Daily China

Alles rund ums Reich der Mitte

Shengdan kuaile oder: Weihnachten auf Chinesisch

Januar1

Die Bilder von der Vorweihnachtszeit konntet ihr ja schon im Photoblog bewundern, nun folgt also noch eine kurze Rückblende in Worten – eine Austauschstudentin zu Weihnachten in Nanjing.

Sonntag, 10.12.2006
Erste Weihnachtsfeier der deutschen/schweizerischen Austauschstudenten. Bei selbstgemachtem Punsch (mein Geheimrezept: Wein, Orangensaft, Orangenscheiben und Zucker nach Geschmack anwärmen) und Wichteln kommt richtig Stimmung auf – der echte Kunsttannenbaum trägt natürlich maßgeblich dazu bei.

Freitag, 15.12.2006
Weihnachtsfeier im Deutsch-Institut der NanDa, zu der alle Austauschstudenten sowie die Deutschen Nanjings herzlich eingeladen sind. Es gibt ein kaltes Büffet, das außer Glühwein wenig Weihnachtliches bietet, dazu Darbietungen der Studenten und Lehrkräfte. Mein persönliches Highlight: unser Krippenspiel, modern angehaucht (auch wenn an dieser Stelle noch mal angemerkt werden muss, dass die Maus als Jesuskind KEINE besondere Bedeutung hatte, sondern nur aus der Not geboren wurde). Ansonsten gab es noch die andere Fassung des „Phantoms der Oper“, bei der sich das Phantom als Frau und Christine als lesbisch erweisen, einige chinesische Sketche und einen Gedichtvortrag, der einen nicht gerade in Feierstimmung versetzte. Auch beim Blind-Wichteln (jeder musste ein Geschenk mitbringen und bekam dafür auch eines – nach Belieben) gab es nicht nur fröhliche Gesichter – aber mit Rittersport haben wir wohl nichts falsch gemacht. Die Dekoration – eher chinesisch, viel Glitzer und Lichter, insgesamt recht kitschig. Fazit: viel Feier, eher wenig Weihnacht, aber auf jeden Fall ein typisch chinesisches Erlebnis.

Samstag, 16.12. 2006
Als wir uns nach dem Weihnachtseinkauf am Fuzi Miao im McDonald’s stärken, werden wir von einem kleinen chinesischen Jungen auf Englisch angesprochen, ob wir ihm dabei helfen könnten, seinen englischen Vortrag für die Weihnachtsfeier zu proben. Sein Englisch ist für seine neun Jahre einfach großartig, so dass wir der Bitte natürlich gerne nachkommen. Passt irgendwie zu Weihnachten ;-) .

Donnerstag, 21.12. 2006
Abschiedsessen mit meiner Klasse. Auf meine „Frohe Weihnachten“ – Wünsche reagieren die Koreaner und Japaner eher erstaunt.

Samstag, 23.12. 2006
Shanghai, (Weihnachts-)Shopping. Meine Mum und mein Bruder haben beschlossen, diesmal im Vorhinein überhaupt keine Geschenke zu kaufen, sondern sich dann gegenseitig in Shanghai Sachen zu schenken. Ein Konzept, das aufgeht – nach Power-Shopping im Kleidermarkt und auf dem neuen Fake-Markt.

Sonntag, 24.12. 2006
Als wir unser Gepäck im Hotel aufgeben, muss der Portier erst nachschauen, welches Datum heute überhaupt ist. Dann aber wünscht er uns „Merry Christmas!“. Wäre ich in Deutschland, müsste mein vorweihnachtabendlicher Einkaufsbummel ausfallen, hier dagegen artet er beinahe in Stress aus – alle Sachen, die wir gestern zwar gesehen, aber noch nicht gekauft haben, müssen wir jetzt noch besorgen. Dann geht es zum Bahnhof und in den Zug nach Nanjing. Meine Familie habe ich im Hilton untergebracht, wo Weihnachtsstimmung hoch drei herrscht – inklusive Elektro-Eisenbahn und Carol-Singers. Aber auf dem Weg von der U-Bahn zu mir stelle ich fest, dass auch die Chinesen den Weihnachtsabend begehen – und zwar auf der Straße. Die Hunan Lu hat noch mehr Lichter als sonst, überall werden Wunderkerzen verkauft und insgesamt herrscht ein Gedränge, dass ich für den Weg doppelt so lange wie sonst brauche. Menschen, wohin man auch blickt – lange Schlangen im Supermarkt und bei Pizza Hut (an Weihnachten gönnt man sich halt mal was, auch wenn ich dem Bild nach zu urteilen das Weihnachtsmenü von Pizza Hut wirklich nicht empfehlen würde). Im Hotelzimmer dann eine stille Bescherung mit Pizza und leckerem Kuchen von der deutschen Bäckerei. Aber soo schön, Geschenke aus der Heimat zu bekommen! Danke, Chemphils!!

Montag, 25. 12. 2006
Weihnachtsfrühstück mal nicht zu Hause unterm Baum, sondern im Hilton. Schnee gibt es keinen, aber kalt ist es trotzdem. Bei der Maniküre bekomme ich zu hören, dass ja heute unser Frühlingsfest sei. Ja, so kann man es auch sagen. Auf jeden Fall verstehen alle, dass mich dafür meine Familie zu besuchen kommt und finden meinen didi „hen ku“. In dem kleinen Supermarkt bekommt man zu spüren, dass gestern alle Chinesen gefeiert haben – sogar das Mineralwasser ist beinahe ausverkauft.

Dienstag, 26. 12. 2006
In Deutschland ist heute zweiter Weihnachtsfeiertag, in China wischen die Angestellten im Geschäft nebenan schon wieder das Schneespray von den Scheiben. Noch wünscht einem der Portier im Hilton „Merry Christmas“, aber für den Rest der Chinesen ist der Alltag wieder eingekehrt. Weihnachten in China – eine kurze, aber sehr lebhafte Angelegenheit!

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Etwas liegt in der Luft

November2

Und es ist kein Schnee oder Vorfreude auf Weihnachten, sondern dichter Smog-Nebel. Hatte heute mehrmals das Bedürfnis, meine Kontaktlinsen zu reinigen, bis mir wieder einfiel, dass das an der Sicht nichts ändern würde. Muss wohl am kalten Wetter liegen (tagsüber haben wir zwar noch bis zu 18°C, nachts kann es aber richtig kühl werden (gerade 9°C) – natürlich nicht mit Münchner Verhältnissen zu vergleichen).

Heute ist es mir außerdem gelungen, eines der größten Geheimnisses meines China-Aufenthaltes zu lösen: das Geheimnis der Frauen-in-Kostümen. Vor der Post stehen nämlich in guten Zeiten bis zu zehn Frauen Ende 20, schick angezogen, die alle vorbeigehenden Passantinnen anquatschen. Heute hat’s endlich auch mich erwischt. Ich hatte ja die Hoffnung, es sei eine geheimnisvolle Sekte – aber weit gefehlt, es handelt sich nur um Werbung für eine mir unbekannte, angebliche amerikansche Make Up-Firma. Was das Besondere daran aber sein soll, konnte bzw. wollte mir die sogar englischsprechende Verkäuferin nicht erklären – sie interessierte sich mehr für meine näheren Lebensumstände und versicherte mir am Ende meines Gesprächs, dass ich wunderbar mit einer der anderen Damen Chinesisch lernen könne. Tja, was man nicht alles erlebt in China.

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China ist …

Oktober19
  • … wenn du die Straße lang fährst und denkst, ein Ufo landet gerade – dabei sind es nur die Lichter eines 30-stöckigen Hochhauses, von dem man selbst, wenn man direkt davor steht, nur die beleuchteten Fenster sehen kann, weil der Rest in undurchdringlichem Smog versinkt.
  • … wenn zur Rush Hour auch auf den Fahrradwegen Stop-and-Go-Verkehr herrscht.
  • … wenn die Regierung versucht, durch Gewinnspiele auf den Quittungen die Steuerhinterziehung zu unterbinden (weil dann jeder auf seiner Quittung, die gleichzeitig ein Los ist, besteht), man im Restaurant aber gleichzeitig einen Teller Obst geschenkt bekommt, wenn man nicht nach der Quittung fragt … Tor 1 oder Tor 2?
  • … wenn der Fahrer, den du für einen halbtägigen Ausflug engagiert hast, erst versucht, dir die Kosten für seine Wochenration Benzin in Rechnung zu stellen, und dich dann, nachdem du dich erfolgreich dagegen gewehrt hast, freundlich und im Plauderton vor den Affen und ihren Übergriffen warnt.
  • … wenn die Maniküre weniger kostet, als den Nagellack selbst zu kaufen.
  • … wenn du die Schlange fürs Abendessen im Supermarkt um die Ecke kaufen kannst – natürlich noch lebend.
  • … wenn du beim dritten Mal Päckchenabholen in der Post wie eine gute Bekannte begrüßt und gleich einem alten Freund des Postbeamtens vorgestellt wirst.
  • … wenn in einer Straße 5 Hundesalons nebeneinander sind – Chinesen scheinen den Spruch: “Leben und leben lassen” erfunden zu haben.
  • … wenn du bei Rot links in die Gegenspur abbiegst und keiner hupt.
  • … wenn du als Fußgänger den Zebrastreifen bei Grün überquerst und von allen Seiten angehupt wirst.
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Back in Town

Oktober7

So, jetzt ist es schon wieder eine ganze Weile her, seit ich zuletzt gebloggt habe :-( – wo soll das nur enden? Ich habe aber auch einen guten Grund dafür – während der Guojin Jie-Ferien (den Chinesen ist nämlich ihr Nationalfeiertag eine ganze Ferienwoche wert!) war ich als eure rasende Reporterin in Suzhou und auf dem Huang Shan unterwegs und werde ich euch deswegen demnächst mit Reisenberichten und lustigen Anekdoten über chinesische Busfahrer, Reisegruppen, unterirdische Hotels u.v.m. versorgen können! Wie aber bereits eingangs erwähnt, verlangen gerade zwei Tage 4-Uhr-morgens-Aufstehen-und-danach-den-ganzen-Tag-Wandern ihren Tribut von mir und wenn ich erstmal sämtliche meiner heimlichen braunen Mitbewohner zur Tür hinausgebeten habe (sehr freundlich von der Kakerlake, sich wenigstens auf die Haustür zu setzen und mir so ihre Entfernung ungemein zu erleichtern!), werde ich mich in mein Bett fallen lassen und xiuxi Verrücktmachen (sehr wichtige chinesische Vokabel: Pause machen). Aber morgen dann – nicht, dass ich da nicht zu allen Überfluss auch noch Uni hätte (zur Erinnerung: morgen ist Sonntag (!!) und wir müssen da den Unterricht von Donnerstag nachholen!Wütend) …

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Videos!

September28

Fotos sind gut und schön, aber in China ist so viel ständig in Bewegung, dass ein unbewegtes Bild da einfach nicht mitkommt. Und die ganzen Geräusche erst … aber im Zeitalter der kombinierte Video-/Fotokameras kann man dem leicht Abhilfe schaffen! Hier sind also meine ersten Versuche auf den Spuren Zhang Yimous, obwohl ich es eher als experimentellen Film bezeichen würde Fröhlich. Tut mir leid für alle, die keine Breitbandverbindung haben!

Zijin Shan

Abenteuer Linksabbiegen 1 2 3

Straßenalltag in Nanjing

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