Daily China

Alles rund ums Reich der Mitte

“Made in China” – eine eigene Marke mit eigener Werbung

Dezember10

Bücher wie “Ein Jahr ohne Made in China”, das zwar gar nicht so politisch gemeint war, aber in China vielerorts so rezipiert wurde, oder der Skandal um Gift-belastete chinesische Spielwaren vor zwei Jahren versetzen die chinesische Regierung offenbar in Sorge, dass MIC-Produkte in Zukunft weniger Absatz finden könnten. Und was macht man, wenn eine Marke in Schwierigkeiten gerät? Genau, man schaltet großflächig Werbeanzeigen, um das Vertrauen der Kunden zurückzugewinnen. Und so läuft auf CNN nun seit einigen Wochen folgender Spot:

Laut eines Berichts von Xinhua möchte die chinesische Regierung damit den Vorurteilen, dass in China hergestellte Produkte dem Ausland, insbesondere den USA, durch den Transfer von Arbeitsplätzen und Handelsdefizite schaden, entgegenwirken. Auch auf die Qualität der Produkte soll damit hingewiesen werden.

Die von Xinhua interviewten ausländischen Geschäftsleute zeigen sich natürlich von der Kampagne vollauf begeistert (“eine großartige Methode, westlichen Kunden zu zeigen, was alles in chinesischen Produkten steckt”). Erstaunlicherweise lässt Xinhua jedoch auch kritische Internetuser zu Wort kommen, und mehr von deren Kommentaren kann man auch bei ChinaHush finden.

Vielen gefällt die Rückkehr zum Bild von China als “Werkbank der Welt” nicht, das im Übrigen in vorherigen Kampagnen auch ausgemerzt werden sollte, wie man in der Global Times, dem offiziellen englischsprachigen Sprachrohr der KP anmerkte. Man wünscht sich gemeinhin mehr “Made by China” als “Made in China”.

Was also kann diese Kampagne erreichen? Wirkliche Angst vor in China hergestellten Produkten großer internationaler Unternehmen hat zumindest in Deutschland wohl niemand – Nike und Co. können sich für ihre Preise auch eine gute Qualitätssicherung leisten und so hat Markenware denn bei uns auch immer noch Markenqualität. Vollkommen anders sieht es natürlich bei rein chinesischen Produkten aus (was ich schmerzlich bei meinen diversen BuyNow-Shoppingtouren festgestellt habe), aber die haben außer auf Ebay noch nicht wirklich Einzug in den deutschen Markt gehalten. Andererseits wird die Zusicherung, dass Arbeitsplätze im Design, in R&D und im Management erhalten bleiben,  die wenigsten Konsumenten beruhigen – erst jüngst bei Opel und Karstadt hat man ja gesehen, dass einfachere Arbeitnehmer in größerer Zahl einen ungemeinen Druck ausüben können und genau deren Arbeitsplätze sind es ja, die durch Produktionsverlagerung nach China gefährdet werden.

Im Endeffekt ist das Ganze also mal wieder ein Image-Gag der chinesischen Regierung ohne wirklichen Wert. Immerhin mussten für den nicht Millionen von Menschen umgesiedelt werden …

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