Daily China

Alles rund ums Reich der Mitte

Watch, bags?

Januar1

Wer nicht nach China kommt, um Ming-Vasen und Jade-Buddhas zu erstehen, der ist sicher auf der Suche nach Waren, die gewissen Originalen nachempfunden sind, aber nur ein Bruchteil des Original-Preises kosten. Mit einem Wort: Fake-Waren. Und nirgends blüht dieses Gewerbe so üppig wie in Shanghai – auch nach Auflösung des berühmt-berüchtigten Xiang Yang-Marktes. Man muss nur wissen, wo man hingehen muss … wenig verwunderlich also, dass einer unserer ersten Wege in Shanghai meine Familie und mich zu einem Museum bzw. dessen näherer Umgebung führte. Auf dem Weg dorthin machte ich mir schon Gedanken, wie ich den Markt nun finden würde, denn sicherlich würde es keine Hinweisschilder geben. Aber mein Sorgen waren umsonst: Schilder gibt es wirklich keine, dafür aber jede Menge „Guides“, die potenzielle Kunden ansprechen und dann in die Geschäftsräumlichkeiten führen. Und ohne Guide ist man tatsächlich auf geschmissen, denn wer würde ahnen, dass sich hinter der Wand des einen Geschäftes ein weiterer Raum befindet, von dem man wiederum durch eine Geheimtür in die eigentliche Schatzkammer kommt? Die ägyptischen Pyramiden sind nichts dagegen.

Von dieser Art Geschäfte gibt es mindestens ein Dutzend und unsere Guides (bald gesellte sich ein zweiter hinzu) warteten geduldig, während wir harte Preisverhandlungen führten, um uns dann zum nächsten zu führen. Einerseits scheinen sie selbstständig zu arbeiten, denn jeder hatte seine eigene Visitenkarte und einer wollte uns auch noch zu einem anderen Markt führen, andererseits sind sie sicherlich am Umsatz beteiligt – überhaupt gehören in diesem Metier wohl alle irgendwie zusammen, denn was der eine nicht hatte, wurde rasch aus dem Lager eines anderen besorgt. Chinesen sind eben Leute mit Geschäftssinn.

So verging der Nachmittag aufs Angenehmste – bis wir in einem Laden aufgefordert wurden, uns ruhig zu verhalten: Polizei, angeblich, um nicht bezahlte Steuern einzutreiben. Wer’s glaubt. Uns wurde jedenfalls versichert, dass uns als Ausländern sowieso nichts passieren würde, und tatsächlich durften wir alle (Verkäufer eingeschlossen) nach einer Weile unbehelligt das Geschäft verlassen, aber ein bisschen mulmig wird einem doch zumute, wenn man hört, wie draußen jemand die Wände abklopft … die Verkäufer ließen sich jedenfalls nicht davon unterkriegen und der Vergleich von dem Ungeheuer, dem man einen Kopf abschlägt, woraufhin ihm sogleich drei neue nachwachsen, trägt sich einem unwillkürlich auf.

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