Morgens, halb neun in China … im Supermarkt
Ein Ort, den es auf die eine oder andere Weise in jedem Land gibt, der sich auf den ersten Blick immer ähnelt, aber doch unverkennbar durch die Kultur des jeweiligen Landes geprägt ist: der Supermarkt. Und so möchte ich dieser wichtigen Einrichtung heute einen Eintrag widmen.
Supermärkte gibt es in China viele, kleine, mittelgroße und einige, die sehr groß sind und über mehrere Stockwerke gehen. Dort werden dann nicht nur Lebensmittel, sondern von Schreibwaren über Reiskocher bis zu Badelatschen auch alles verkauft, was der Durchschnittschinese so braucht. Der Supermarkt bei uns um die Ecke hat ein wirklich gutes Angebot, man kriegt da sogar Kellogs und Toffifee (letztere allerdings auch zu deutschen Preisen). Im oberen Stockwerk werden die sog. Alltagsgegenstände verkauft – dort findet man dann so nützliche Dinge wie rosa-geblümte Klimaanlagen-Verkleidungen oder Klositze (Klappstühle mit einem Loch in der Mitte, mit denen man ruckzuck eine chinesische in eine westliche Toilette verwandeln kann). Im unteren Stockwerk gibt es eine große Lebendabteilung mit Fischen, Kröten, Schlangen und Schildkröten (alles zum Selberfangen – allerdings wirklich kein schöner Anblick), riesige Ölflaschen mit Öl zum Kochen, Berge von Reis (der in Kilo-Säcken verkauft wird), eine enorme Auswahl an Instant-Nudelsuppen und all die Dinge, die man auch bei uns kaufen kann – von Brot (neben ganz normalen Baguette gibt es auch Schokoladenbrot, bei dem die Schoki allerdings im Teig verarbeitet wurde), Milch und Joghurt über Kekse und Chips bis hin zu Tiefkühlgerichten (hier dominieren allerdings Jiaozi (chinesische Teigtaschen) und nicht Knödel) und Katzenfutter (sogar von Whiskas).
Generell beschäftigen Supermärkte ein Heer an Angestellten für die unterschiedlichste Aufgaben: da gibt es dann zum Beispiele Leute, die nur sicherstellen, dass am Ende der Rolltreppe die Einkaufswagen der Kunden nicht hängen bleiben. Morgens beträgt das Verhältnis Angestellte:Kunde etwa 4:1 – das heißt allerdings nicht, dass man auch gut beraten wird. Der teuerste Wein ist grundsätzlich der beste – selbst wenn er nur zum Kochen verwendet werden soll.
Außer den vielen Angestellten, die emsig von Regal zu Regal rennen, ohne wirklich etwas zu tun, gibt es aber um diese Uhrzeit noch etwas im Supermarkt zu bestaunen: eine Schlange von bestimmt 100 Leuten, die sich einmal quer durch das untere Geschoss windet. Ein neuer Billigcomputer, von Aldi importiert? Frische Bisamratte? Nein, die Leute stehen hier – für Eier an. Ganz normale Hühnereier, die man auch zu jeder anderen Zeit für etwa 0,70€/10 Stück bekommt. Allerdings sind die morgendlichen Eier besonders günstig: nur 3 Yuan (rd. 0,3€) für ein HALBES KILO. Die bekommt man dann in einer Plastik-Tüte und sofern man sie heil durch den chinesischen Verkehr bekommt (was ich persönlich bezweifle), hat man dann Eier für den nächsten Monat. Oder? Was bitte macht eine 3-Kopf-Familie mit so vielen Eiern? Eines der vielen Rätsel Chinas, das wohl ungelöst bleiben wird …
