Daily China

Alles rund ums Reich der Mitte

Lijiang, Yunnan

Februar19

Black Dragon Pool

Erwähne in China Yunnan und du wirst sofort gefragt, ob du schon in Lijiang warst. Dieses "kleine" Städtchen hat sich seinen Ruf (und die Aufnahme in die Liste der Weltkulturerbe-Stätten) durch eine gut erhaltene Altstadt und den Hei Long Tan (Schwarzer Drachen-See) erworben. Ein Foto von einem selbst (natürlich mit V-Handgeste) vor dem Hei Long Tan, den Zhu Long Xue Shan (Jade-Drachen-Schnee-Berg) im Hintergrund, gehört zu den Must-Haves eines jeden chinesischen Fotoalbums. Kein Wunder also, dass wir uns am Abend des 10. Januars an einem der Busbahnhöfe Kunmings (es gibt nämlich in jeder chinesischen Stadt – und sei sie auch noch klein – allermindestens zwei Busbahnhöfe, deren genauen Namen aber natürlich niemand kennt, so dass man immer froh sein kann, wenn man die Tickets in einem Reisebüro gekauft hat und trotzdem rechzeitig den richtigen Busbahnhof findet. Aber das nur am Rande.) in einen Sleeper-Bus Richtung Lijiang setzten. Sleeper-Bus ist auch ein wichtiges Stichwort: Züge sind ja gut und schön, aber während bei uns der gemeine Reisebus seinen Ruf als Transportmittel für Schafherden-ähnliche-Rentnertouristengruppen weg hat, ist es in China völlig normal, auch weite Strecken mit dem Bus zurückzulegen. Für Fahrten tagsüber gibt es dafür unterschiedliche Klassen von gewöhnlichen Sitzbussen (von der Klapperkiste, bei der einem jedes Schlagloch schmerzhaft ins Kreuz fährt, bis hin zum Nobelbus mit Karaokeanlage ist alles möglich); geht die Reise über Nacht, findet man sich gewöhnlich in eben o.g. Sleeper-Bus wieder. Hierbei handelt es sich um einen gewöhnlichen Bus, aus dem einfach die Sitze entfernt und durch Stockbetten ersetzt wurden. Wenn man chinesische Genügsamkeit voraussetzt, bekommt man auf diese Weise in einen Bus 35 schlafende Reisende. Das allerdings bedeutet auch, dass man drei Betten und zwei Gänge auf die Breite des Busses pressen muss. Der geneigte Leser mag sich ausrechnen, was dem einzelnen da an Platz bleibt, ich kann nur sagen, dass ich inzwischen weiß, wie sich Hühner in einer Legebatterie fühlen (obwohl die wenigstens aufrecht sitzen können!). Insgesamt hat das von Harry Potter geborgte Konzept des Fahrenden Ritters aber durchaus seine Vorteile, denn was außer Schlafen kann man während einer Busfahrt sonst tun? Und zumindest die ersten vier Stunden ist das "Bett" bequemer als ein normaler Sitz. Auf der Minus-Seite hingegen muss man verbuchen, dass man gezwungen ist, nachts um drei auf irgendwelchen dubiosen Parkplätzen seinen menschlichen Bedürfnissen nachzukommen – Zugtoiletten sind nicht unbedingt sauberer, aber immerhin beleuchtet.

Nun, wie dem auch sei, ich habe meine erste Sleeeper-Bus-Fahrt jedenfalls heil überstanden, sodass wir am Morgen des 11. Januars in Lijiang ankamen. Nachdem wir herausgefunden hatten, an welchem Busbahnhof wir angekommen waren, machten wir uns auf den Weg ins Stadtzentrum, wo wir auf dem ruhigen Marktplatz erstmal ein Art improvisiertes Frühstück (die Reste unseres Reiseproviantes) einnehmen wollten. Aber ruhiger Marktplatz ist so eine Sache: die Touristengruppen waren zwar noch nicht da, aber dafür schon die Touristenfänger. Und die hatten natürlich nichts Besseres zu tun, als sich auf uns als erstes Opfer des Tages zu stürzen. Auch unsere wiederholten, zunehmend unhöflicheren Hinweise darauf, dass wir beim Essen doch lieber nicht gestört werden wollten, konnten ein besonderes hartnäckiges Exemplar nicht daran hindern, uns ihre Tour zum Zhu Long Xue Shan andrehen zu wollen. Sie scheute sich noch nicht einmal davor, sich vor ihren Kollegen lächerlich zu machen, in dem sie auf mein Angebot, die Tour für 1 Yuan (ihr erstes Angebot lag bei 100 Yuan), scheinbar einging. Erst durch mehrmaliges Fotografieren konnten wir sie auf Distanz bringen. Ach ja, touristische Erschlossenheit hat definitiv ihre Nachteile.

Gestärkt ging es dann Richtung Hei Long Tan, den wir zu dieser frühen Stunde fast ganz für uns hatten. Natürlich verbrachten wir eine geraume Zeit damit, das oben erwähnte Foto mit mir drauf zu schießen, und ich versichere euch, dass wir anschließend Prachtexemplare davon in Händen hielten. Aber eben nur im übertragenen Sinne, denn durch die Tücken der modernen Digitalfotografie und das unglückliche Zusammentreffen verschiedener Umstände wurden eben diese Bilder alle gelöscht. Ihr müsst mir also so glauben, dass ich dieses Wunder der Natur (ehrlich gesagt ist es nur ein kleiner See mit Brücke und Berg, und nur für beton-ermüdetete chinesische Augen etwas Besonderes) live und in Farbe gesehen habe und sogar davorstand. Nachdem wir noch eine Vorführung von Naxi-Tanzkunst (die Naxi sind die ethnische Minderheit, die Lijiang errichtet haben, und noch heute äußerst aktiv – wir kamen in den Genuss von nicht weniger als drei "traditionellen" Tänzen) bestaunt hatten, ging es zurück in die Altstadt. Diese ist wirklich einen ausgedehnten Spaziergang wert – alt oder zumindest auf alt getrimmte Häuser, viele kleine Gäßchen mit Brücken und Bächen. Siehe eben Fotos .

Aber recht viel mehr als die Altstadt hat Lijiang auch nicht zu bieten und deswegen bereuten wir es auch nicht, hier nur einen Tag verbringen zu können und am Nachmittag gleich weiter nach Dali zu fahren. Was wir dort erlebt haben, wie wir herausfanden, was der Lonely Planet unter "herbal alternative" zu Bier versteht und vieles mehr werde ich euch beim nächsten Mal erzählen …

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One Comment to

“Lijiang, Yunnan”

  1. On Februar 21st, 2009 at 23:21 Dali, Yunnan | Daily China Says:

    [...] bereits erwähnt, verbrachten wir nur einen Tag in Lijiang, was für die Stadt an sich auch völlig ausreichte (in der Nähe wäre natürlich noch [...]

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