Daily China

Alles rund ums Reich der Mitte

八三节 – Der Tag der Frau

März13

Noch ein kleiner Nachtrag zum 8. März: auch bei uns wurde in den Medien an der einen oder anderen Stelle erwähnt, dass der 8. März der internationale Tag der Frau ist; für unseren Alltag hat das aber kaum Bedeutung, oder wusstet ihr bisher überhaupt davon?

In China ist das jedoch ganz anders: seit Mao die Befreiung des “halben Himmels” (半天) forderte, braucht das schwache Geschlecht einen eigenen Feiertag. Und so ist auch heute noch in manchen Arbeitseinheiten, z.B. an Universitäten üblich, dass Frauen am 8. März kleine Geschenke bekommen – jedoch typisch weibliche Dinge wie z.B. Öl zum Kochen. Ob das die Gleichberechtigung vorantreibt, sei mal dahingestellt. Interessanter ist da doch schon der neuere Brauch, dass die Frauen einer Firma an diesem Tag zu einem Ausflug eingeladen werden, oder nur den halben Tag arbeiten müssen.

Was sie mit der anderen Hälfte des Tages anstellen, ist auch klar: shoppen gehen, denn anlässlich des 八三节 gibt es Sonderangebote in fast allen Läden!

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Klositz – wörtlich genommen

Februar19

Eines der Dinge, die man in Deutschland einfach nicht findet … beim ersten Anblick ist man erstaunt: warum sollte man einen Stuhl mit einem Loch in der Sitzfläche kaufen? Dann zieht man Analogien zu einem bekannten Gegenstand, der sich in jedem Haushalt findet, und erinnert sich, dass Toilette auf Chinesisch ein Loch im Boden bezeichnet. Und schon wird einem der Verwendungszweck klar – so leicht kann eine Badsanierung im Reich der Mitte sein!

absonderlichkeiten-klositz

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Morgens, halb neun in China … im Supermarkt

Juni11

Ein Ort, den es auf die eine oder andere Weise in jedem Land gibt, der sich auf den ersten Blick immer ähnelt, aber doch unverkennbar durch die Kultur des jeweiligen Landes geprägt ist: der Supermarkt. Und so möchte ich dieser wichtigen Einrichtung heute einen Eintrag widmen.

Supermärkte gibt es in China viele, kleine, mittelgroße und einige, die sehr groß sind und über mehrere Stockwerke gehen. Dort werden dann nicht nur Lebensmittel, sondern von Schreibwaren über Reiskocher bis zu Badelatschen auch alles verkauft, was der Durchschnittschinese so braucht. Der Supermarkt bei uns um die Ecke hat ein wirklich gutes Angebot, man kriegt da sogar Kellogs und Toffifee (letztere allerdings auch zu deutschen Preisen). Im oberen Stockwerk werden die sog. Alltagsgegenstände verkauft – dort findet man dann so nützliche Dinge wie rosa-geblümte Klimaanlagen-Verkleidungen oder Klositze (Klappstühle mit einem Loch in der Mitte, mit denen man ruckzuck eine chinesische in eine westliche Toilette verwandeln kann). Im unteren Stockwerk gibt es eine große Lebendabteilung mit Fischen, Kröten, Schlangen und Schildkröten (alles zum Selberfangen – allerdings wirklich kein schöner Anblick), riesige Ölflaschen mit Öl zum Kochen, Berge von Reis (der in Kilo-Säcken verkauft wird), eine enorme Auswahl an Instant-Nudelsuppen und all die Dinge, die man auch bei uns kaufen kann – von Brot (neben ganz normalen Baguette gibt es auch Schokoladenbrot, bei dem die Schoki allerdings im Teig verarbeitet wurde), Milch und Joghurt über Kekse und Chips bis hin zu Tiefkühlgerichten (hier dominieren allerdings Jiaozi (chinesische Teigtaschen) und nicht Knödel) und Katzenfutter (sogar von Whiskas).

Generell beschäftigen Supermärkte ein Heer an Angestellten für die unterschiedlichste Aufgaben: da gibt es dann zum Beispiele Leute, die nur sicherstellen, dass am Ende der Rolltreppe die Einkaufswagen der Kunden nicht hängen bleiben. Morgens beträgt das Verhältnis Angestellte:Kunde etwa 4:1 – das heißt allerdings nicht, dass man auch gut beraten wird. Der teuerste Wein ist grundsätzlich der beste – selbst wenn er nur zum Kochen verwendet werden soll.

Außer den vielen Angestellten, die emsig von Regal zu Regal rennen, ohne wirklich etwas zu tun, gibt es aber um diese Uhrzeit noch etwas im Supermarkt zu bestaunen: eine Schlange von bestimmt 100 Leuten, die sich einmal quer durch das untere Geschoss windet. Ein neuer Billigcomputer, von Aldi importiert? Frische Bisamratte? Nein, die Leute stehen hier – für Eier an. Ganz normale Hühnereier, die man auch zu jeder anderen Zeit für etwa 0,70€/10 Stück bekommt. Allerdings sind die morgendlichen Eier besonders günstig: nur 3 Yuan (rd. 0,3€) für ein HALBES KILO. Die bekommt man dann in einer Plastik-Tüte und sofern man sie heil durch den chinesischen Verkehr bekommt (was ich persönlich bezweifle), hat man dann Eier für den nächsten Monat. Oder? Was bitte macht eine 3-Kopf-Familie mit so vielen Eiern? Eines der vielen Rätsel Chinas, das wohl ungelöst bleiben wird …

Fotos

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Zhongguo de tedian – Post

November15

Die Post ist wohl überall ein merkwürdiger Verein – jeder braucht sie, keiner traut ihr, aber am Ende kommt das meiste doch an. So auch hier in China.

Laut meiner Gastmutter ist in den 13 Jahren, in denen sie schon Austauschstudenten aufnehmen, noch keine Päckchen verschwunden. Was allerdings nicht für Postkarten gilt, denn von denen, die mir nachweislich aus verschiedenen Ländern geschickt wurden, ist keine einzige angekommen. Das könnte daran liegen, dass die Post nicht, wie man vermuten könnte, in den eigens dafür angebrachten Briefkästen landet (die Staubschicht im Briefkastenschlitz beweist, dass hier seit Jahren nichts mehr eingeworfen wurde), sondern oben drauf und damit natürlich für alle zugänglich. Und wenn sich anscheinend auch niemand für die offiziell aussehenden Briefe der Bank of China (edit: inzwischen habe ich herausgefunden, dass das nur Werbung ist) zu interessieren scheint, die man dort tagtäglich findet, so üben anscheinend Bilder aus fernen Ländern eine unwiderstehliche Anziehungskraft auf manche Bewohner meines Wohnhauses aus …

Private Briefkästen sind für Chinesen ohnehin eine überflüssige Einrichtung. Als ich zum Beispiel meine Gastmutter kurz nach meiner Ankunft nach dem Briefkastenschlüssel fragte, musste sie ihn erstmal suchen. Grund dafür, dass Chinesen die unerfreuliche Erfahrung, den Briefkasten zu öffnen und ihn mit Rechnungen vollgestopft zu finden, erspart bleibt, ist, dass in China die Rechnung nicht Haus kommt, sondern der Kunde zur Rechnung. Sprich: in regelmäßigen Abständen (je nachdem, ob man monatlich oder halbjährlich zahlt), läuft man zum Telekom, zum Stromanbieter, zur Gasgesellschaft … Eine nette Aufgabe, wenn man sonst nichts zu tun hat, sonst aber eher lästig, da ja auch alle Leute zur gleichen Zeit kommen.

Aber zurück zur Sache mit der Post. Bisher am meisten von mir genutzt wurde dank meines persönlichen Import-Geschäfts der Bereich „Päckchen und Pakete“. Und wenn man in China das erste Mal ein Paket bekommt, geht das so:

1) Man kommt nach Hause und findet einen unscheinbaren Zettel in die Tür geklemmt (die Briefträger wissen halt, dass man Briefkästen nicht nutzen soll), der einem mitteilt, dass in einer bestimmten Postfiliale ein Päckchen auf einen wartet. Witzigerweise gibt es direkt neben unserem Haus eine sehr große Post, aber Päckchen abholen kann man nur in der kleinen Filiale weiter unten die Straße.

2) Mit dem Zettel (und am besten einem Ausweis, den ich allerdings beim ersten Mal schlauerweise nicht mit hatte – ich habe das Päckchen trotzdem bekommen …)geht man zur Post, wo einem mitgeteilt wird, dass man raus und hintenrum in den ersten Stock gehen soll. Ich bin immer noch stolz auf mich, dass ich mich von der Tatsache, dass der Aufgang ganz und gar nicht offiziell aussah, nicht entmutigen ließ und mich so bis in die Verwaltungsräume durchschlug.

3) Oben angekommen, sucht man einen Postbeamten. Dieser Teil lässt am meisten Variationen zu: mal muss man bis ins allerhinterste Zimmer laufen, um überhaupt jemanden zu finden, mal wird man gleich ins Empfangszimmer gebeten. Oder es sind zwar alle anderen Leute da, aber man muss auf die Rückkehr eines bestimmten Postboten warten, um bei ihm zu unterschreiben … Freundlich sind sie alle und inzwischen bin ich auch schon bekannt. Irgendwo unterschreibt man dann jedenfalls und bekommt daraufhin einen neuen Zettel ausgehändigt.

4) Mit dem neuen Zettel geht man dann runter zum eigentlichen Postschalter, wo man auf dem Zettel unterschreibt, die Passnummer einträgt (besonders gründliche Postbeamte (bisher nur eine) überprüfen die dann auch) und zwei Kuai (=anderes Wort für Yuan) bezahlt, die, wie ich inzwischen herausgefunden haben, für Briefmarken für die Empfangsbestätigung verwendet werden.

5) Und schließlich bekommt man sein Päckchen ausgehändigt, das gewöhnlich etwas mitgenommen, aber im großen und ganzen unversehrt ist. Immerhin hat man das Gefühl, etwas dafür getan zu haben.

Die chinesische Post weist viele Eigenheiten auf, die für ganz China typisch sind: eigentlich ganz professionell, insgesamt aber viel „menschlicher“ (im Positiven wie im Negativen) und nicht ganz leicht zu durchschauen …

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China ist …

Oktober19
  • … wenn du die Straße lang fährst und denkst, ein Ufo landet gerade – dabei sind es nur die Lichter eines 30-stöckigen Hochhauses, von dem man selbst, wenn man direkt davor steht, nur die beleuchteten Fenster sehen kann, weil der Rest in undurchdringlichem Smog versinkt.
  • … wenn zur Rush Hour auch auf den Fahrradwegen Stop-and-Go-Verkehr herrscht.
  • … wenn die Regierung versucht, durch Gewinnspiele auf den Quittungen die Steuerhinterziehung zu unterbinden (weil dann jeder auf seiner Quittung, die gleichzeitig ein Los ist, besteht), man im Restaurant aber gleichzeitig einen Teller Obst geschenkt bekommt, wenn man nicht nach der Quittung fragt … Tor 1 oder Tor 2?
  • … wenn der Fahrer, den du für einen halbtägigen Ausflug engagiert hast, erst versucht, dir die Kosten für seine Wochenration Benzin in Rechnung zu stellen, und dich dann, nachdem du dich erfolgreich dagegen gewehrt hast, freundlich und im Plauderton vor den Affen und ihren Übergriffen warnt.
  • … wenn die Maniküre weniger kostet, als den Nagellack selbst zu kaufen.
  • … wenn du die Schlange fürs Abendessen im Supermarkt um die Ecke kaufen kannst – natürlich noch lebend.
  • … wenn du beim dritten Mal Päckchenabholen in der Post wie eine gute Bekannte begrüßt und gleich einem alten Freund des Postbeamtens vorgestellt wirst.
  • … wenn in einer Straße 5 Hundesalons nebeneinander sind – Chinesen scheinen den Spruch: “Leben und leben lassen” erfunden zu haben.
  • … wenn du bei Rot links in die Gegenspur abbiegst und keiner hupt.
  • … wenn du als Fußgänger den Zebrastreifen bei Grün überquerst und von allen Seiten angehupt wirst.
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