Daily China

Alles rund ums Reich der Mitte

Zum ersten Mal in China – ein paar Klarstellungen

September19

Vor ein paar Tagen kam auf WDR eine Reportage über zwei Familien, die für einige Zeit nach Shanghai ausgewandert sind. Ohne jetzt China-Newbie-Bashing betreiben zu wollen, musste ich bei einigen Kommentaren einfach schmunzeln:

  • Wohnungssuche I: “Die geht nicht, daneben ist ja gleich eine Baustelle, das ist viel zu laut”.” In China im Allgemeinen und in Shanghai im Besonderen findet man kaum Wohnungen, in deren unmittelbarer Nähe KEINE Baustelle ist. Wenn da noch keine ist, kommt eine innerhalb der nächsten sechs Monate. Wenn die Gegend schon zugebaut ist, wird aus-, um- oder aufgebaut. Und dann sind da auch noch Millionen von Autos mit hupwütigen Fahrern … ruhige Wohnungen findet man nur in sterilen Ausländercompounds. Und wer will da schon wohnen?
  • Wohnungssuche II: “Und bis das Hochhaus fertig ist, dauert es ja bestimmt zwei, drei Jahre.” Acht Monate, ein Jahr höchstens. Und genau so lange, bis die ersten Fehler in der Bausubstanz auftreten.
  • Supermarkt: “Wir brauchen nur Milch, Butter, Käse und ein bisschen Aufschnitt.” Ersteres mag noch angehen, aber wenn man nicht gerade in der Metro oder im Carrefour ist, wird’s mit dem Rest schwer. Auch in Shanghai.
  • “Bin grade in der chinesischen Provinz, in Hangzhou.” Kaum noch China-Rundreisen, die Hangzhou auslassen – dass Ausländer dort trotzdem noch bestaunt werden, liegt an den chinesischen Touristen aus der echten Provinz. Das gleiche Phänomen findet man übrigens auch auf dem Tian An Men-Platz in Peking oder auf der Nanjing Lu in Shanghai.
  • “Wegen des Frühlingsfests haben wir heute Urlaub, da besuchen wir doch mal einen Tempel.” Doppelt schlechte Idee. Generell sind an Feiertagen alle größeren Sehenswürdigkeiten zu meiden – am Frühlingsfest aber besonders Tempel, weil alle Gläubigen (und Nichtgläubigen) um Glück fürs neue Jahr bitten wollen.
  • Chinesische Firmenkultur: “Hier wird gemacht, was der Chef sagt. Und die Mitarbeiter glauben auch wirklich, dass der Chef alles weiß.” Chinesische Mitarbeiter widersprechen ihren Chefs nicht direkt, aber das ist auch schon alles. Ansonsten halten sie von ihm genauso viel oder wenig, wie deutsche Mitarbeiter von dem ihren.

Die Reportage kann man übrigens hier herunterladen.

Google Buzz

Krankenhausbesuche in China und im Westen

September17

In diesen interessanten Artikel von Shanghai Scrap vergleicht der Autor die chinesische und die amerikanische Art der Gesundheitspflege in Krankenhäusern. Er hat dabei etwas in Worte gefasst, was mir bisher nur unterbewusst klar war: in chinesischen Familien ist es üblich, dass sich die ganze Familie um jemanden kümmert, während er im Krankenhaus ist. Meine persönlichen Erfahrungen mit chinesischen Krankenhäusern beschränken sich glücklicherweise auf kurze Visiten (statt eines Besuches beim Hausarzt, solche gibt es nämlich in China nicht). Aber jetzt, wo ich darüber nachdenke, fällt mir auf, dass in chinesischen Büchern und Filmen immer jemand am Krankenbett wacht.

Der Autor des Artikels kommt zu dem Schluss, dass diese Art der Pflege für die Patienten besser ist – Ärzte seien aufmerksamer, wenn man weiß, dass man ihnen auf die Finger guckt. Vom psychologischen Effekt für den Patienten mal gar nicht zu reden.

Natürlich hat er da irgendwie recht. Gerade bei Kindern ließen sich sicherlich sehr viele kleine Probleme lösen, wenn ein Elternteil oder eine andere Vertrauensperson ständig da wäre. Andererseits tun die Chinesen das ja nicht nur, weil sie an den Zusammenhalt der Familie glauben, sondern auch, weil die Versorgung in Krankenhäusern schlecht ist und Kontrolle nötig, wenn man weiß, dass einem hinterher keine rechtlichen Möglichkeiten zur Verfügung stehen, um sich gegen ärztliche Kunstfehler zu wehren.

Und dann muss man auch noch sagen, dass chinesische Krankenhäuser (und das habe ich selbst bei meinen Kurzbesuchen als sehr unangenehm empfunden) nicht gerade ein Hort der Ruhe und Reinlichkeit sind. Wie auch, wenn in einem Krankenzimmer für zwei Patienten zwei Großfamilien wohnen?

Also ja zu mehr Beteiligung der Familie an der Krankenpflege – aber alles in Maßen, bitte. Und selbst da würde man in Deutschland, wo strenge Besuchszeiten herrschen, wohl auf deutlichen Widerstand der Schwestern und Ärzte stoßen. Ein Laie, der sich anmaßt, etwas über den Gesundheitszustand seines Angehörigen zu wissen – so etwas wird hierzulande nicht gerade gern gesehen.

Shanghai Scrap » Culture Sample: what Americans might learn from Chinese health care..

Google Buzz

Ni shi xinjiang ren ma? Sind Sie aus Xinjiang?

September11

Eine Frage, die einem Chinesisch sprechenden Ausländer oft gestellt wird. Ganz gleich, ob er nun wie ich einen asiatischen Einschlag hat oder völlig blond ist: Xinjiang, das ist für einen Han-Chinesen Ausland und da sehen die Leute völlig anders aus. Dass man dort Chinesisch spricht, ist auch die einzige Verbindung zum Rest des Reiches. Immerhin das traut man den Xinjiangern noch zu – wohingegen es für den Durchschnittschinesen völlig unvorstellbar ist, dass auch Ausländer anständig Chinesisch lernen können.

An sich ist diese Art von Vorurteil gegenüber Xinjiangern ja nicht besonders schlimm (sie sehen tatsächlich anders als Han-Chinesen aus), aber solche Sachen bilden die Grundlage für viel größere Missverständnisse. Und dazu passt auch diese kleine Anekdote, die mir, als ich den Artikel über Xinjiang schrieb, wieder eingefallen ist:

Ich sitze in Peking im Labor und mache meine Versuche. Ein Firmenvertreter guckt herein und fragt mich, ob ich Interesse an Artikel xy hätte.

Ich: “Ich bin dafür nicht verantwortlich.”
Er: “Das dachte ich mir schon, du bist ja auch aus Xinjiang.”

Diese Logik muss man sich mal geben: nicht etwa, weil ich ein dummer Ausländer bin (daran ist man ja gewohnt), nein auch als Xinjianger ist es ausgeschlossen, dass man oben in der Hierarchie steht … ich hoffe nur, dass er später noch Sarah getroffen hat – ihres Zeichens Britin, potenzielle Xinjiangerin (da sie fließend Chinesisch spricht) UND Laborleiterin ;-) .


Google Buzz

复活节 – Fest des Wiederlebens

April12

Eine sehr treffende Übersetzung, die sich die Chinesen da für unser Osterfest ausgedacht haben. Und um diesen Begriff auch mit Inhalt zu füllen, habe ich keine Kosten und Mühen gescheut, meine eigene Eierfarbe importiert und … das Ergebnis könnt ihr hier sehen (Bemerkung am Rande: Chinesen finden, dass kleine Hühnereier besser als große schmecken – genau umgekehrt wie bei uns. Lustig, oder?).

Praktikum Peking - Ostern

Damit habe ich schon meine Vermieterin sowie die Frau vom Kiosk beglückt. Und morgen sind meine Laborkollegen dran :-) . In diesem Sinne:

Happy Easter!

Google Buzz

Peking im Sommer

April8

Vor weniger als einer Woche saß ich hier noch in meinem kuschligen Hello Kitty-Plüschanzug mit passender Decke und musste zwischendrin immer wieder meine rechte Hand aufwärmen, die durch das Arbeiten mit der Maus eingefroren war. Heute dagegen herrschen in Peking Ferien in Italien-Verhältnisse – ich bereue, dass ich noch keine Flip-Flops gekauft habe und werde morgen vielleicht sogar einen Rock anziehen (ohne Strümpfe, versteht sich, bei 25°C!). Und in noch einer Woche werde ich wahrscheinlich die Wohnung nicht mehr ohne Fächer und Handtuch verlassen. Schon verrückt, dieses Landklima. Auf meinen ersten richtigen Sandsturm warte ich hingegen immer noch, nur an meinem ersten Tag hier war der Himmel etwas gelblich.

Im Labor läuft es so durchwachsen, habe heute mit neuen Primern nochmal von der PCR aus angefangen – mal sehen, ob ich überhaupt irgendwelche Ergebnisse kriege, die ich in meinem Abschlussvortrag präsentieren kann *g*.

Dafür hat sich das Problem mit meiner Waschmaschine sehr erfreulich gelöst: meine Vermieterin saß heute mit dem Hausmeister eine Stunde lange davor und hat mir anschließend bestätigt, dass die Maschine ordnungsgemäß funktioniert. Ich hätte wohl irgendwas falsch eingestellt … mir soll’s recht sein. Nebenbei haben sie auch noch den Verlängerungsschlauch anständig festgeklebt, so dass ich jetzt nicht mehr einer ständigen Überflutungsgefahr beim Wäschewaschen ausgesetzt bin. Und last but not least hat sie mich getadelt, dass ich den Kühlschrank laufen lassen würde, wo ich doch gar nichts drin hätte, sie hätte es ja selbst gesehen (!!) – die Milchpackung zählte wohl nicht. Peking mag zwar eine Großstadt sein, aber anonym lebt man hier sicher nicht ;-) .

In jedem Fall werde ich mich am Sonntag wohl mit ein paar selbstgefärbten Wachteleiern bedanken – wer wäre ich denn, hätte ich nicht meine eigene Eierfarbe und Osterdeko mitgebracht??

Google Buzz
« Older EntriesNewer Entries »