Daily China

Alles rund ums Reich der Mitte

Vietnam – Hanoi

März4

Nach der Stille und Ruhe Luang Prabangs war Hanoi eine echte Umstellung – aber eine angenehme. Verkehr, wie man ihn aus China kannte, nur noch ein bisschen lauter, da die Vietnamesen große Fans von Mofas und Motorrädern sind. Wow – endlich wieder eine Großstadt! Da sah ich auch gerne darüber hinweg, dass uns gleich der erste Taxifahrer übers Ohr haute. So ist das halt als Ausländer in Vietnam.

Wenn man in der bisherigen Preisklasse (etwa 10$ für ein Doppelzimmer) bleiben wollte, so waren die Unterkünfte in Hanoi keine große Offenbarung, aber okay. Im ersten Hotel wurden wir gleich sehr nett empfangen, mit Tee, wir sollten uns doch setzen etc. etc. Dass hinter den freundlichen Fragen der Hotelbesitzerin nach unseren weiteren Plänen eine gute Portion Geschäftssinn steckte, war natürlich klar, aber da wir uns in Vietnam einfach nicht so gut wie in China auskannten, machten wir gerne von ihrem Angebot, uns Zugkarten für die Weiterfahrt nach Hue zu besorgen, Gebrauch (die Kommission war nicht der Rede wert).

Wir blieben dann erstmal für eine Nacht und einen Tag in Hanoi und waren am Ende unserer Vietnam-Reise nochmals für zwei Tage dort. Während dieser Zeit haben wir wohl die wichtigsten Sehenswürdigkeiten und Aktivitäten abgedeckt: wir waren bei Nacht am Hoan-Kiem-See, haben uns das Wasserpuppentheater angeschaut (wirklich ein Erlebnis, wenn man es noch nie gesehen hat), sind mit Fahrrädern durch die Stadt gecruist (siehe Video – auch der vietnamesische Verkehr lässt sich bezwingen), waren im ethnologischen Museum (eher ein Verlegenheitsbesuch – irgendwo mussten wir mit den Fahrrädern ja hinfahren) und in einigen Tempeln (Literaturtempel und einer am Tay-See) und haben uns last but not least in aller Frühe beim Mausoleum angestellt, um einen Blick auf den guten Onkel Ho zu ergattern.

Mein absoluter Favorit ist natürlich die Altstadt rund um den Hoan-Kiem-See mit ihren vielen Gäßchen, von denen viele nach den alten Zünften benannt sind, den zahlreichen Straßenverkäuferinnen, die, dank konischem Hut vor der Sonne geschützt, ihre Ware in an einer Stange befestigen Körben präsentieren (einfach mal alles probieren – ich habe da zum Beispiel sehr leckeres Gebäck gegessen; das Problem ist nur, dass das Angebot sich mit der Tageszeit ändert) und natürlich den tausenden von kleinen Shops. Auch der Vietnamese ist wie der Chinese offenbar der Ansicht, dass es sich im Verbund einfach viel besser verkaufen lässt und so findet man einen Typ von Gegenstand immer nur in einer Straße, dort dafür aber an jedem Stand. Die Sachen in Vietnam oder zumindest in Hanoi sind nicht ganz so billig wie in China, aber es gibt eine Menge ungewöhnlicher Sachen, die sich trotzdem als preisgünstige Mitbringsel eignen, unter anderem bestickte Wäschebeutel, tolle Stickbilder mit vietnamesischen Landschaften, alles mögliche aus Seide, Wasserpuppen, Lackwaren (z.B. Fotoalben), Holzstempel mit den tollsten, personalisierten Motiven … ihr seht, ich musste Hanoi schon allein wegen der Shopping-Möglichkeiten. Aber auch die Atmosphäre in der Altstadt ist toll: viele alte Gebäude noch aus Kolonialzeiten, ein Wirrwarr von Kabeln über den Straßen und das ununterbrochene Knattern des Verkehrs.

Und dann auch noch das Essen … an jeder Ecke gibt es Pho Bo, eine Rindfleischsuppe und Nationalgericht der Vietnamesen. Spezialität von Hanoi sind außerdem Smoothie, die mit viel frischem Obst und einer Art Kondensmilch zubereitet werden (siehe Fotos). Und natürlich auch sonst das köstliche vietnamesische Essen *schwelg*. Ohne Witz, in Vietnam hatte ich nach einem knappen halben Jahr China endlich mal wieder das Verlangen, noch mehr zu essen, obwohl ich schon pappsatt war – chinesisches Essen ist einfach nichts für mich.

Ich glaube, Hanoi ist meine neue Lieblingsstadt …

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