Daily China

Alles rund ums Reich der Mitte

Dali, Yunnan

Februar21

Wenn auch schon etwas her, hier nun doch die Weiterführung unserer Route von Lijiang aus.

Wie bereits erwähnt, verbrachten wir nur einen Tag in Lijiang, was für die Stadt an sich auch völlig ausreichte (in der Nähe wäre natürlich noch die

Tiger Leaping Gorge gewesen, aber alles kann man halt nicht schaffen). Am frühen Abend ging es dann mit einem Mini-Bus weiter nach Dali, was ungefähr drei Stunden dauerte. Offensichtlich hatten wir einen der Busse erwischt, der weiter nach Xiaguan fuhr und uns deswegen am östlichen Ende von Dali absetzte – wir mussten jedenfalls ein ganzes Stück laufen, bis wir zum Hotel unserer Wahl, dem Tibetan Lodge, kamen. Was ich unterwegs von der “Stadt” mitbekam, gefiel mir gut: niedrige Häuser, kleine Gassen, viele Bars und Restaurants. Auch das Hotel war akzeptabel, die Zimmer zwar klein, aber relativ sauber (dass man auf heißes Wasser ewig warten musste, konnte man ebensowenig sehen wie die Käfer, die sich erst später zeigten) und der tibetisch angehauchte Innenhof wirklich sehr hübsch.

Am nächsten Morgen zeigte sich dann einmal mehr, was der Lonely Planet meint, wenn er von einem Backpacker-Paradies spricht – westliches Frühstück inklusive Müsli (im Rest Chinas eine Rarität) war an jeder Ecke zu haben. Wer nur ein paar Wochen in China unterwegs ist, mag so etwas verschmähen, wir, die wir jedoch in Nanjing tagein, tagaus mit Mantous und Xifan (einer Art dünner Reisbrei, völlig geschmacklos) vorlieb nehmen mussten, waren mehr als dankbar für die Abwechslung. Derart gestärkt, konnte uns dann auch das Angebot einer älteren Chinesin für Gras (hier also die Auflösung der mysteriösen Formulierung “herbal alternative to beer” …) nicht mehr schocken; wir nahmen selbstverständlich nicht an, sondern bestiegen unsere Fahrräder (vom Hotel für wenig Geld gemietet) und machten uns auf in Richtung der drei Pagoden, dem Wahrzeichen Dalis. Der Weg dorthin war wenig reizvoll und führte entlang einer Landstraße; bei der Pagode angekommen, erwartete uns schon die nächste Enttäuschung, denn der Eintritt sollte nicht weniger als 100 Yuan kosten – eindeutig zu viel für drei Steintürme, die man noch nichtmal besteigen kann. Wir entschlossen uns also dazu, lieber die Hügel hinter der Pagode besteigen.

Erst ging es durch einige Straßen und Gässchen, die Pagoden immer gut im Blick – von Ausländern dafür keine Spur, die hatten wohl das Angebot der älteren Dame nicht abgelehnt … Irgendwann hörte der Weg auf und wir arbeiteten uns übers freie Feld vorwärts, im Rücken eine phänomenale Aussicht über den ganzen Erhai Hu. Das einzige, was die Stimmung etwas trübte, war der pfeifende Wind, der einem unablässig Staub ins Gesicht wehte – für Kontaktlinsenträger sehr ungünstig. Aber Zähne und Augen zusammengebissen und weiter nach oben! Unterwegs kamen wir an einigen Friedhöfen (oder dem, was wir dafür hielten) und einem Steinbruch vorbei, in dem einige Leute noch von Hand Steine herausklopften. Schließlich (nach etwa einer Stunde) waren wir oberhalb der Pagoden-Anlage und somit in der perfekten Position für Fotos sowohl vom Inneren der Anlage als auch von den Pagoden selbst mit Erhai Hu im Hintergrund. Wer wagt, gewinnt, kann man da nur sagen ;-) .

Nach einer kurzen Pause ging es wieder zurück zu unseren Fahrrädern und wir beschlossen, uns den See nun noch aus der Nähe anzusehen. Zurück über die Landstarße und quer durch die Häuseransammlung am Ufer, wo uns nicht nur Pferde, sondern auch Menschen höchst interessiert nachsahen. Luftlinie nur 500m vom Müsli getrennt, wird man als Ausländer auch schon wieder zur Attraktion … Umgekehrt waren wir aber nicht weniger neugierig und vor allem von den Reisbauern fasziniert, die sich hier im Süden doch stark der Vorstellung eines asiatischen Bauerns mit konischem Hut inmitten von Grün annäherten – ganz anders als zum Beispiel in Anhui.

Irgendwann konnte ich aber durch meinen Tränenschleier (der Wind wehte noch immer heftig und wirbelte auf den unbefestigen Schotterpisten, auf denen wir unterwegs waren, nicht wenig Sand und Staub auf) außer Grün (Reisfelder) und Blau (See) nicht mehr viel erkennen, so dass wir uns auf den Rückweg machten. Am Abend ging’s dann noch auf einen kleinen Bummel durch die Stadt – recht romantisch, da es außer der Gebäudebeleuchtung kaum Licht gab. Außerdem eine ganze Straße mit kleinen Schreibwarenladen, womit man mich in China ja immer glücklich machen kann *g*.

Und am nächsten Morgen hieß es nach einem Frühstück im Old Dali Youth Hostel (dort gibt es preiswertes, aber reichhaltiges Buffet) schon wieder Abschied nehmen – für unseren großen Ritt Richtung Laos fuhren wir erst nach Xiaguan und von dort dann weiter nach Jinghong.

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