Jinghong – Mengla und ab über die Grenze
Nachdem wir in Xiaguan den richtigen Busbahnhof gefunden hatten, richteten wir uns gemütlich in unseren Hühnerbetten ein und hofften, die lange Fahrt einfach schlafend hinter uns zu bringen. Dabei hatten wir jedoch nicht mit der Unterhaltungssucht der Chinesen gerechnet. Um die Fahrt etwas abwechslungsreicher zu gestalten, wurde auf dem Fernseher vor dem ersten Bett nämlich ein Film nach dem anderen gezeigt – in voller Lautstärke natürlich. Man muss zugeben, dass sich der Fahrer auf ein buntgemischtes Publikum eingestellt hatte und so gab es von der Teenie-Komödie bis zur Schlachtenepos alles zu sehen. Aber zusehen musste man zwangsläufig, vor allem, wenn man in den mittleren Betten lag, denn zum Umdrehen sind die Pritschen einfach zu schmal. Den ersten Film ertrug ich noch gutmütig, nach dem zweiten dröhnte mir schon der Kopf (der Chinese hat hier das schöne Sprichwort 一个头两个大, was soviel heißt wie “Ein Kopf, doppelt so groß”) und nach zehn Stunden Dauerberieslung beglückte mich der Anblick der stillstehenden Sterne bei einer Pinkelpause derartig, dass ich fast nicht mehr zurück in den Bus gestiegen wäre. Gegen Mitternacht wurde das Unterhaltungsprogramm zwar eingestellt, dafür konnte ich mich jetzt voll auf den Geruch meines Nachbarn (ein älterer Bauer, der fortwährend in den Mülleimer spuckte und sich dabei wahrscheinlich auch noch sehr zivilisiert vorkam) und meine Rückenschmerzen konzentrieren. Jaja, die Tücken eines Sleeper-Buses … am nächsten Morgen kamen wir relativ früh in Jinghong an und verdrückten uns so schnell wie möglich aus dem Bus, denn vor unserer Weiterfahrt nach Mengla wollten wir nochmal versuchen, Malaria-Mittel zu bekommen (was wir in Nanjing und Kunming vergeblich versucht hatten). Aber auch hier hatten wir beim offiziellen Gesundheitsamt kein Glück und so ging es nach einem kleinen Suppenimbiss schon wieder weiter. Immerhin durften wir die Fahrt diesmal sitzend ertragen – ein klappriger Minibus mit nicht vorhandenem Stauraum für Gepäck brachte uns vorbei an Bananenplantagen und roten Eisenbahntrassen in den Ort, der der laotisch-chinesischen Grenze am nächsten liegt. Dschungelfeeling kam bei dieser recht holprigen Fahrt auf jeden Fall auf, auch wenn ich vergeblich nach Elefanten Ausschau hielt. Endlich angekommen, checkten wir ins nächstbeste Hotel und nahmen erstmal eine laaaange Dusche, um unsere vom Sitzen tauben Glieder wiederzubeleben. Vor dem Abendessen schauten wir aus reinem Interesse noch bei einer Apotheke vorbei – und siehe da, die Verkäuferin reichte uns ohne Zögern eine Schachtel mit Tabletten (und das, nachdem noch in Kunming die Apotheker gerätselt hatten, was Malaria überhaupt sei!). Es handelte sich um so ein Akutmedikament, was für unsere Zwecke völlig ausreichte (keine Regenzeit, kurzer Aufenthalt etc.). Wieder einmal zeigt sich, dass in China eben nur das verkauft wird, was auch akut benötigt wird … von wegen Planwirtschaft *g*.
Am nächsten Tag ging es dann mit einem etwas größeren Bus über eine unbefestigte rote Piste (es war ein Wunder, dass der Fahrer bei dem Staub noch den Weg erkennen konnte) Richtung Laos. Der Grenzübergang verlief problemlos, wir zahlten die Visumsgebühr in RMB und bekamen einen schicken Stempel in den Pass. Im nächsten Dorf (ungefähr zehn Häuser und keine befestigte Straße) teilte uns der Fahrer dann jedoch mit, dass wir uns aber hier eine andere Mitfahrgelegenheit suchen müssten, da er in eine andere Richtung führe. Da standen wir nun, ohne jegliche Laotisch-Kenntnisse und weit und breit nichts, was auch nur im Entferntesten nach einer Bushaltestellte ausgesehen hätte … mit dem Kauderwelsch-Sprachführer bewappnet fanden wir schließlich heraus, dass tatsächlich ein Bus in unsere Richtung fahren würde. Also warteten wir … und warteten … und dann kam tatsächlich eine Art Lieferwagen mit offener Ladefläche, auf der schon einige Laoten auf zwei links und rechts angerichteten Sitzbrettern saßen. In Laos darf man wohl nicht wählerisch sein, was die Transportmöglichkeiten angeht, also Rucksäcke in die Mitte geschmissen und aufgesprungen.
Bis zu diesem Punkt hatten wir auf der Reise ja bereits einige “interessante” Fahrten hinter uns gebracht, aber diese übertraf einfach alles. Es ging quer durch den Dschungel und bei jedem Schlagloch hatte ich Angst um unsere Rucksäcke, solcher Hüpfer machte unser Gefährt. Wie oft ich mir den Rücken bei der anschließenden Landung gestaucht habe, kann ich nur abschätzen. Unserer mitreisenden Laoten nahmen die Sache gelassen, nur einmal wandte sich ein kleiner Junge kurz nach außen “über die Reling” – Seefahrer sind die Laoten keine, wie wir auch später noch feststellen sollten. Nach etwa drei Stunden kamen wir in der nächst größeren Stadt an, wo wir für 8$ ein sehr anständiges Hotel fanden – und beim Abendessen gleich mehreren Gruppen von Franzosen über den Weg liefen. So ab vom Schuss waren wir wohl doch nicht …

[...] nächsten Tag ging es wieder weiter mit dem Bus, diesmal allerdings recht unspektakulär in einem komfortablen [...]