Daily China

Alles rund ums Reich der Mitte

Zhongguo de tedian – Post

November15

Die Post ist wohl überall ein merkwürdiger Verein – jeder braucht sie, keiner traut ihr, aber am Ende kommt das meiste doch an. So auch hier in China.

Laut meiner Gastmutter ist in den 13 Jahren, in denen sie schon Austauschstudenten aufnehmen, noch keine Päckchen verschwunden. Was allerdings nicht für Postkarten gilt, denn von denen, die mir nachweislich aus verschiedenen Ländern geschickt wurden, ist keine einzige angekommen. Das könnte daran liegen, dass die Post nicht, wie man vermuten könnte, in den eigens dafür angebrachten Briefkästen landet (die Staubschicht im Briefkastenschlitz beweist, dass hier seit Jahren nichts mehr eingeworfen wurde), sondern oben drauf und damit natürlich für alle zugänglich. Und wenn sich anscheinend auch niemand für die offiziell aussehenden Briefe der Bank of China (edit: inzwischen habe ich herausgefunden, dass das nur Werbung ist) zu interessieren scheint, die man dort tagtäglich findet, so üben anscheinend Bilder aus fernen Ländern eine unwiderstehliche Anziehungskraft auf manche Bewohner meines Wohnhauses aus …

Private Briefkästen sind für Chinesen ohnehin eine überflüssige Einrichtung. Als ich zum Beispiel meine Gastmutter kurz nach meiner Ankunft nach dem Briefkastenschlüssel fragte, musste sie ihn erstmal suchen. Grund dafür, dass Chinesen die unerfreuliche Erfahrung, den Briefkasten zu öffnen und ihn mit Rechnungen vollgestopft zu finden, erspart bleibt, ist, dass in China die Rechnung nicht Haus kommt, sondern der Kunde zur Rechnung. Sprich: in regelmäßigen Abständen (je nachdem, ob man monatlich oder halbjährlich zahlt), läuft man zum Telekom, zum Stromanbieter, zur Gasgesellschaft … Eine nette Aufgabe, wenn man sonst nichts zu tun hat, sonst aber eher lästig, da ja auch alle Leute zur gleichen Zeit kommen.

Aber zurück zur Sache mit der Post. Bisher am meisten von mir genutzt wurde dank meines persönlichen Import-Geschäfts der Bereich „Päckchen und Pakete“. Und wenn man in China das erste Mal ein Paket bekommt, geht das so:

1) Man kommt nach Hause und findet einen unscheinbaren Zettel in die Tür geklemmt (die Briefträger wissen halt, dass man Briefkästen nicht nutzen soll), der einem mitteilt, dass in einer bestimmten Postfiliale ein Päckchen auf einen wartet. Witzigerweise gibt es direkt neben unserem Haus eine sehr große Post, aber Päckchen abholen kann man nur in der kleinen Filiale weiter unten die Straße.

2) Mit dem Zettel (und am besten einem Ausweis, den ich allerdings beim ersten Mal schlauerweise nicht mit hatte – ich habe das Päckchen trotzdem bekommen …)geht man zur Post, wo einem mitgeteilt wird, dass man raus und hintenrum in den ersten Stock gehen soll. Ich bin immer noch stolz auf mich, dass ich mich von der Tatsache, dass der Aufgang ganz und gar nicht offiziell aussah, nicht entmutigen ließ und mich so bis in die Verwaltungsräume durchschlug.

3) Oben angekommen, sucht man einen Postbeamten. Dieser Teil lässt am meisten Variationen zu: mal muss man bis ins allerhinterste Zimmer laufen, um überhaupt jemanden zu finden, mal wird man gleich ins Empfangszimmer gebeten. Oder es sind zwar alle anderen Leute da, aber man muss auf die Rückkehr eines bestimmten Postboten warten, um bei ihm zu unterschreiben … Freundlich sind sie alle und inzwischen bin ich auch schon bekannt. Irgendwo unterschreibt man dann jedenfalls und bekommt daraufhin einen neuen Zettel ausgehändigt.

4) Mit dem neuen Zettel geht man dann runter zum eigentlichen Postschalter, wo man auf dem Zettel unterschreibt, die Passnummer einträgt (besonders gründliche Postbeamte (bisher nur eine) überprüfen die dann auch) und zwei Kuai (=anderes Wort für Yuan) bezahlt, die, wie ich inzwischen herausgefunden haben, für Briefmarken für die Empfangsbestätigung verwendet werden.

5) Und schließlich bekommt man sein Päckchen ausgehändigt, das gewöhnlich etwas mitgenommen, aber im großen und ganzen unversehrt ist. Immerhin hat man das Gefühl, etwas dafür getan zu haben.

Die chinesische Post weist viele Eigenheiten auf, die für ganz China typisch sind: eigentlich ganz professionell, insgesamt aber viel „menschlicher“ (im Positiven wie im Negativen) und nicht ganz leicht zu durchschauen …

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