Zhongguo de tedian – Kino
Letzten Mittwoch hatte ich mal wieder eine Premiere in Nanjing – zum ersten Mal chinesisches Kino. Meine Gastschwester hatte mich zu dem neuen Film “The Banquet” (Yeyan) mit Zhang Ziyi [Anm. d. Red.:bekannte chinesische Schauspielerin, für alle Unwissenden: die Kleine aus "Tiger & Dragon"] eingeladen – ein richtiger chinesicher Blockbuster also. Angesehen haben wir ihn uns in einem der großen Kino-Komplexe im 8. Stockwerk einer Shopping-Mall am Xinjiekou, dem modernsten Viertel Nanjings. Insgesamt dem Mathäser nicht unähnlich
- allerdings auch von den Preisen. Regulär 60 Yuan (~ 6€) sind nicht gerade in der Portokasse eines durchschnittlichen Chinesen – vor allem, wenn man bedenkt, dass die DVD’s, die hier ja etwa zeitgleich mit dem Kinostart (oder sogar früher
) erhältlich sind, nur etwa 6 Yuan kosten. Naja, das scheint den Nanjinger den Spaß nicht zu verderben, denn das Kino war rappelvoll und wir hatten Mühe, zwei Plätze in unmittelbarer Nachbarschaft zu bekommen. Zum Glück verfolgen chinesische Kinos die Strategie, nur zwei Filme zu zeigen, von denen es denn aber dann im Abstand von 20 Minuten eine neue Vorführung gibt. Die Wartezeit vertrieben wir uns mit den üblichen (Popcorn) oder auch eher ungewöhnlichen (Obstplatten – gibt’s in China aber sogar in der Disco) Snacks. Die Werbung war fast wie bei uns, nur mit dem Unterschied, dass sich wohl nur große Marken die einen eigenen Werbespot leisten können, Spots für lokales Gewerbe gibt es deswegen überhaupt nicht.
Tja, und dann kam der eigentliche Film. Eins vorweg: ich fand ihn ziemlich gut. Allerdings ist der liebe Zhang Yimou etwas in meiner Achtung gesunken. Denn wenn man “Hero” mit “The Banquet” vergleicht, wird einem klar, dass Zhang Yimou den chinesischen Film einfach nur europäisiert, das heißt, ein bisschen Kitsch herausgenommen hat, und ansonsten alle Effekte und überhaupt den Stil übernommen hat. Vielleicht haben natürlich auch die anderen Regisseure seine Filme kopiert
– aber diese Grübeleien überlasse ich mal besser den Leuten in Cannes. Mir gefällt jedenfalls, dass in dieser Art von Filmen jedes Wort und jede Geste eine tieferliegende Bedeutung hat. Der Schluss war allerdings sehr merkwürdig und hat auch dazu geführt, dass Jinjin den Film nicht gut fand. Ich möchte natürlich nicht zu viel verraten, falls sich einer von euch den noch anschauen will, aber wer das tatsächlich tut, möge mich dann auch bitte aufklären, was das eigentlich sein sollte
??? Von den Chinesen hat’s jedenfalls auch keiner verstanden
.
Aber kommen wir mal zum eigentlich Interessanten an der Sache – dem Verhalten der Chinesen nämlich. Während bei uns eine Filmvorführung ja eine beinahe geheiligte Handlung ist, die auf gar keinen Fall durch Sprechen, Rascheln mit der Konfekttüte oder Knacken von Schokolade gestört werden darf, sehen die Chinesen den Kinosaal als einen Ort, an dem man seinen Spaß haben sollte. Und das dürfen die anderen auch ruhig mitkriegen. Deswegen haben während der Vorstellung nicht nur mindestens 20 Handys in meiner näheren Umgebung geklingelt, sondern auch etliche Leute selbst Anrufe getätigt. Dazu kamen lustige Wanderbewegungen – der Typ neben mir ist nicht weniger als dreimal raus- und reingekommen, bevor er sich entschloss, das mit dem Film jetzt doch bleiben zu lassen, und mich zum siebten und letzten Mal aufscheuchte. Die Chinesen scheinen eben auch keine Probleme damit zu haben, das Geld für die Kinokarte aus dem Fenster zu werfen, denn mein Nachbar war nicht der einzige, der die Vorstellung frühzeitig verlassen hat (manche sind auch erst 15 Minuten vor Ende gegangen).
Wenn man dann mal von dem aus Sicht einer deutschen Cineastin unangemessenen Laufverhalten absieht, kommt hinzu, dass das Publikum an den unmöglichsten Stellen gelacht hat. Damit meine ich nicht unbedingt, dass es nicht nachvollziehbar, warum sie gelacht haben (der Film hatte englische Untertitel, also habe ich tatsächlich was von den Dialogen mitbekommen), und es waren nicht mal die allerbilligsten Witze. Komisch war nur die Platzierung selbiger: mitten in Schlüsselszenen, die wirklich keine komische Unterbrechung gebrauchen konnten. Und der Film schien mir jetzt auch nicht einer à la episches Theater zu sein, wo man den Zuschauer ab und an auf den Boden der Tatsachen zurückholen muss. Aber so viele zufällige ironische Anspielungen? Vielleicht unterschätze ich den Witz chinesischer Regisseure doch und sie lösen manchmal tatsächlich den Kitsch ihrer Filme (und kitschig war “The Banquet” stellenweise wirklich) durch eine geschickt plazierte Pointe auf … sicher werden wir es nie wissen.
Insgesamt war’s aber mal wieder ein interessanter Ausflug in den chinesischen Alltag – habe nämlich überhaupt keine Ausländer dort gesehen!

