Nanjing im Frühling
Meine Befürchtungen, dass ich noch den letzten Rest des berühmt-berüchtigten Nanjinger Winters mitkriegen würde, haben sich zum Glück nicht bewahrheitet. Stattdessen habe zusammen mit meiner Gastfamilie bei angenehmen 15-20°C zwei hübsche Parks besucht – wer hätte gedacht, dass Nanjing über soviel Naherholungsgebiete verfügt? Wobei, NAHerholung ist vielleicht nicht ganz das richtige Wort, immerhin sind wir zum Zhen Zhu Quan-Park (Perlenquelle, da aus der Quelle Gasblasen aufsteigen, die bei richtigem Lichteinfall tatsächlich wie Perlen aussehen) eine gute Stunde mit dem Bus gefahren. Schön war’s trotzdem und ich möchte euch natürlich die grüne Seite Chinas nicht vorenthalten:
Ansonsten habe ich die üblichen Nanjinger Favourites genossen: Sandwiches und Cookies aus dem Skyways, Tangbaos (mit Suppe gefüllte Teigtaschen), Shopping im Fashion Lady (sehr chinesisches unterirdisches Shoppingcenter mit allem, was chinesische Mädels lieben – Klamotten, Maniküre, Stickläden und Hello Kitty-Schnickschnack), die hervorragende Auswahl an Chinesisch-Lehrbüchern im Foreign Language Bookstore (deutlich besser als das, was ich bisher in Peking finden konnte) und viel Elektrozeugs im Bai Nao in der Zhu Jiang Lu. Außerdem habe ich mal wieder bei meiner ehemaligen Uni vorbeigeschaut und mir nun auch bestätigen lassen, wie viele Credit Points ich für die Vorlesungen bekomme. Nur gut, dass ich immer wieder in der Gegend bin – ich glaube nicht, dass sich so etwas auch nur annähernd per Email lösen ließe. Ist man dagegen vor Ort, ist alles gar kein Problem: der Typ, der mir alles bestätigt hat, hat sich nicht wirklich dafür interessiert, ob ich meine Noten korrekt angegeben habe, sondern war nur sehr besorgt, weil ich ganz unten nicht “Nanjing University” hingeschrieben hatte und er deswegen nicht wusste, wo er seinen Stempel hinmachen sollte!
Es war toll, wieder auf der Hunan Lu und mitten im Geschehen zu sein – etwas, was ich hier in Peking schmerzlich vermisse, da ich ziemlich außerhalb wohne und zusätzlich in meinem Viertel wegen der olympischen Spiele quasi jedes Nachtleben in Form von Nachtmärkten untersagt ist. Aber es ist auch der generelle Unterschied zwischen Groß- und Kleinstadt, der sich hier zeigt, wobei im Fall von China die Kleinstadt mit ihren vielen Fahrradfahrern und dem ständigen Gehupe lebendiger ist als die “kultivierte” Großstadt. Peking ist ein tolle Stadt mit vielen Möglichkeiten, aber im Alltag kommt man wirklich selten dazu, diese auch zu nutzen, und ich glaube, wenn ich wieder länger in China bleibe und es mir aussuchen kann, dann gehe ich wieder in eine kleinere Stadt. Und übers Wochenende fahre ich nach Nanjing