Ma Jian – “Peking Koma”
2009 war nicht nur das Jahr des 60. Jubiläums der Gründung der VR, sondern auch das 20. Jahrestag des TAM. Während uns ersteres eine hübsche Militärparade ohne Mehrwert bescherte, verdanken wir zweiterem den neuen Roman von Ma Jian, seines Zeiches Autor von “Red Dust“.
Zeitlich bunt durcheinander gewürfelt, erzählt uns Dai Wei, Sohn eines Konterrevolutionärs, später mehr durch Zufall politisch aktiver Student und seit seiner Verwundung während des TAM im Wachkoma, seine Lebensgeschichte. Natürlich spielen die Ereignisse vom Platz des Himmlischen Friedens eine tragende Rolle, aber es geht Ma Jian nicht um eine Heroisierung der demonstrierenden Studenten; vielmehr verschafft er uns durch diesen “Augenzeugenbericht” – der, wenn man diesem Artikel Glauben schenken darf, doch auf recht fundierten Recherchen zu beruhen scheint – einen detailgetreuen Blick auf das Innenleben der Bewegung. Namen wurden nur leicht abgeändert und so wirken die Flügelkämpfe, die wir in Dai Wei’s Erinnerug erleben, umso realistischer – und fachen die Debatte um die Schuld der Studentenführer neu an.
