Daily China

Alles rund ums Reich der Mitte

Xinran – “Chinesen spielen kein Mao-Mao”

April2

Xinran, eine ehemalige Radiomoderatorin aus Nanjing, die jetzt in England lebt und arbeitet, hat für … zahlreiche Kolumnen über das Leben der Chinesen geschrieben, die in diesem Buch zusammengefasst wurden. Wer ihre anderen Bücher gelesen hat, wird manches davon schon kennen; bei anderen Artikeln blieb mir – trotz guter Kenntnis der chinesischen Kultur – die Pointe verborgen, was vielleicht auch daran lag, dass vielen aus dem Zusammenhang gerissen wurden. Insgesamt nicht schlecht, kommt aber inhaltlich nicht im Entferntesten an ihre bisherigen Bücher heran.

ISBN: 978-3426780749

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Xinran – “Die namenlosen Töchter”

März9

In China machen sich viele Eltern auf dem Land gar nicht erst die Mühe, ihren Töchtern Namen zu geben – sie werden einfach durchnummeriert. So geht es auch “Tochter Drei” und ihren jüngeren Schwestern. Die aber wollen raus aus der Perspektivlosigkeit des Dorflebens und machen sich deshalb auf ins Abenteuer Großstadt, um Arbeit zu finden und dabei ihre eigenen Fähigkeiten zu entdecken.

Dass auch eine “verschlafene” Stadt wie Nanjing für die Augen und Ohren unerfahrener Mädchen vom Lande viel zu bieten hat, wird einem dank Xinrans einfacher, aber einfühlsamer Schilderung schnell klar. Gemäß dem chinesischen Sprichwort 少见多怪 (wenig gesehen und deswegen umso verwunderter) ist für die drei Schwestern anfangs jede Handlung ungewohnt, können sie sich auf vieles im merkwürdigen Verhalten der Großstädter keinen Reim machen. Nach und nach lernen sie aber, sich in dieser neuen Welt zurechtzufinden – und verändern sich dadurch natürlich auch selbst.

Wie auch schon in “Verborgene Stimmen”schafft es Xinran meisterhaft, die  Facetten Chinas aufzuzeigen, die einem Westler sonst wohl auf immer entgehen würden, und erklärt dabei kulturelle und soziale Hintergründe.

ISBN: 978-3426197721

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Er Li – “Der Granatapfelbaum, der Kirschen trägt”

März2

Wer mehr über das Alltagsleben in einem chinesischen Dorf des 21. Jahrhunderts erfahren möchte, ist hiermit richtig beraten. Erzählt wird die Geschichte von Kong Fanhua, die bei der anstehenden Dorfwahl (auf unterster Ebene erlaubt die KPCh ja inzwischen freie, “demokratische” Wahlen) gerne wiedergewählt werden möchte, aber vorher noch so einige dörfliche Probleme zu beseitigen hat – von Nichtbeachtung der Ein-Kind-Politik bis hin zu Umweltverschmutzung durch ansässige Fabriken ist alles vertreten. Da muss die gewiefte Ehefrau und Mutter schon tief in ihre Tricktasche greifen und sämtliche Beziehungen spielen lassen, um alle zufrieden zu stellen …

Humorvoll und schonungslos – so lässt sich dieser Roman wohl am besten zusammenfassen. Jeder der Dorfbewohner (und da davon alle einzeln und mit chinesischem Namen vorgestellt werden, sollte man ein gutes Namensgedächtnis haben) bekommt sein Fett weg. Die Charaktere von Er Li sind lebensnah und verschaffen einem Laowai einen hervorragenden Einblick in die Sozialstruktur des dörflichen Chinas. Einziger Nachteil: viele der chinesischen Sprachwitze sind in der deutschen Übersetzung nicht nachvollziehbar.

ISBN: 978-3423245951

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Ma Jian – “Red Dust. A Path Through China”

Februar27

Ma Jian, Intellektueller, Künstler und Journalist, entflieht 1983 den engen Mauern Pekings auf mit einem Zugticket nach Urumqi, auf der Flucht nicht nur vor politischen Repressalien, sondern auch vor der geistigen Leere, die ihn zu übermannen droht. Drei Jahre lang ist er insgesamt unterwegs, bereist dabei fast jeden Winkel des Landes, lernt unzählige Menschen kennen und zeigt dem Leser so alle Facetten eines Chinas, das inzwischen schon wieder der Vergangenheit angehört. Eine schonungslose, aber auch sehr poetische Darstellung des alten Sozialismus und der Menschen, die damit leben mussten. Lesen und dann ein Zugticket kaufen …

ISBN: 978-0099283294

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Xinran – “Himmelsbegräbnis”

Januar19

Hier nun das zweite Buch von Xinran, das ebenfalls auf einer wahren Geschichte beruht. Erzählt wird das Schicksal der Chinesin Shu Wen, deren Mann Ke Jun 1958 als Militärarzt nach Tibet geschickt wird. Wenige Wochen nach Einsatzbeginn erhält Shu Wen die Nachricht, dass Ke Jun umgekommen sei. Als sie jedoch Erkundigungen nach den Umständen seines Todes einholt, stößt sie nur auf Schweigen, und so beschließt sie, selbst nach Tibet zu reisen und nach Ke Jun zu suchen. Viele Jahre zieht sie mit einer tibetischen Nomadenfamilie durchs Himalaya, ohne je die Hoffnung aufzugeben, ihren Mann irgendwo zu finden.

Nur oberflächlich eine Liebesgeschichte, beschreibt “Himmelsbegräbnis” eigentlich den Konflikt zwischen Tibetern und Chinesen, der, so hat man nach der Lektüre den Eindruck, auf vielen Vorurteilen auf Seiten der Chinesen beruht. Insgesamt zweifelsohne ein gutes und lesenswertes Buch, obwohl es mich doch nicht so berührt hat wie “Verborgene Stimmen”.

ISBN: 3426778785

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