Gefährliche Proben für den Nationalfeiertag
Vor ein paar Tagen habe ich auf Twitter den Link zu einer Fotoreportage über eine Probe für die Feierlichkeiten am 1. Oktober gepostet. Mir war damals noch nicht klar, dass sich der Reporter dafür anscheinend in größere Gefahr begeben hatte …
Laut Mitteilungen aller größerer Nachrichtenagenturen wurden nämlich letzte Woche zwei japanische Reporter und ihr chinesischer Assistent in ihrem Hotelzimmer von Teilnehmern an der Probe tätlich angegriffen. Auch zwei Laptops wurden beschädigt.
Die chinesische Regierung hatte im Vorhinein darum gebeten, dass über die Proben nicht berichtet werde. Das Beijing Hotel, in dem die Reporter untergebracht waren, hatte deswegen auch die Balkone in den Zimmern versiegelt lassen. Die japanischen Reporter hatten dies jedoch missachtet und waren auf jedem Fall auf dem Balkon gewesen; ob sie dabei auch Fotos gemacht haben, bleibt unklar.
Witzig ist, dass die Sprecherin des Außenministeriums zuerst erklärte, dass sie von dem Vorfall nichts gehört habe, später aber angab, die Beschwerden der japanische Agentur weitergeleitet zu haben. Weiterhin führte sie aus, dass es normal sei, spezielle Sicherheitsmaßnahmen vor solchen Großereignissen zu ergreifen und die Regierung dankbar für all die Journalisten sei, die diese auch beachten. Sie hoffe jedoch, dass die Polizei während der Feiertage das Recht auf zivilisierte Art und Weise durchsetzen werde.
Ich finde die ganze Sache irgendwie seltsam. Natürlich will ich mich davor hüten, das Ganze hochzuspielen, denn außer ein paar Fußtritten scheint ja wirklich nicht viel passiert zu sein. Aber warum überhaupt die ganze Geheimhalterei? Die Regierung erinnert mich da ein wenig an mich, als ich noch klein war und ein Geschenk für meinen Bruder gekauft hatte. Durch meine eigene Schuld bekam er es noch vor seinem Geburtstag zu sehen – und ich war stocksauer, weil die Überraschung verdorben war
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Okay, wahrscheinlich hat man auf höherer Ebene einfach Angst, dass jemand Insiderinformationen dazu nutzen könnte, das ganze Spektakel zu sabotieren. Aber immerhin, es ist eben nur das – ein Spektakel, nicht etwa eine entscheidende Militäraktion. Das scheint es mir nicht wert zu sein, sich deswegen gleich wieder einen internationalen Rüffel von wegen Menschenrechten und freier Presse einzuhandeln. Aber man darf eins nicht vergessen: die Regierung kann ihre ganzen Handlanger auch nicht bis in zum letzten Lokalkomitee kontrollieren. Vielleicht handelte sich bei den Angreifern auch nur um ein paar übereifrige Patrioten, die auf Japaner ohnehin nicht gut zu sprechen sind? Dass der Hass hier teilweise noch sehr tief sitzt, wurde mir gerade heute wieder durch einen Post auf ChinaSMACK deutlich gemacht, in dem Fotos von japanischen Atombomben-Opfern gezeigt wurden und einige (!) Kommentatoren sich wirklich darüber freuten, die “japanischen Teufel” leiden zu sehen …
Wie dem auch sei, bis zur richtigen Feier ist es ja nur noch eine Woche und einer meiner chinesischen Freundinnen freut sich schon richtig auf die Parade. Sie sagt, all die Soldaten im Gleichschritt marschieren zu sehen, sei so ein erhebendes Gefühl *g*. Hoffe, dass ich von hier aus auch was sehen kann!
Zusammenfassender Artikel auf ESWN