Daily China

Alles rund ums Reich der Mitte

So ri, no ing li shi

September27

So, wer konnte diesen Satz entziffern? 100 Punkte für den Kandidaten! Damit versuchen einem Chinesen mitzuteilen, dass sie der Lingua franca des 21. Jahrhunderts (und das ist eben noch nicht Chinesisch) nicht mächtig sind. Wenn man mal von der Aussprache absieht, wäre das ja an sich nicht tragisch. Tragisch allerdings ist, dass die Verkäufer in Fast Food-Restaurants (und zwar nur da!) diesen Satz immer dann anbringen, wenn ich auf CHINESISCH mit ihnen rede. Spreche ich Chinesisch oder was (Vera, was sagst du zu diesem gelungenen Wortspiel Fröhlich)?? Natürlich könnte es heißen, dass mein Chinesisch einfach schlecht. Das Erstaunliche ist nur, dass mich normalerweise alle Leute verstehen – egal ob im Kaufhaus, in einem normalen Restaurant oder auf dem Nachtmarkt. Und das sind teilweise wirklich einfache Leute vom Lande, denen trotzdem sofort klar ist, dass ich versuche, mich mit ihnen in ihrer Muttersprache zu verständigen. Die Leute in den Fast Food-Restaurants dagegen (und es ist egal, ob man zu einem ausländischen wie KFC oder zu einem chinesischen wie Da Niang Shui Jiao, wo es übrigens sehr leckere Jiaozi gibt, geht) sind durchgehend junge Leute, die in der Schule bestimmt Englisch gelernt haben. Und zwar offensichtlich genau einen Satz, den sie voller Stolz jedem Ausländer sagen, egal, ob dieser Arabisch oder – was für ein Wunder – Chinesisch spricht. Wirklich sehr merkwürdig. Es sind nämlich wirklich immer jüngere Menschen, mit denen mir so etwas passiert. Letztens, als ich bei einem Restaurant nach der nächsten Bank gefragt habe, ergab sich folgender netter Dialog mit dem Türsteher, der vielleicht 20 war:

Ich (chinesisch): Entschuldigung, wo ist die nächste Bank of China?

Er (chinesisch-englisch, mit diesem typisch peinlich-berührten Blick und vor sich hinkichernd): Sorry – i … ähmm … no English.

Ich (chinesisch): Ich – spreche – Chinesisch. Du – kannst – mich – verstehen. Wo – ist – eine – Bank – of – China?

Er (chinesisch, ohne ein Wort der Entschuldigung oder auch nur Zeichen des Erstaunens): Da vorne.

Ich (chinesisch, wieder in normaler Geschwindigkeit): Ist das auch eine Bank of China?

Er (chinesisch, ohne nachzufragen): Ja.

Es ist einfach so witzig, dass einen diese Leute dann verstehen, wenn man sagt, dass man Chinesisch spricht. Ist das eine Blockade im Kopf? Oder Voraussetzung für die Arbeit in einer westlich angehauchten Fast Food-Kette??

Ach ja, wo wir schon mal beim Thema Englisch sind: die ziemlich schlechte Aussprache der meisten Chinesen lässt sich damit erklären, dass viele die Sprache nicht mit der üblichen Schrift lernen, sondern sich die Wörter als Kombination ähnlich klingender chinesischer Zeichen merken. So wird aus “Good Morning” “Gu de mo ning”, was natürlich mit dem Original nicht mehr viel zu tun hat ;-) . Und dann über uns lästern, weil wir Pinyin (die Lautumschrift der chinesischen Sprache) verwenden … *tztztz*

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Tataa! Frühlingsgefühle in Nanjing und andere News

September18

Ich weiß schon, ihr dachtet bestimmt, ich hätte die große Kreuzung vor meiner Haustür einmal zu forsch überquert und wäre eine Zahl in der chinesischen Unfallstatistik geworden ;-) . Aber ihr habt euch getäuscht! So leicht bin ich von ein paar verrückt gewordenen Mofafahrern nicht zu beeindrucken – inzwischen beherrsche ich sogar das Linksabbiegen, wobei mir zugegebenermaßen immer noch etwas mulmig zumute ist, wenn ich ganz allein mitten auf einer riesigen Kreuzung stehe und hoffe, dass die Ampel auch richtig geschalten ist und nicht der Gegenverkehr zuerst fahren darf. Aber genug von solchen Trivialitäten, die ihr ohnehin kennenlernen werdet, wenn ihr mich erstmal besucht.

Wie ihr vielleicht schon aus meinem Geplapper herauslesen könnt, geht es mir einfach blendend! Nanjing ist toll, ich habe die beste Gastfamilie, die man sich vorstellen kann, die Uni ist auch ganz cool (vor allem gewissen Kommilitonen ) und allmählich gewöhne ich mich auch an das chinesische Essen und finde sogar Sachen, die mir richtig gut schmecken (Tang Bao z.B., aber dazu später noch mehr). Bei all den Aktivitäten (diese Woche hatte ich auch noch Besuch) ist leider das Blog etwas auf der Strecke geblieben, aber das wird nachgeholt, versprochen! Kaum zu glauben, dass ich erst drei Wochen hier bin – und Deutschland trotzdem kein bisschen vermisse (euch natürlich schon ;-) ).

Liebe Grüße an alle, die trotz meiner Schreibfaulheit immer noch regelmäßig nach News suchen!

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Ka La OK – Karaoke auf Chinesisch

September13

Wer schon einmal in Asien war, weiß, dass die Asiaten mehr verbindet als Konfuzianismus und Hello Kitty. Karaoke ist das Stichwort und wirkte in unserem Fall sogar als Völkerverständigung. Anlässlich Tobis Besuch hatte ich nämlich zum ersten Karaoke-Abend der Sprachschüler der Nanda eingeladen. Schon die Auswahl des KTV’s (so heißen die Karaoke-Etablissements) stellte sich als Abenteuer heraus. Denn KTV’s gibt es zwar an jeder Ecke, allerdings sind Ausstattung und Preis höchst unterschiedlich. Die Palette reicht vom schäbigen Hinterzimmer mit Merry Christmas-Beleuchtung bis zu noblen Räumen im 9. Stock mit eigener Bar. Ohne chinesischen Beistand in Form von Marcus Makler hätten wir das Preissystem wohl nicht durchschaut. Letztendlich fanden wir dann aber doch etwas Passendes und hatten nach kurzer Aufwärmphase erstaunlich viel Spaß. Landestypische Unterschiede ließen sich natürlich nicht vermeiden (so wurden die Koreaner ihrem Ruf mehr als gerecht und legten sofort mit „Baby one more time“ los, wohingegen die Deutschen erst zum Ende hin ihre Gesangskünste (dann aber richtig! Ich sage nur: „Jailhouse Rock“ auspackten), aber insgesamt war es ein sehr netter Abend, bei dem sich wohl alle gut amüsiert haben, und der dementsprechend auch wiederholt werden muss.

Für alle, die sich nicht vorstellen können, warum es Spaß machen soll, leicht angeheitert in einem dunklen Zimmer zu sitzen und mittelmäßigem Gesang zu lauschen – probiert es aus! Das Tröstliche ist, dass man sich beim Singen nicht selber hört ;-) .

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Das Scarlet-Erlebnis

September10

Samstagabend in Nanjing, was macht man da wohl? Erstmal geht man natürlich zur Wohnheim-„Party“ im Xiyuan, die diesmal von den Deutschen veranstaltet wurde und zur Abwechslung einigermaßen trocken (im Sinne von Regen) und mit etwas Musik ablief [b/t/w: die „Party“ am Freitag war mehr ein Grillabend bei Regen so dass wir stattdessen in eine mexikanische Bar gegangen sind – allerdings ist eine mexikanische Bar in China genauso absurd, wie es klingt]. Aber bei derartigen Partys trifft man zwangsläufig immer die selben Leute und nach dem dritten Bacardi Breezer beschlossen Marcus und ich, uns mal das berühmt-berüchtigte Scarlet anzusehen. Man muss wissen, dass in unserem Erfahrungsbericht als einzige Beschreibung steht: „Wer könnte ohne das Scarlet-Erlebnis Nanjing verlassen?“. Nun ja, das trifft es eigentlich ganz gut. Das Publikum ist erfreulicherweise gut gemischt (sowohl nationalitäten- als auch altersmäßig) und die Musik besteht zum großen Teil aus den westlichen „Party-Hits der 80er, 90er und des neuen Jahrtausends“. Dazu kommt dann noch ein gut gelaunter DJ, der mit „ Yi – er – san …“ (1,2,3) mitzählt, wie viele Schlucke man ohne Absetzen aus dem Bierhahn nehmen kann. Und das alles unter den strengen Blicken eines bzw. mehrerer total gelangweilten Polizisten in Uniform (auf deren Foto ihr leider verzichten müsst, da am Eingang sinngemäß stand, dass man den Security Staff achten soll – wollte nicht gleich beim ersten Mal hinausgeworfen werden). China ist, wenn man trotzdem Spaß hat! Die Chinesen erweisen sich auf der Tanzfläche als überaus kontaktfreudig (man kann es auch hartnäckig nennen, wenn jemand selbst nach eindeutigen Tanzbewegungen mit einer anderen Person immer noch fröhlich daneben steht und einen antanzen möchte) – ein eindeutiges Signal scheint wohl Thumbs Up zu sein, auch wenn ich noch herausfinden muss, wofür es steht.

Ihr seht schon, dass Nanjinger Nachtleben lässt keine Wünsche offen – das Coolste ist, dass man nachts um drei auf dem Heimweg (mit Fahrrad – endlich unabhängig von der letzten S-Bahn!) an diversen Garküchen noch seinen kleinen Hunger stillen kann. Und jetzt alle: „Yi – er – san …“

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Zijin Shan – Die Ming-Gräber

September10

Einer der Hauptattraktionen in Nanjing ist – zumindest nach Meinung der Chinesen – das Sun Yatsen Mausoleum, das außerhalb der Stadt in einem Naherholungsgebiet liegt. Zum Mausoleum selbst haben wir es diesmal noch nicht geschafft, denn der Berg ist wirklich groß und die Sehenswürdigkeiten zahlreich, dafür haben wir uns aber das Ming Xiao Ling (Ming Gräber) sowie die Allee mit den Steinfiguren und ein bisschen Park angesehen. Die Allee war wirklich cool – eine Straße, die von steinernen Tierpaaren gesäumt wird. Jedes Tierpaar ist zweimal vertreten – einmal in stehender und einmal in kniender Position, was wohl die Unterwerfung der Tiere symbolisieren soll. Die Statuen sind etwa lebensgroß (falls man bei Fabelwesen von Lebensgröße sprechen kann) und eignen sich demnach wunderbar zum Herumklettern. Eigentlich machen das wohl eher chinesische Kinder, aber als Ausländer hat man ohnehin seinen Ruf weg und kann sich deswegen ganz ungeniert auch sehr albern benehmen. Und das Schild, dass man nicht auf die Statuen klettern soll, stand immerhin ganz am anderen Ende der Allee J.

Die Ming-Gräber waren dann eher unspektakulär, denn das einzige, was es dort zu sehen gab, war eine Inschrift, dass hier Kaiser Soundso begraben liegt.

Was aber das eigentlich Tolle an dem Ausflug war, war, dass wir nur etwa 20 Minuten mit dem Bus gefahren sind, aber trotzdem in einer völlig anderen Umgebung waren – still, ruhig, fast keine Leute und sogar saubere Luft! Eignet sich sicherlich gut als Ausflugsziel für schöne Spätsommertage (wenn wir mal außer Acht lassen, dass es die letzten Tage meistens geregnet hat).

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