleme. Der Klappentext (“Erotischer Untergrundroman”) weckt falsche Erwartungen; Sex spielt zwar eine Rolle, aber eben nur in soweit, wie es auch im Leben der Ich-Erzählerin der Fall ist. Vielmehr geht es darum, ein Bild der modernen Shanghaier-Gesellschaft zu zeichnen, mit all ihren Problemen. Wei Hui schreibt über Shanghai, so wie sie es kennt und tagtäglich erlebt. Das mag ein beschränkter Standpunkt sein, aber es handelt sich ja auch nicht um eine soziologische Studie, sondern um eine halb-autobiografische Erzählung. Und die ist literarisch durchaus gekonnt: In expressiven Bildern fängt die Autorin das Leben und die Gedanken von Coco, der Ich-Erzählerin, ein. Manchmal ist der Stil etwas übertrieben, aber es bleibt immer ein poetischer Grundton, der einen verzaubert. Das Thema “Untreue” ist nicht neu, aber die Gewissenkonflikte der Protagonistin bewegen einen trotzdem.
Wer hofft, etwas über den “typisch chinesischen Alltag ” zu erfahren, wird von diesem Buch sicherlich enttäuscht werden. Denn “Shanghai Baby” spielt in Shanghai und diese Metropole hat nichts mehr gemein mit dem traditionellen China. Sie hat ihr ganz eigenes Flair und das wird in diesem Roman wirklich sehr gut vermittelt!
ISBN: 3548255108