Daily China

Alles rund ums Reich der Mitte

Vogelnest im Dornröschenschlaf

März16

Da die einzig vom Institut aus erreichbare U-Bahn-Station die vorletzte Haltestelle auf der Olympia-Linie ist, kam ich heute in den Genuss, mir das Olympia-Gelände nach dem Tag X anzusehen … der Weg dorthin war insofern schonmal interessant, als dass fast keine Autos oder Passanten auf der Straße waren (erstere benutzen den Tunnel, wie ich feststellen musste, als ich zweimal vergebens versucht hatte, einen Bus in die Richtung zu benutzen) – in China eine echte Seltenheit. Zwischen all den riesigen Hochhaus-Siedlungen (ich hatte ganz vergessen, wie gewaltig die sind, gerade hier in den “Vororten”, wo viele Leute auf wenig Platz untergebracht werden) und auf den breiten Straßen kam ich mir richtig verloren vor. Je näher ich der Haltestelle kam, desto überzeugter war ich, dass die inzwischen geschlossen hatte. Wo vor genau sieben Monaten noch ein Wahnsinnsandrang herrschte, saßen jetzt vereinzelt Straßenarbeiter; große Teile des Geländes sind mit Bauzäunen abgesperrt und sämtliche Grünanlagen aufs Schändlichste vernachlässigt … aber der Geist von Olympia schwebt noch immer überall. Und das nicht nur in Form der Straßenschilder (延续奥运文明, was soviel heißt wie:”Erhaltet euch euer zivilisiertes Verhalten von Olympia”), sondern auch wortwörtlich: die Lautsprecher plärren immer noch munter “Beijing Huanying Ni” (DEN Olympiasong, der es leider nicht bis nach Deutschland geschafft hat) in die Einsamkeit hinaus. Zusammen ergab das eine so merkwürdige Stimmung, dass ich einfach ein Video machen musste – ich hoffe, ihr könnte euch dann vorstellen, was ich meine (jedenfalls die, die da waren!).

PS: Meine Wohnungssuche kommt voran – eine habe ich schon besichtigt und morgen ist eine zweite dran, so dass ich auf jeden Fall vor meinem Ausflug nach Nantong in meinen eigenen vier Wänden sein werde. Yipiieh!

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Kein Reis mehr bei Air China

März15

Hier melde ich mich nun mit meinem ersten Vorort-Bericht aus Peking! Der Flug war eigentlich ganz unterhaltsam – auf jeden Fall sehr chinesisch.

Meine Sitznachbarin war Chinesin, aber mit einem Deutschen verheiratet und dementsprechend in Deutschland lebend. Sobald sie raus hatte, dass man sich mit mir normal auf Chinesisch unterhalten konnte, war ich quasi ihre beste Freundin und wusste innerhalb kürzester Zeit über ihre Lebens- und Eheverhältnisse besser Bescheid, als mir lieb war. So sind sie eben – wenn sie dich einmal auserwählt haben, dann geht’s sehr schnell auf eine sehr persönliche Ebene. Dazu gehören dann auch selbstgekochte Soja-Eier zum Frühstück  – die zwar sehr salzig, aber sicher besser als das Flugzeug-Frühstück waren.

Zuvor jedoch noch die Tragödie mit dem Abendessen: es sollte Huhn mit Kartoffeln und Rind mit Reis geben. Ein guter Chinese nimmt natürlich immer die Reisvariante – was dazu führte, dass der Reis alle war, bis wir mit “Auswählen” dran waren. Während ich mich mit der Kartoffelversion begnügte und zusätzlich durch das Versprechen auf ein weiteres Brötchen von der zugegebenermaßen sehr netten Stewardess bestechen ließ, ließ sich meine neue Freundin nicht so leicht abspeisen. Die nahm sich erstmal den Chef-Steward zur Brust- aber während sie relativ erbost drauflos schimpfte, nahm’s der gelassen und humorvoll und versprach ihr, ihr zum Frühstück auf jeden Fall Reis zu servieren – und wenn es sein eigener wäre (das Versprechen wurde wirklich eingelöst, er brachte ihr eigenhändig eine Portion Reis, die mit “Crew” beschriftet war). Das war auch typisch chinesisch, weil er sich einerseits ihre Beschwerde zu Herzen nahm, andererseits aber nicht seine gute Laune verlor.

Nummer drei an China-Specials war dann das Frühstück (sogar ohne die besagten Soja-Eier): die Stewardess bot mir auf Chinesisch die Wahl zwischen Ei und Huhn. Tja, so ein Rührei zum Frühstück ist doch nicht schlecht … nur, dass es kein Rührei war und auch sonst kein Ei in erkennbarer Form, sondern Pfannkuchen mit Apfel- und Kirschfüllung. Spitzfindig könnte man nun argumentieren, dass Pfannkuchen ja auch aus Eiern gemacht werden, aber mal ehrlich: ich sage ja auch nicht, dass es Kartoffeln gibt, wenn ich Reiberdatschi gemacht habe. Wenn ich mich nicht ganz täusche, hat sie auf Englisch auch Pancakes gesagt – nur für die Chinesen brauchte es solche Details wohl nicht *gg*.

Ansonsten hat alles reibungslos geklappt, zwei Doktorandinnen aus dem Labor haben mich abgeholt und gleich unter ihre Fittiche genommen, so dass ich jetzt eine chinesische SIM-Karte und eine Karte für die öffentlichen Verkehrsmittel habe, weiß, wo das nächste “Fashion Lady” ist und wie ich zur U-Bahn komme und dass es außerdem um den Wohnungsmarkt für Kurz-Wohnende wie mich schlecht bestellt ist … letzteres macht mir noch etwas Sorgen, aber morgen treffe ich meine Betreuerin und die hat dann hoffentlich ein paar gute Ideen. Außerdem ist mein Ticket nach Nantong zu meiner chinesischen Freundin gekauft und ich weiß sogar, von welchem der vier Bahnhöfe Pekings ich losfahre ;-) .

Achso, ans chinesische Essen habe ich mich nach zwei Mahlzeiten noch nicht gewöhnt …

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