Daily China

Alles rund ums Reich der Mitte

Was dir nur in China passiert

April12

Situation 1:
Entgegen meiner Gewohnheit kaufe ich vor dem Supermarkt bei einem fliegenden Händler Erdbeeren; normalerweise sieht man dem Obst nämlich schon im Vorbeigehen an, dass es nicht so toll ist, aber diese Erdbeeren sind zur Abwechslung mal richtig rot (aus irgendeinem Grund bevorzugen Chinesen nämlich anscheinend halbreife Erdbeeren, so dass man bei vielen Ständen nur so arme grünliche Dinger angedreht bekommt). Acht Yuan (~0,90€) für ein Pfund ist nicht teuer; ich kaufe nur ein paar für die Zugfahrt und zahle vier Yuan. Anschließend gehe ich doch noch wegen Tomaten zur Obsthändlerin. Die sieht meine Erdbeeren und reißt mir quasi die Tüte aus der Hand, um sie nochmal nachzuwiegen. Das Ergebnis: der Typ hätte mich betrogen, ich hätte noch nicht mal drei Yuan zahlen dürfen! Und von schlechter Qualität seien sie obendrein … nächstes Mal sollte ich doch besser zu ihr kommen. Nicht, dass ihr das falsch versteht – sie hat das wirklich nett gemeint und war nicht nur hinter dem Geschäft her. Aber ein Yuan hin oder her … der größte Witz war jedoch, dass die Erdbeeren ganz hervorragend waren – bestimmt besser als ihre grünen *rofl*.

Situation 2:
Wie jeden Morgen nehme ich auf dem Weg ins Labor meinen Müll mit nach unten. Die Aufzugsfrau (zu der muss ich nochmal gesondert was schreiben, an dieser Stelle sei nur erwähnt, dass ihre Aufgabe darin besteht, morgens und abends im Aufzug die Knöpfe zu drücken) betrachtet meinen Beutel ganz interessiert, fragt dann, ob ich das wegwerfen will, und zieht nach meinem Bejahen zwei leere Wasserflaschen daraus hervor. Zur Erklärung: in China gibt es kein Pfand, dafür aber genug Leute, die ihren Lebensunterhalt mit dem Aufsammeln leerer Flaschen und dem anschließenden Verkauf als Recycling-Gut verdienen. Weil ich diesen Menschen nicht ihre Lebensgrundlage rauben will, schmeiße ich meinen Flaschen brav weg – die Aufzugsfrau hatte da wohl weniger Bedenken oder aber ihr Lohn ist wirklich sehr niedrig …

Situation 3:
Ich suche im Yashow (bekannter Fakemarket) nach einer ganz bestimmten Markentasche, die es anscheinend nirgends mehr gibt. In einem Laden aber setzt das Mädchen alle Hebel in Bewegung, um sie für mich aufzutreiben, und lässt sie schließlich von einem Bekannten herüberschicken. Laut eigener Aussage (auf die man wahrscheinlich nicht viel geben kann, aber sie machte wirklich einen netten Eindruck) hat sie an der ganzen Aktion nichts verdient (für die Qualität habe ich tatsächlich nicht viel gezahlt), wollte mir aber gerne helfen. Und anschließend nimmt sie mich noch zum Essen ins oberste Stockwerk mit, wo die Angestellten deutlich günstiger als die Kunden essen, stellt sicher, dass ich zum billigen Tarif esse (so habe ich ganze acht Yuan gespart, nachdem ich eben eine Tasche, die ich nicht brauche, für 550 Yuan gekauft habe *rofl*), und gibt mir ihre Handynummer, damit ich sie anrufen kann, wenn ich nach der Arbeit mal plaudern will. Sie sind soo süß …

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