Daily China

Alles rund ums Reich der Mitte
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“China hat das offenste Internet der Welt”

Dezember26

Zu diesem Schluss kommt eine Teilnehmerin der Neunten Arbeits- und Trainingseinheit für Internetnachtrichten, wie China Digital Times berichtet. Manchmal verstehe ich die Leute einfach nicht … noch nicht mal die 最牛 Apparatschniks können doch so etwas allen Ernstes glauben?? Nicht, wenn gerade Gerüchte aufkamen, dass man in Zukunft Webseiten in China registrieren lassen muss, damit sie überhaupt angezeigt werden …

Jinkela! Jinkela!

Dezember9

Alle wollen Jinkela. Ein neues TCM-Mittel, gewonnen aus den rechten Vorderzähnen des altchinesischen gerüsselten Säbelzahntigers? Das chinesische Pendant eines iPhones? Alles weit gefehlt. Jinkela ist … ein Düngemittel. Das von 5000 Spezialeinheiten bewacht wird, über Sieg oder Niederlage von Präsidentschaftskandidaten entscheidet und außerdem 5 Mio. US$ pro Kilo wert ist. Noch mehr pikante Details und den überaus erheiternden Werbespot bei Danwei

Ach ja: Jinkela wird im Nordosten Pekings produziert. Vom angeblichen Global Player “American San Diego (das ist nämlich die Bedeutung von Shengdiyage) International Group” mit Sitz in Florida, über die man ausschließlich Informationen auf Chinesisch findet. Faszinierend, einfach faszinierend ;-) .

Gehört in … München

Oktober8

In Paris habe ich mir letztens ein Buch gekauft, in dem humorvolle Gesprächsfetzen, die jemand auf der Straße oder in der Metro aufgeschnappt hat, gesammelt waren. Echt lustig, was da so zusammen kam. Aber ehrlich gesagt kann ich da mit meinen Erlebnissen aus dem MVV mithalten … So zum Beispiel heute, an einer Bushaltestelle in Uni-Nähe:

Ich sag’s euch: in China sieht man auf den Straßen überhaupt keine Unfälle! Die Leute fahren zwar recht chaotisch, aber sie achten auch mehr aufeinander: wenn der Autofahrer gesehen hat, dass du ihn gesehen hast, dann musst du ihm ausweichen; wenn er sieht, dass du ihn nicht siehst, hält er eben an. Funktioniert auch auf großen Kreisverkehren.

Ehrlich, ich musste an mich halten, sonst hätte ich dem lieben Jungen vor seinen versammelten Freunden mal ein paar Zahlen genannt. Chinas Statistik für Verkehrstote ist so ähnlich wie die für Hingerichtete: in absoluten und relativen Zahlen weit, weit vorne. Wer es genau wissen will: auf 1 Mio. Einwohner kommen in China 384 Verkehrstote, in Deutschland 50. Auf Fahrzeuge umgerechnet wird es sogar noch dramatischer: in Deutschland kommen nach meinen Berechnungen auf 100 000 Autos 8,3 Verkehrstote. Für China habe ich verschiedene Angaben für Autos/Einwohner gefunden und daher mit einem Mittelwert von 50 Mio. Autos in China gerechnet. Das bedeutet, dass auf 100 000 Autos in China 1000 Verkehrstote kommen – das 125-fache des deutschen Werts!!! Dass man da die Toten nicht auf der Straße herumliegen sieht (was mir auch noch nicht passiert ist), ist wirklich erstaunlich.

Ich gebe zu, dass ich auch manchmal Sachen behaupte, bei denen ich mich nur auf mein Bauchgefühl verlasse. Aber soo daneben liege ich wohl selten. Es bleibt dabei: wer keine Ahnung hat – einfach mal Klappe halten.

Quellen:

Chinesische Verkehrswelten – Harmonisches Chaos

Zahl der Privatfahrzeuge in China nimmt zu

Wikipedia

Ni shi xinjiang ren ma? Sind Sie aus Xinjiang?

September11

Eine Frage, die einem Chinesisch sprechenden Ausländer oft gestellt wird. Ganz gleich, ob er nun wie ich einen asiatischen Einschlag hat oder völlig blond ist: Xinjiang, das ist für einen Han-Chinesen Ausland und da sehen die Leute völlig anders aus. Dass man dort Chinesisch spricht, ist auch die einzige Verbindung zum Rest des Reiches. Immerhin das traut man den Xinjiangern noch zu – wohingegen es für den Durchschnittschinesen völlig unvorstellbar ist, dass auch Ausländer anständig Chinesisch lernen können.

An sich ist diese Art von Vorurteil gegenüber Xinjiangern ja nicht besonders schlimm (sie sehen tatsächlich anders als Han-Chinesen aus), aber solche Sachen bilden die Grundlage für viel größere Missverständnisse. Und dazu passt auch diese kleine Anekdote, die mir, als ich den Artikel über Xinjiang schrieb, wieder eingefallen ist:

Ich sitze in Peking im Labor und mache meine Versuche. Ein Firmenvertreter guckt herein und fragt mich, ob ich Interesse an Artikel xy hätte.

Ich: “Ich bin dafür nicht verantwortlich.”
Er: “Das dachte ich mir schon, du bist ja auch aus Xinjiang.”

Diese Logik muss man sich mal geben: nicht etwa, weil ich ein dummer Ausländer bin (daran ist man ja gewohnt), nein auch als Xinjianger ist es ausgeschlossen, dass man oben in der Hierarchie steht … ich hoffe nur, dass er später noch Sarah getroffen hat – ihres Zeichens Britin, potenzielle Xinjiangerin (da sie fließend Chinesisch spricht) UND Laborleiterin ;-) .


Asian Poses – The Definitive Guide to Asian Poses

Juni21

Wer schonmal in China war, kennt das auf Fotos allgegenwärtige Victory- (V)-Zeichen. Aber wer hätte gedacht, dass es noch eine ganze Reihe anderer definitierter Gesten und Gesichtsausdrücke gibt, die man bei den Fotosessions im Automaten verwenden kann? Damit ihr für’s nächste Shooting gerüstet seid, hier der optimale Link:

Asian Poses – The Definitive Guide to Asian Poses.

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Olympia 2008, die Expo 2010 … bei mir hat aber alles schon viel früher angefangen. Ich habe in der Schule Chinesisch gelernt, weil ich mal etwas Anderes machen wollte und weil ich Asien schon immer interessant fand. Sehr schnell wurde ich sehr sinophil und nach meinem ersten Sprachkurs in Shanghai im Sommer 2004 war mir klar, dass ich zurück will in dieses faszinierende Land – dann aber für länger. 2006 ging mein Traum dann in Erfüllung – für zwei Semester habe ich an der Universität Nanjing Chinesisch studiert, Erhu gelernt, chinesische Freunde gefunden, mich manchmal über den Alltag aufgeregt und bin natürlich im ganzen Land unterwegs gewesen. Meine Erfahrungen – vom Bewerbungsprozess für das China-Programm der Studienstiftung bis hin zu Reiseberichten – habe ich hier (wenn auch nicht immer regelmäßig) niedergeschrieben. Aber damit endet die Geschichte nicht: letztes Jahr war ich während der olympischen Spiele wieder in China und von März bis Mai diesen Jahres habe ich ein zweimonatiges Laborpraktikum in Peking gemacht. Und von 2010 bis 2011 habe ich im eisigkalten Harbin studiert.

Die meisten meiner Kategorien sind selbsterklärend, hier ein paar Hinweise für die übrigen:

Wenn ihr irgendwelche Fragen oder Anmerkungen habt, einfach kommentieren! Ich antworte bestimmt :-) .


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