Chinesisch sprechen – oder: Die 345 Interpretationen des Satzes Mama ma ma…
… naja, ganz so schlimm ist es auch wieder nicht . Es ist zwar wahr, dass das Chinesische deutlich weniger Silben und deswegen viel mehr Homonyme als z.B. romanische Sprachen hat, aber immerhin kann jede Silbe auf vier verschiedene Weisen ausgesprochen werden und wenn man dann soweit ist, dass man diese vier Töne (unbetont, steigend, fallend-steigend, fallend) unterscheiden kann, reduziert das die Zahl der möglichen Bedeutungen schon ganz erheblich. Außerdem bestehen die meisten Wörter im modernen Chinesisch aus zwei bedeutungsgleichen Silben. So heißen z.B. péng und yǒu beide Freund, werden aber nur als péngyou 朋友 verwendet.
Und somit vereinfacht sich dann der eingangs erwähnte Satz auf
Māma mà mǎ. = Die Mutter schimpft das Pferd.
Unnötig zu erwähnen, dass eine Abwandlung der Töne natürlich zu einem völlig anderen Satz und zu reichlich Verwirrung führt …
Wenn man sich allerdings mal an diese Art des Sprechens gewöhnt hat (einige asiatische Sprachen haben übrigens noch mehr Töne, also lohnt sich das Üben), ist das gesprochene Chinesisch relativ einfach, denn es verzichtet auf Deklination, Konjugation und andere unnütze Grammatikregeln, die man aus dem guten alten Lateinunterricht gewohnt ist. Der genaue Sinn der Sätze wird manchmal erst aus dem Zusammenhang klar, aber was braucht man auch mehr? Ganz ohne Grammatik kommt man allerdings nicht aus, denn der Chinese hat die Angewohnheit, sehr viele Informationen in eine Art Attributsatz vor das entsprechende Nomen zu packen (für die Lateiner unter uns: ist wie ein participium coniunctum, aber schwerer zuzuordnen), so dass man manchmal den Überblick verliert, wer jetzt was macht. Allerdings kommt das dann auch eher in der Schriftsprache auf und die ist dann wieder ein ganz anderes Thema. Fassen wir also zusammen: verständlich machen kann man sich mit Chinesisch ziemlich schnell; deswegen habe ich auch vor, euch an dieser Stelle in der nächsten Zeit ein paar Basics beizubringen – für alle diejenigen, die es wagen werden, mich zu besuchen . Ihr dürft also gespannt sein!
