Die Deutsche Welle bringt heute einen Artikel über den Ausbau von Weinkultur in China. Zwar steigt der Weinkonsum im Reich der Mitte jährlich um 35% – aber es ist noch viel Platz nach oben. Das Problem liegt darin, dass in China Winzer nicht automatisch auch die Trauben anbauen:
“Die Bauern wollen eine möglichst große Ernte erzielen, die Qualität ist den meisten aber egal. Deswegen ist es für die chinesische Weinindustrie schwer, Trauben von erlesener Qualität zu bekommen.”
Produziert wird erstmal für den heimischen Markt – bis Chinas Wein ein Exportschlager wieder, muss wohl noch viel Wasser den Yangtze hinunterfließen. Aber das erinnert mich an eine Reportage auf BBC, in dem es um Seminare für die Verkostung guten Essens in chinesischen Großtstädten sind. Zielgruppe sind junge Chinesen mit einem Interesse an gehobenere westlicher Kultur – und dem nötigen Kleingeld dafür. Wenn sich die erstmal für den heimischen Wein interessieren, dürften die 100.000 Flaschen v0n Winzer Zhou Fu Ling noch schneller weggehen.
Bücher wie “Ein Jahr ohne Made in China”, das zwar gar nicht so politisch gemeint war, aber in China vielerorts so rezipiert wurde, oder der Skandal um Gift-belastete chinesische Spielwaren vor zwei Jahren versetzen die chinesische Regierung offenbar in Sorge, dass MIC-Produkte in Zukunft weniger Absatz finden könnten. Und was macht man, wenn eine Marke in Schwierigkeiten gerät? Genau, man schaltet großflächig Werbeanzeigen, um das Vertrauen der Kunden zurückzugewinnen. Und so läuft auf CNN nun seit einigen Wochen folgender Spot:
Laut eines Berichts von Xinhua möchte die chinesische Regierung damit den Vorurteilen, dass in China hergestellte Produkte dem Ausland, insbesondere den USA, durch den Transfer von Arbeitsplätzen und Handelsdefizite schaden, entgegenwirken. Auch auf die Qualität der Produkte soll damit hingewiesen werden.
Die von Xinhua interviewten ausländischen Geschäftsleute zeigen sich natürlich von der Kampagne vollauf begeistert (“eine großartige Methode, westlichen Kunden zu zeigen, was alles in chinesischen Produkten steckt”). Erstaunlicherweise lässt Xinhua jedoch auch kritische Internetuser zu Wort kommen, und mehr von deren Kommentaren kann man auch bei ChinaHush finden.
Vielen gefällt die Rückkehr zum Bild von China als “Werkbank der Welt” nicht, das im Übrigen in vorherigen Kampagnen auch ausgemerzt werden sollte, wie man in der Global Times, dem offiziellen englischsprachigen Sprachrohr der KP anmerkte. Man wünscht sich gemeinhin mehr “Made by China” als “Made in China”.
Was also kann diese Kampagne erreichen? Wirkliche Angst vor in China hergestellten Produkten großer internationaler Unternehmen hat zumindest in Deutschland wohl niemand – Nike und Co. können sich für ihre Preise auch eine gute Qualitätssicherung leisten und so hat Markenware denn bei uns auch immer noch Markenqualität. Vollkommen anders sieht es natürlich bei rein chinesischen Produkten aus (was ich schmerzlich bei meinen diversen BuyNow-Shoppingtouren festgestellt habe), aber die haben außer auf Ebay noch nicht wirklich Einzug in den deutschen Markt gehalten. Andererseits wird die Zusicherung, dass Arbeitsplätze im Design, in R&D und im Management erhalten bleiben, die wenigsten Konsumenten beruhigen – erst jüngst bei Opel und Karstadt hat man ja gesehen, dass einfachere Arbeitnehmer in größerer Zahl einen ungemeinen Druck ausüben können und genau deren Arbeitsplätze sind es ja, die durch Produktionsverlagerung nach China gefährdet werden.
Im Endeffekt ist das Ganze also mal wieder ein Image-Gag der chinesischen Regierung ohne wirklichen Wert. Immerhin mussten für den nicht Millionen von Menschen umgesiedelt werden …
Alle wollen Jinkela. Ein neues TCM-Mittel, gewonnen aus den rechten Vorderzähnen des altchinesischen gerüsselten Säbelzahntigers? Das chinesische Pendant eines iPhones? Alles weit gefehlt. Jinkela ist … ein Düngemittel. Das von 5000 Spezialeinheiten bewacht wird, über Sieg oder Niederlage von Präsidentschaftskandidaten entscheidet und außerdem 5 Mio. US$ pro Kilo wert ist. Noch mehr pikante Details und den überaus erheiternden Werbespot bei Danwei …
Ach ja: Jinkela wird im Nordosten Pekings produziert. Vom angeblichen Global Player “American San Diego (das ist nämlich die Bedeutung von Shengdiyage) International Group” mit Sitz in Florida, über die man ausschließlich Informationen auf Chinesisch findet. Faszinierend, einfach faszinierend .