Vogelnest im Dornröschenschlaf
Da die einzig vom Institut aus erreichbare U-Bahn-Station die vorletzte Haltestelle auf der Olympia-Linie ist, kam ich heute in den Genuss, mir das Olympia-Gelände nach dem Tag X anzusehen … der Weg dorthin war insofern schonmal interessant, als dass fast keine Autos oder Passanten auf der Straße waren (erstere benutzen den Tunnel, wie ich feststellen musste, als ich zweimal vergebens versucht hatte, einen Bus in die Richtung zu benutzen) – in China eine echte Seltenheit. Zwischen all den riesigen Hochhaus-Siedlungen (ich hatte ganz vergessen, wie gewaltig die sind, gerade hier in den “Vororten”, wo viele Leute auf wenig Platz untergebracht werden) und auf den breiten Straßen kam ich mir richtig verloren vor. Je näher ich der Haltestelle kam, desto überzeugter war ich, dass die inzwischen geschlossen hatte. Wo vor genau sieben Monaten noch ein Wahnsinnsandrang herrschte, saßen jetzt vereinzelt Straßenarbeiter; große Teile des Geländes sind mit Bauzäunen abgesperrt und sämtliche Grünanlagen aufs Schändlichste vernachlässigt … aber der Geist von Olympia schwebt noch immer überall. Und das nicht nur in Form der Straßenschilder (延续奥运文明, was soviel heißt wie:”Erhaltet euch euer zivilisiertes Verhalten von Olympia”), sondern auch wortwörtlich: die Lautsprecher plärren immer noch munter “Beijing Huanying Ni” (DEN Olympiasong, der es leider nicht bis nach Deutschland geschafft hat) in die Einsamkeit hinaus. Zusammen ergab das eine so merkwürdige Stimmung, dass ich einfach ein Video machen musste – ich hoffe, ihr könnte euch dann vorstellen, was ich meine (jedenfalls die, die da waren!).
PS: Meine Wohnungssuche kommt voran – eine habe ich schon besichtigt und morgen ist eine zweite dran, so dass ich auf jeden Fall vor meinem Ausflug nach Nantong in meinen eigenen vier Wänden sein werde. Yipiieh!