Daily China

Alles rund ums Reich der Mitte
Browsing Praktikum in Peking

Ni shi xinjiang ren ma? Sind Sie aus Xinjiang?

September11

Eine Frage, die einem Chinesisch sprechenden Ausländer oft gestellt wird. Ganz gleich, ob er nun wie ich einen asiatischen Einschlag hat oder völlig blond ist: Xinjiang, das ist für einen Han-Chinesen Ausland und da sehen die Leute völlig anders aus. Dass man dort Chinesisch spricht, ist auch die einzige Verbindung zum Rest des Reiches. Immerhin das traut man den Xinjiangern noch zu – wohingegen es für den Durchschnittschinesen völlig unvorstellbar ist, dass auch Ausländer anständig Chinesisch lernen können.

An sich ist diese Art von Vorurteil gegenüber Xinjiangern ja nicht besonders schlimm (sie sehen tatsächlich anders als Han-Chinesen aus), aber solche Sachen bilden die Grundlage für viel größere Missverständnisse. Und dazu passt auch diese kleine Anekdote, die mir, als ich den Artikel über Xinjiang schrieb, wieder eingefallen ist:

Ich sitze in Peking im Labor und mache meine Versuche. Ein Firmenvertreter guckt herein und fragt mich, ob ich Interesse an Artikel xy hätte.

Ich: “Ich bin dafür nicht verantwortlich.”
Er: “Das dachte ich mir schon, du bist ja auch aus Xinjiang.”

Diese Logik muss man sich mal geben: nicht etwa, weil ich ein dummer Ausländer bin (daran ist man ja gewohnt), nein auch als Xinjianger ist es ausgeschlossen, dass man oben in der Hierarchie steht … ich hoffe nur, dass er später noch Sarah getroffen hat – ihres Zeichens Britin, potenzielle Xinjiangerin (da sie fließend Chinesisch spricht) UND Laborleiterin ;-) .


复活节 – Fest des Wiederlebens

April12

Eine sehr treffende Übersetzung, die sich die Chinesen da für unser Osterfest ausgedacht haben. Und um diesen Begriff auch mit Inhalt zu füllen, habe ich keine Kosten und Mühen gescheut, meine eigene Eierfarbe importiert und … das Ergebnis könnt ihr hier sehen (Bemerkung am Rande: Chinesen finden, dass kleine Hühnereier besser als große schmecken – genau umgekehrt wie bei uns. Lustig, oder?).

Praktikum Peking - Ostern

Damit habe ich schon meine Vermieterin sowie die Frau vom Kiosk beglückt. Und morgen sind meine Laborkollegen dran :-) . In diesem Sinne:

Happy Easter!

Peking im Sommer

April8

Vor weniger als einer Woche saß ich hier noch in meinem kuschligen Hello Kitty-Plüschanzug mit passender Decke und musste zwischendrin immer wieder meine rechte Hand aufwärmen, die durch das Arbeiten mit der Maus eingefroren war. Heute dagegen herrschen in Peking Ferien in Italien-Verhältnisse – ich bereue, dass ich noch keine Flip-Flops gekauft habe und werde morgen vielleicht sogar einen Rock anziehen (ohne Strümpfe, versteht sich, bei 25°C!). Und in noch einer Woche werde ich wahrscheinlich die Wohnung nicht mehr ohne Fächer und Handtuch verlassen. Schon verrückt, dieses Landklima. Auf meinen ersten richtigen Sandsturm warte ich hingegen immer noch, nur an meinem ersten Tag hier war der Himmel etwas gelblich.

Im Labor läuft es so durchwachsen, habe heute mit neuen Primern nochmal von der PCR aus angefangen – mal sehen, ob ich überhaupt irgendwelche Ergebnisse kriege, die ich in meinem Abschlussvortrag präsentieren kann *g*.

Dafür hat sich das Problem mit meiner Waschmaschine sehr erfreulich gelöst: meine Vermieterin saß heute mit dem Hausmeister eine Stunde lange davor und hat mir anschließend bestätigt, dass die Maschine ordnungsgemäß funktioniert. Ich hätte wohl irgendwas falsch eingestellt … mir soll’s recht sein. Nebenbei haben sie auch noch den Verlängerungsschlauch anständig festgeklebt, so dass ich jetzt nicht mehr einer ständigen Überflutungsgefahr beim Wäschewaschen ausgesetzt bin. Und last but not least hat sie mich getadelt, dass ich den Kühlschrank laufen lassen würde, wo ich doch gar nichts drin hätte, sie hätte es ja selbst gesehen (!!) – die Milchpackung zählte wohl nicht. Peking mag zwar eine Großstadt sein, aber anonym lebt man hier sicher nicht ;-) .

In jedem Fall werde ich mich am Sonntag wohl mit ein paar selbstgefärbten Wachteleiern bedanken – wer wäre ich denn, hätte ich nicht meine eigene Eierfarbe und Osterdeko mitgebracht??

Chinesische Laborschildkröten

März31

Nach einer guten Woche hier im Labor wird es wohl Zeit, euch etwas über Forschen in China zu erzählen … Enttäuschung vorneweg: so viel anders als in Deutschland ist es wirklich nicht. Ähnliche Ausstattung, gleiche Abläufe – ein paar Geräte sind etwas veraltet, andere auf dem neuesten Stand. Gewöhnungsbedürftig sind die Handschuhe, denn die sind so wie die, die man bei uns zum Eierfärben verwendet; für das Auf- und Zumachen von z.B. PCR-Tubes also denkbar ungeeignet, weil man sich ständig den zu großen und zu weiten Handschuh einklemmt!

Interessant ist auch der laboreigene Zoo: zwei kleine Schildkröten und mehrere Fische. 

Praktikum Peking - LaborPraktikum Peking - Labor-1

In “meiner” Arbeitgruppe sind 11 Leute, die entweder Master- oder Doktorarbeit machen, und der Umgang untereinander ist sehr kameradschaftlich. Auch die Arbeitsatmosphäre ist entspannt – nach dem Mittagessen ist ein Verdauungsschläfchen im Büro (einfach Kopf auf den Tisch und losgepennt!) oder im Wohnheim durchaus üblich. Dafür ist man dann auch abends länger oder am Wochenende da, wobei man dazu sagen muss, dass Anwesenheit im Labor oder Büro nicht unbedingt mit Arbeit gleichzusetzen ist. Wie sagte es mein Betreuer doch so schön: “Im Wohnheim (da wohnen eigentlich alle chinesischen Studenten) ist das Bett, alles außerhalb des Betts ist im Labor.” Dementsprechend gemütlich haben sie sie auch eingerichtet und so wird dort abends eben ferngesehen oder gechattet. Ich war übrigens auch in einem der Wohnheimzimmer und  überrascht davon, wie groß sie sind (die für Undergraduates sind wesentlich beengter und da wohnen auch mehr als vier Leute zusammen). Aber natürlich hat man trotzdem keine wirkliche Privatssphäre, also kann ich schon verstehen, warum sie gleich im Labor bleiben. Und natürlich gibt es auch immer jemanden, der abends noch Versuche macht.

Insgesamt habe ich mich in die Laborhierarchie ganz gut eingefügt. Mein Projekt läuft zwar noch nicht umwerfend, aber hey, that’s science! Egal, ob in China oder in Deutschland ;-) .

My home is (now) my castle

März30

Nachdem auch nach weiteren Mini-Preps immer noch kein Plasmid in Sicht ist, hatte ich heute tagsüber wenig zu tun und habe deswegen die Zeit für einen weiteren Ausflug zur chinesischen Großmarkthalle genutzt. Dabei handelt es sich um eine kleine Verkaufsstadt, in der man von A wie wie aufladbare Lampe über R wie Radiergummi-in-Jiaozi-Form bis zu W wie Wandtatoos einfach alles zu Großabnehmerpreisen bekommt. Und jetzt wisst ihr auch gleich, was ich mir dort (unter anderem) gekauft habe ;-) . Insgesamt war meine Aktion durchaus von Erfolg gekrönt, seht selbst:

Für oben zitiertes Sprichwort gibt es auch ein chinesisches Pendant, das ich euch an dieser Stelle nicht vorenthalten möchte: 金窝银窝不如我家草窝 = “Goldenes Nest, silbernes Nest, keines ist so schön wie mein eigenes Strohnest.” Sehr treffend, das muss man ihnen lassen!

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Olympia 2008, die Expo 2010 … bei mir hat aber alles schon viel früher angefangen. Ich habe in der Schule Chinesisch gelernt, weil ich mal etwas Anderes machen wollte und weil ich Asien schon immer interessant fand. Sehr schnell wurde ich sehr sinophil und nach meinem ersten Sprachkurs in Shanghai im Sommer 2004 war mir klar, dass ich zurück will in dieses faszinierende Land – dann aber für länger. 2006 ging mein Traum dann in Erfüllung – für zwei Semester habe ich an der Universität Nanjing Chinesisch studiert, Erhu gelernt, chinesische Freunde gefunden, mich manchmal über den Alltag aufgeregt und bin natürlich im ganzen Land unterwegs gewesen. Meine Erfahrungen – vom Bewerbungsprozess für das China-Programm der Studienstiftung bis hin zu Reiseberichten – habe ich hier (wenn auch nicht immer regelmäßig) niedergeschrieben. Aber damit endet die Geschichte nicht: letztes Jahr war ich während der olympischen Spiele wieder in China und von März bis Mai diesen Jahres habe ich ein zweimonatiges Laborpraktikum in Peking gemacht. Und von 2010 bis 2011 habe ich im eisigkalten Harbin studiert.

Die meisten meiner Kategorien sind selbsterklärend, hier ein paar Hinweise für die übrigen:

Wenn ihr irgendwelche Fragen oder Anmerkungen habt, einfach kommentieren! Ich antworte bestimmt :-) .


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