Das Kreuz mit den Gutachten
Wer sich während seines Auslandaufenthaltes auf die wesentlichen Dinge, also nicht aufs Geld und wie man an selbiges rankommt, konzentrieren will, der ist gut damit beraten, sich im Vorfeld um ein Stipendium zu bemühen. Möglichkeiten gibt es viele, allerdings sind die meisten mit einem gewissen Aufwand verbunden (s. unten). Und der aufwändigste Teil sind zweifellos die Dozenten-Gutachten. Erstmal eine kurze Begriffsklärung: was ein Gutachten ist, dürfte jedem klar sein; schwieriger wird es bei dem Begriff “Dozenten”. Denn grundsätzlich ist damit jeder gemeint, der an der Uni unterrichtet. Beim DAAD wird sogar ausdrücklich darauf hingewiesen, dass bei Studenten, die noch kein Vordiplom haben, ein Gutachten von einem wissenschaftlichen Mitarbeiter reicht. Soweit die Theorie. In der Praxis sieht es nämlich so aus, dass ein Gutachten, das nicht die schwungvolle Unterschrift eines Prof. Soundso trägt, nichts wert ist. Aber leider musste ich feststellen, dass die Arroganz einer an einer Uni tätigen Person mit ihrer Position in der Hierarchie sprunghaft ansteigt. Und mehr als einmal musste ich mich von einem Prof dumm anmachen lassen, weil dieser es für absolut unter seiner Würde hält, sich um so etwas Niederes wie ein Gutachten zu kümmern (von Lehr- und den damit verbundenen anderen Verpflichtungen halten diese Leute leider nicht viel). Damit es euch besser ergeht, habe ich ein paar Tipps:
- Plant sehr viel Zeit ein, bis ihr das Gutachten letztendlich in Händen hält – drei Wochen sollten es bei einem vielbeschäftigen Prof. schon sein!
- Wenn möglich, solltet ihr gegen Ende der Semesterferien beim Prof. vorsprechen. Da hat er für gewöhnlich nicht soviel wie während des normalen Vorlesungsbetriebs zu tun, wird sich aber auch bemühen, die Sache vor Vorlesungsbeginn aus der Welt zu schaffen.
- Ein persönlicher Kontakt ist auf jeden Fall besser als eine E-Mail. Und die Sekretärinnen sind meistens ziemlich hilfbereit. Manche Profs bieten auch Sprechstunden für Studenten an und erwarten dann sogar, dass man da mal auftaucht.
- Egal, ob ihr selbst in die Höhle des Löwen müsst und die Unterlagen nur im Vorzimmer abgebt: neben dem eigentlichen Formular und evtl. Hinweisblättern solltet ihr noch einen Lebenslauf und, falls vorhanden, einen Studienplan oder ein Motivationsschreiben vorlegen, anhand dessen der Prof. dann euer Vorhaben beurteilen kann.
- Wenn ihr alles abgegeben bzw. im persönlichen Gespräch geklärt habt, muss er das gute Ding dann nur noch schreiben. Und das kann dauern … allerdings ist es mir auch schon passiert, dass meine Unterlagen einfach unter einen Stapel geschoben und dann vergessen wurden. Deswegen nach einer Woche nochmals anrufen, falls ihr bis dahin nichts gehört habt.
- Wahrscheinlich werdet ihr gefragt, bis wann ihr das Gutachten braucht. Es hat sich als hilfreich herausgestellt, wenn man den Termin um etwa eine Woche, unter Umständen auch mehr, früher angibt
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Und noch ein zwischenmenschlicher Rat: als mir ein Prof., der mein Gutachten schlicht und einfach vergessen hatte, erklärt hat, dass es andere Leute gäbe, die ihre Sachen schon vier Wochen vorher eingereicht hätten, wäre ich fast in die Luft gegangen. Leider hilft einem das auch nicht weiter – also immer schön nett und freundlich bleiben und lieber nachher ein bisschen Voodoo am Boxsack ausprobieren
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